Liebes Tagebuch am Fünften (September)

Ich fürchte ja, dass der heutige Tag ziemlich langweilig wird – vor allen Dingen gemessen an den vergangenen Tagen und Wochen. Aber nun denn, der Fünfte ist nun mal heute und da will Frau Brüllen wissen: WMDEDGT?

0h00 Der mini-monsieur ist soeben ziemlich k.o. und aufgewühlt eingeschlafen. Der gestrige Tag wird ihm – und mir – wohl noch eine Weile nachhängen. Ich bin auch ziemlich müde. brauche aber noch einen Moment für mich. Krass, gestern bin ich um 4h30 aufgestanden, um dann mit dem ersten Zug nach Paris zu fahren und dort den mini-monsieur übergeben zu bekommen. Und so schwer es war, so gut war es, noch ein paar Stunden zusammen verbracht zu haben. Ich denke daran, dass der monsieur und ich uns wohl lange Zeit vor der Trennung nicht so viel umarmt haben und nah waren – also emotional – wie seit der Trennung.

0h20 Ich habe noch Hunger. Ich zaubere mir einen Teller Salat. Das tut jetzt wirklich gut.

0h45 Die Nachrichten verfolge ich so halb. Also suche ich mir gleich die Zahnbürste und dann ab ins Bett.

1h05 Irgendwie bin ich beim Zappen bei ner Lindenstraße-Wiederholung hängengeblieben. Jetzt aber bettfertig machen. Duschen wäre nach dem doch recht stickigen und dadurch recht schweißtreibenden Tag in Paris zwar angebracht, aber ich bin zu fertig.

1h20 Es ist mir egal, ob Spinnen-Viechzeug in der Wohnung für ein gutes Klima in ebendieser zeugen, drei Schneider sind genau drei zu viel. Also zücke ich zu nächtlicher Stunde noch den Staubsauger.

1h25 So, jetzt aber wirklich ins Bett.

9h45 Nur anhand des Kika-Programm kann ich nachvollziehen, dass der mini-monsieur schon wach sein muss, denn er kommt zu mir gestürmt und will, dass ich was mit ihm gucke. Ich bin aber noch jenseits von Gut und Böse und bin umgehend wieder in einem komatösen Zustand.

10h30 Ich könnte noch weiterschlafen. Aber das hätte dann wohl einen negativen Effekt. Also werde ich wach und überzeuge das Kind davon, dass Frühstück eine gute Idee ist und definitiv Vorrang vor Fernseher und Handy hat.

11h30 Gestärkt, aber irgendwie immer noch auf Autopilot – also ich -, geht’s dran, mal den Tag in Angriff zu nehmen. In der nächsten halben Stunde darf der mini-monsieur auf dem Handy daddeln, während ich meine e-Mails (privat und beruflich) checke und eine Runde in den social-media-Kanälen drehe.

11h40 Der Ex-Schwiegertiger ruft an. Ich bin noch nicht in der Verfassung, komischen Smaltalk in fremden Sprachen zu führen. Und eine Frage, wie denn die Fahrt war, kommt auch nicht.

11h45 Meine Mutter meldet sich. Sie hat blöderweise die Nachrichten von gestern nicht bekommen und hat sich Sorgen gemacht. Ansonsten würde sie auch nicht von der Arbeit aus anrufen.

12h03 So jetzt muss ich erstmal einen Schlachtplan für heute und die nächsten Tage machen.

12h40 So, ab jetzt Schlachtplan. Bis gerade doch noch mal mit dem Kind rumgesurft. Wir mussten klären, zu welchem Türöffnertag-Event er will (und v.a. auch darf mit seinem Alter).

15h15 Bis jetzt hat es gedauert, das Bad zu putzen, zu duschen, ein Paket für die Freundin, die am Sonntag kommt, in Empfang zu nehmen, einen kleinen Happen zu essen. Nun muss ich noch kurz was für die Arbeit klären. Ja, ich weiß, ich habe Urlaub. Aber die Übergabe hätte länger gedauert als einmal kurz draufzuschauen und ein Telefonat zu führen.

16h10 Ich will jetzt endlich los, einkaufen. Raus aus der Wohnung. Es dauert ungelogen zehn Minuten bis der mini-monsieur endlich auch Schuhe anhat, sodass wir um

16h20 das Haus verlassen – mit Rädern und Anhhänger. Zunächst einmal fahren wir bei „seinem“ Friseur vorbei. Das Kind ist ziemlich frisuerlos auf dem Kopf. So ein Mist: Der Friseur musste dicht machen. Naja, wenigstens ist nebenan der Drogeriemarkt zu dem wir eh mussten. Danach dann in zwei Supermärkte.

18h15 Auf dem Rückweg dann noch beim Friseur um die Ecke vorbei. Der hat auch Kinderpreise. Allerdings bekommen wir erst für nächste Woche einen Termin. Mal schauen, ob ich noch nach einer Alternative gucke. So kann er eigentlich nicht in den Kindergarten.

18h40 wir sind zu Hause und die Einkäufe sind verräumt.

19h10 Das Kind will Wii spielen und ich muss will das Abendessen vorbereiten. Er hat sich Hamburger gewünscht. Wir vereinbaren, dass er maximal so lange spielen darf, bis die Hamburger fertig sind.

19h35 Es kommt zum Eklat: Dass die Hamburger fertig sind, quittiert der mini-monsieur mit einem mittelschweren Anfall, weil er sich just in dem Moment ein anderes Spiel ausgesucht hat. Der doppelte Unterzucker (also seiner und meiner) ist nicht gut. Ich reagiere völlig über sehr ungehalten auf seinen Ausraster und schmeiße unsere beiden Wii-Fernbedienungen in den Müll mit dem Satz „Wenn Du Dich nicht an unsere Abmachungen hälst, dann gibt es gar keine Wii“. Damit nimmt das Unheil das heulende Elend seinen Lauf. Der mini-monsieur steigert sich in seine Heulerei rein und ich mich in meinen Unterzucker.
Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis ich endlich in meinen Burger beißen darf. Aber was so ein paar aneinandergekettete Zuckermoleküle ausmachen – bei ihm und bei mir. Wir besprechen das Drama.

20h30 Kurzes Telefonat mit dem Papa. Danach zocken wir noch ein bisschen Wii zusammen (die Fernbedienungen sind natürlich nicht im Mülleimer geblieben).

21h30 Wir hatten ja noch Nachtisch. Dann noch ein Telefonat mit dem Papa, um gute Nacht zu sagen. Das Kind hat ein sehr feines Gespür. Und nach dem Telefonat muss ich ihn auch noch einmal darin bestätigen, dass er seinem Gefühl vertrauen kann und soll.
Zähne putzen und Pyjama anziehen müssen aber trotzdem sein.

22h25 Mir zerreißt es für einen kurzen Moment das Mutterherz: Der mini-monsieur findet in seinem Zimmer etwas, was ihm der monsieur quasi zum Abschied geschenkt hat, und da laufen die Tränen. Er vermisse den Papa, schluchzt er. Und es wird noch mehr, als er ein französisches Buch sieht. Das könne ihm der Papa ja nie wieder vorlesen. Ach, Kind…

23h20 Nach einer Michel-Geschichte und Kuscheln ist der mini-monsieur eingeschlafen. Ich gucke noch ein bisschen fern und gehe dann auch bald ins Bett.

 

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