Nicht mit, sondern für

Der mini-monsieur macht dieses Jahr, wie schon im letzten Herbst-Winter, einen Schwimmkurs. Im vergangenen Jahr war es ihm irgendwie nicht beizubringen, dass diese 45 Minuten im Wasser nicht ausschließlich für sein Vergüngen gedacht waren, sondern eigentlich auch dafür, dass er schwimmen lernt. Da ich Seepferdchen und sämtliche Abzeichen bis zum DLRG-Silber-Schein habe, war es mir irgendwie egal, ob er da nun mit Abzeichen rauskam oder nicht. Die Erfahrung sollte er bitteschön selber machen. Wenn er eine dreiviertel Stunde im Wasser sein Ding durchzieht, dann muss er mit der Konsequenz leben: nämlich kein Seepferdchen zu Weihnachten (2013). Die Enttäuschung war auch entsprechend groß, als dies eintraf. Aber diese Erfahrung konnte und wollte ich ihm nicht nehmen.

Er lag mir also eine zeitlang in den Ohren, dass er wieder Schwimmkurs machen möchte. Und weil man im Herbst-Winter sich eh immer etwas weniger zu Aktivitäten aufraffen kann, habe ich ihn wieder angemeldet. Er weiß, was für ihn auf dem Spiel steht und ich habe ihm auch erklärt, wie er es erreichen könnte. Die Umsetzung liegt bei ihm.

Wenn ich könnte, würde ich ihn ja tatsächlich allein in den Kurs gehen lassen. Aber das kann ich ihm wohl noch nicht ganz zutrauen. Also gehe ich brav mit, assistiere ihm beim Umziehen und Warten.

Doch sobald der mini-monsieur im Wasser ist, bleibe ich nicht wie all die anderen Eltern schwitzend am Beckenrand sitzen, sondern gehe aus der Schwimmhalle. Und zwar aus zwei Gründen:

Erstens: Ich will mir das Drama gar nicht angucken und das Gefühl haben, meinen Sohn ermahnen zu müssen, sich so oder so zu benehmen. Das soll der Schwimmlehrer in dieser Zeit machen. Denn mal ganz ehrlich, welche Authorität habe ich denn vom Trockenen aus.

Zweitens: Dieser Schwimmkurs ist FÜR den mini-monsieur. Er soll und will was lernen. Und in meinen Augen nicht nur schwimmen, sondern auch, sich in anderen Gruppengefügen und mit anderen Authoritäten zurechtzufinden und diese auch zu akzeptieren. Diese 45 Minuten sind nichts, was wir miteinander machen. Das ist kein Moment, für den ich mir Zeit nehme, um etwas MIT meinem Kind zu machen. Wie schon oben geschrieben, wenn ich könnte, würde ich mich da gerne noch mehr ausklinken.

Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich es besser fände, wenn der Schwimmlehrer dieses Nebendransitzen nicht erlauben würde. Denn sind wir mal ehrlich, die meisten sitzen doch nur wegen des Gewissens daneben:

Da lassen wir – meistens – unsere Kinder schon den ganzen Tag „allein“ in der Kita. Dann müssen wir ja quasi die „wenige“ Zeit, die wir zusammen haben können, eben auch mit ihnen zusammen verbingen. Aber welchen Bärendienst Gefallen erweise ich meinem Kind (und auch mir), wenn ich bei allem dabei bin?

Selbstständigkeit geht anders.

 

Ein Gedanke zu „Nicht mit, sondern für

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