99 Fragen (Teil 2)

Weiter geht’s mit den Nido-Fragen…

2 Was ist der größte Kompromiss, den Sie je geschlossen haben?

Ich fürchte, ich bin ein recht kompromissloser Mensch. Alle Kompromisse in der Vergangenheit waren irgendwie faule, bei denen ich mich verbiegen musste und immer das Gefühl hatte, dass meine Idee/ Lösung/ Herangehensweise die richtige(re) gewesen wäre. Man könnte meinen, dass ich in Bezug auf meine Eltern einen Kompromiss eingegangen bin (s. Frage 78). Aber ich war da so kompromisslos wie selten zuvor in meinem Leben. Nur daraus konnte etwas Neues – ein Nicht-Kompromiss – entstehen.

4 Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?

Zumindest sind die Wunden irgendwann zu. Aber manche bleiben sehr empfindlich oder sind auch einfach sehr vernarbt und dadurch immer wieder sehr präsent.

6 Wie viele Märchen können Sie erzählen?

Da der mini-monsieur sich nicht so für Märchen interessiert, musste ich bislang keine erzählen. Ich denke aber, dass ich in groben Zügen Dronröschen, Der Froschkönig, Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Aschenputtel und Schneewittchen auf die Reihe bekäme.
Ich habe einige Märchen erzählt vorgelesen bekommen. Aber gar nicht so viele Grimm’schen Märchen. Meine Mama hatte Bücher mit internationalen Märchen und H.C. Andersens Märchen waren auch präsent. Aber die fand ich zum Teil unheimlich oder sehr traurig.

7 Welches Spielzeug aus Ihrer eigenen Kindheit haben Sie Ihrem Kind weitergegeben und warum?

Wenn es nach meiner Mutter ginge, hätte ich möglicherweise noch mehr weitergegeben. Aber ich freue mich sehr, dass der mini-monsieur mit meiner alten Holzeisenbahn spielen kann. Es ist einfach ein zeitloses Spielzeug und durch die gute Qualität auch unverwüstlich.
Und er hat meine komplette „Pettersson und Findus“-Sammlung in seinem Bücherregal stehen. Die Geschichten sind einfach super und machen auch in höherem Alter viel Spaß. Anfangs sind es nur die skurirlen Geschichten selbst, die begeistern. Später entdeckt man dann die ganzen Details. Ich hätte auch gerne einen Muckla bei uns wohnen.

9 Sind Sie insgeheim froh, wieder Kindergerichte essen zu dürfen?

Was sind denn bitteschön Kindergerichte?Der mini-monsieur hat, nachdem die Breizeit vorbei war, mit uns normal mitgegessen. Ich habe eine zeitlang aufs Salz geachtet. Aber besonderes Essen nur für ihn gab es nicht. Er hat – wie jeder auch – Vorlieben und Abneigungen. So mag er Kürbissuppe und Spinat. Jagen kann man ihn hingegen mit Pilzen und Brokkoli. Und MEIN Kindheitsgericht schlechthin: Milchreis mag er überhaupt nicht.
Klar koche ich auch, was er gerne mag, und ich freue mich, wenn er später sagt, dass das Gerichte seiner Kindheit waren.

13 Zu welcher Tageszeit macht Sie Ihre Familie am glücklichsten -Morgens | Mittags | Abends | Nachts?

Also meine kleine Kernfamilie der mini-monsieur macht mich unter der Woche abends am glücklichsten. Wir freuen uns aufeinander und können noch etwas Zeit miteinander verbringen. Schade ist, dass die Zeit so kurz ist. Am Samstag ist es der Nachmittag und der Abend. Und am Sonntag der ganze Tag.

14 Und zu welcher Jahreszeit?

Das ist eine lustige Frage. Prinzipiell würde jede/r ich ja sagen: ganzjährig. Aber ich glaube, der Winter ist schon so eine Zeit, die mich sehr mit dem mini-monsieur verbindet. Wir freuen uns beide sehr über Schnee. Und haben dann einfach viel Spaß miteinander. Im Frühjahr sind wir beide zusammen glücklich auf den Fahrrädern unterwegs. Im Sommer war ich die vergangenen Jahre ja immer für längere Zeit allein, weil der mini-monsieur mit seinem Papa in Frankreich war. Das macht mich auch glücklich, weil diese Zeit nur für mich schon eine sehr besondere ist. Der Herbst ist auch schön, aber irgendwie ist er auch immer etwas stressiger als die anderen Jahreszeiten.

25 Erwischen Sie sich manchmal dabei, dass Sie Ihre Kindheitsträume auf Ihr Kind projizieren?

Der mini-monsieur hat – glaube ich – Glück, dass ich keine Kindeheitsträume hatte. Oder mich nicht daran erinnere. Oder dass ich sie irgendwie erfüllt bekommen habe. Ich wollte unbedingt Ballett machen. Ich habe 6 oder 7 Jahre getanzt. Ich wollte unbedingt Geige lernen, weil ich Mozart so toll fand. Ich habe es 1,5 Jahre ausprobiert.
Ansonsten Dadurch hatte ich wohl nie das Gefühl, irgendwelchen Träumen nachhängen zu müssen. Vielmehr wurde mir suggeriert: Wenn Du etwas wirklich willst, dann klappt das schon irgendwie.

30 Wem aus Ihrer Vergangenheit möchten Sie lieber nicht begegnen?

Ich bin mal auf einer Hochzeit einem Schatten meiner Vergangenheit begegnet. Also meinem Ex-Freund, der sich zu meinem Ex machte, weil er mit einer meiner damals besten Freundinnen anbandeln musste. So sehr ich wusste, dass es für alle Beteiligten richtig war, so sehr habe ich doch anfangs gelitten.
Und auf der Hochtzeit war das schon skurril. Das Brautpaar wusste ob der Brisanz und hatte uns so weit wie möglich von einander entfernt platziert. Doch zum einen hatten sie die Rechnung ohne die Trauzeugen und deren Spielideen gemacht und zum anderen auch ohne den Alkohol. Denn zu später Stunde brannte meine Ex was auf der Seele. Und als ich so mit ein paar Leuten nichtsahnend draußen stand, gesellte er sich dazu und sprach, dass er mir _die_ Sache von damals (zu dem Zeitpunkt mind. 6 Jahre) ja mittlerweile verziehen hätte. Da hab ich mich so uffjerescht, dass ein Glas zerbrach und mein damaliger Mann mich festhalten musste.
Ansonsten muss ich meinem großen Bruder nicht mehr begegnen.

45 Hat Ihr Kind Sie konservativer gemacht?

Meine konservative Phase hatte ich während des zweiten Studiums. All meine Unkonventionalität war verschwunden. Als hätte ich sie beim Zurückzug von Gießen nach Bielefeld unterwegs verloren. Dazu verheiratet (obwohl das ja in sich schon ein Bruch der Konventionen war) und wohnhaft in einer spießigen wenn auch schönen 3-Zimmer-Wohnung – als Studentin!
Das hat sich dann zum Glück wieder geändert, als ich nach Frankfurt gezogen bin. Ich glaube die konservativen Ansichten meiner damaligen Chefin haben meinen Widerstandsgeist geweckt. Und während in meinem Umfeld geheiratet wurde, habe ich mich getrennt. Bin, noch nicht geschieden, schwanger geworden. Mit dem Wissen, dass ich für die finanzielle Sicherheit unsere Familie zuständig sein werde, dass ich letzlich die Alleinverdienerin bin.
Nein, ich glaube nicht, dass ich dem mini-monsieur ein „klassisches“ konservatives Leben präsentiere. Sicherlich habe ich bestimmte Grundwerte, die ich ihm vermittel, und von denen ich hoffe, dass er sie wirklich verinnerlicht. Und es mag sicherlich ein paar Revolutionäre geben, die finden, dass „Bitte“, „Danke“ und „Wie bitte?“ statt „Waaas?“ konservativ sind. Aber das definiere bitte letzlich jeder für sich selbst.

66 Welcher Ihrer Körperteile bereitet Ihnen Sorgen?

Die bessere Frage sollte lauten, welcher Körperteil bereitet keine Sorgen.

73 Schlafen Sie häufiger in einem Bett oder in getrennten Betten?

Das war eine große Diskussion bei uns. Aus französischer Sicht eine Grundsatzdiskussion. Aus meiner Sicht eine unnötige. Denn Schlaf ist mir heilig und hier bedarf es pragmagtischer Lösungen. Zu dritt kann ich nicht in einem 140-Bett schlafen. Und neben einem notorischen Schnarcher auch nicht.
Möglicherweise hätte uns ein breiteres Bett mit zwei getrennten und individuell angepassten Matratzen weitergeholfen – beim Platz auf jeden Fall und beim Schnarchen möglicherweise auch. Aber auch das widersprach der französisch Ansicht. Getrennte Matratzen sind ja quasi des Teufels getrennte Betten. Ganz zu schweigen von getrennten Bettdecken.

75 Wissen Sie, ob Ihre Eltern ein Testament gemacht haben? Und auch, was drinsteht?

Ich vermute es. Und ehrlich gesagt hoffe ich es. Denn ich habe keine Lust, mich mit meinem großem Bruder um den Nachlass zu streiten.

78 Was verzeihen Sie Ihren Eltern nicht?

Oh, das ist ein sehr schwieriges Thema. Ich habe eine Zeit lang gedacht, dass ich ihnen ihr Verhalten bei meiner Trennung (vor 7 Jahren) nicht verzeihen könne. Das ist soweit eskaliert, dass wir als Familie beim Mediator waren. Was dazu führte, dass wir eine zeitlang von mir gewünscht – auch über die Geburt des mini-monsieurs hinaus – keinen Kontakt hatten.

79 Welchen Erziehungssatz Ihrer Eltern mochten Sie nie und haben ihn trotzdem denm eigenen Kindern gesagt?

Ich bin mir gar nicht sicher, ob meiner Eltern (naja, eher meine Mutter) das gesagt hat, aber irgendwo muss ich es ja herhaben, zu sagen „Ich zähle bis drei…“. Noch klappt es auf wundersame Weise.
Ansonsten kann ich mich gar nicht an irgendwelche Erziehungssätze erinnern, die nicht – wenigstens in der Rückbetrachtung – Sinn gemacht hätten.
Das einzige, was mich wirklich genervt hat, war, wenn meine Mutter mir Fahrradverbot erteilt hat. Das war lange Zeit wirklich das einzige Druckmittel, das gewirkt hat.
Und ein Erziehungssatz, der mir aus Gründen hoffentlich nie über die Lippen kommt, ist die Sache mit dem Aufessen und dem guten Wetter. Wie ich den hasse! Und ich habe letztens echt ne Krise bekommen, als eine Freundin ebendiesen zum mini-monsieur sagte.

80 Was würden Sie Ihre Eltern gerne mal fragen? (Mehrfachnennung möglich)
– Wolltet ihr euch schon einmal trennen?
– Bin ich das Kind, das ihr haben wolltet?
– Habt ihr geheime Laster?
– Wie möchtet ihr beerdigt werden?

ad 1) Die Antwort kenne ich. ad 2) Auch hierzu kenne ich die Antwort. ad 3) Das will ich gar nicht wissen. ad 4) Ja, das könnte interessant sein.

81 Was finden Sie schön am Älterwerden?

Ich mag die Erfahrungen, die ich sammel. Erfahrungen, die mir zeigen, dass alles schon so gut ist, wie es ist. Dass ich so gut bin, wie ich bin – wenn ich denn bei mir bleibe.
Ich finde es toll zu sehen, Dass es Verbindungen gibt, die wohl lebenslang halten werden – egal, wie unterschiedlich man sich entwickelt.
Ich mag auch, dass man mir gar nicht so ansieht, dass ich älter werde. Ich bin der 40 näher als der 30. Aber ich fühle mich irgendwie nicht so. Obwohl ich auch nicht weiß, wie man sich mit 40plus fühlen soll.

82 Wie alt würden Sie gerne werden?

Mindestens so alt, dass ich sehe, dass der mini-monsieur auf einem guten Weg ist.

83/84 Freuen Sie sich schon jetzt auf die Ruhe am Strand in ca. 15 Jahren? Oder haben Sie Angst davor?

Wieso, sind in 15 Jahren keine Kinder mehr an irgendwelchen Stränden? Oder – viel wichtiger – keine anderen Menschen?
Ich finde mein Kind am Strand gar nicht so schlimm. Ich finde auch meistens andere Kinder nicht schlimm. So findet der mini-monsieur nämlich meistens wen, mit dem er spielen kann.
Nervig ist es, wenn man dicht an dicht liegt. Dass immer eine/r bei den Sachen bleiben muss.

90 Was haben Sie von Ihren Kindern Ihrem Kind gelernt?

Noch mehr bei mir bleiben. Authentisch bleiben.
Ich habe aber auch mit ihm gelernt, dass ich keine Spiel-Mama bin. Ich kann mich nicht stundenlang mit ihm hinsetzen und Dinos gegeneinander kämpfen lassen oder mit irgendwelchen Figuren irgendwelche Geschichten durchspielen.
Dafür gehe ich gerne mit ihm raus: Fahrradtouren, Spielplatz (wobei er sich da ja mittlerweile auch gut selbst beschäftigt). Bücher vorlesen finde ich auch super. Oder mit ihm basteln.

93 Wie viele Freunde haben Sie? Hätten Sie gerne mehr?

Ich habe einige sehr gute Freunde. Drei begleiten mich schon seit der Schulzeit und das ist wirklich schön. Im Laufe der Jahre sind ein paar dazu gekommen und auch ein paar weggefallen. Interessanterweise ist aus meinen beiden Studienzeiten keiner übrig geblieben. Naja, doch, mit einer Studienkollegin habe ich immer noch sporadischen Kontakt.
Als ich in Frankfurt angefangen habe, sind viele Kontakte eingeschlafen. Dafür habe ich neue Leute kennengelernt und womöglich hätten sich daraus Freundschaften entwickelt. Aber viele Kontakte sind eingeschlafen, als ich zu spüren bekam, wie krankhaft Eifersucht sein kann. Ich bin erstaunt, dass ich trotzdem neue Kontakte geknüpft habe in dieser Zeit. Und in der Tat denke ich zur Zeit oft an frühere Wegbegleiter.
Ich merke aber auch, dass ich etwas scheu bin. So sehr „jeder“ jederzeit bei mit willkommen ist, tue ich mich schwer, mich „aufzudrängen“. Dabei bräuchte ich gerade jetzt ein gutes Netzwerk. Ich muss das noch optimieren.

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