Wiiiermer!

Das hätte meine Oma, ihres Zeichens aus Schlesien, wohl panisch gerufen bei dem Anblick, der sich mir gestern bot, als ich zufällig an die Decke über meinem Vorratsschrank guckte.

Schon vor Tagen hatte ich eine einzelne gesichtet – an anderer Stelle und dachte, sie käme aus einem der unbehandelten Äpfeln, die ich geschenkt bekommen habe.

Jetzt aber klebten zwar – zum Glück – nicht unzählige, aber dennoch ausreichend, um sich zu ekeln, kleine weiß-gelbe Würmer Maden unter der Decke.

Als Erstes habe ich den Staubsauger gezückt. Dann bei den Äpfeln geguckt. Die sahen gut aus.
Also das Internet angeworfen. Kurze Recherche und bildlicher Vergleich ergibt:

Lebensmittelmottenmaden (so lange Wörter gibt’s auch nur im Deutschen). Mich schüttelt’s.

Das bedeutet, das ich nun den ganzen Vorratsschrank auf den Kopf stellen darf auf der Suche nach dem Herd.

Sämtliche offen Lebensmittel wandern nach und nach in die Tüte, bis ich wohl endlich den Übeltäter gefunden habe: Farine de blé noir.

Tja, dann gibt es vorerst keine galettes mehr. Aber wenigstens ist der Vorratsschrank wieder aufgeräumt.

99 Fragen (Teil 1)

Die nido hat in ihrer 07/08-2014-Ausgabe 99 Fragen gestellt.

Im Familienalltag kommt man viel zu selten dazu, über sich selber nachzudenken. Hier kommen 99 Fragen, die einen wieder auf eigene Gedanken bringen.

Blöderweise hatte ich die Ausgabe zu schnell entsorgt. Dabei hatte ich sie extra beiseite gelegt – wegen der Fragen. Nun denn. Die nido war so freundlich und hat sie mir noch einmal zugeschickt.

1 Geht es Ihnen gut?

Psychisch ja. Physisch eher so lala. Ich fühle mich schon wieder kurreif.

3 Waren Sie schon einmal in Lebensgefahr?

Zum Glück nicht.

10 Würden Sie lieber in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen?

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Genderkacke

Wer hat eigentlich beschlossen, dass es von allen möglichen und unmöglichen Dingen extra was für Mädchen und Jungs braucht? Wie das aussieht, sammlt das Nuf.

Gendermarketing. Das Wort allein klingt schon so bescheuert, dass das, was dabei rauskommt, wohl kaum sinnbehaftet sein kann.

Und die Auswüchse werden immer schlimmer und abstruster. Und ich bin (noch) ganz froh, eine Jungsmama zu sein. Ich hab es schon persönlich nicht mit Rosa. Ein rosa Mädchen hätte ich wohl zu Adoption freigegeben. Und es wird immer rosaner.

Klar hat sich die Mode für Jungs auch verändert. Die Überpräsenz von jungstypischen (Helden-)Figuren schränkt die Auswahl erheblich ein. Aber letztlich ist Jungs-Mode aber immer noch erträglicher als die aktuelle Mädchen-Mode. Dieser Rosa- und Lolita-Overflow ist nicht mehr nachvollziehbar. Mädchen werden damit von klein auf in ein Schema gepresst, das weder natürlich noch soziologisch, pädagogisch sinnvoll ist.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese ganze Genderkacke vor allen Dingen für die weibliche Zielgruppe entwickelt worden ist. Irgendwer kam mal auf die Idee, dass Mädchen was Eigenes (bei Loriot reichte damals noch ein Jodelkurs) brauchen bzw. mit was Eigenem leichter zu ködern sind: „Guck mal Mama, Lüller-Fee und rosa und Glitzer: Das will ich haben.“ Und wenn man sich dann schon die Mühe macht, dann kann man ja auch gleich auch eine Jungsversion machen.

Wobei bei Jungs da eher das Ausschlussprizip funktioniert: „Das ist für Mädchen. Ich nehm das andere.“ Wenn sie es nicht schon von zu Hause eingeimpft bekommen haben, dann kümmern die sich eigentlich nicht darum, ob etwas für Mädchen oder Jungs ist. Die sind ja meist einfach nur mit sich und ihrem Testosteron beschäftigt.

Doch letztlich gilt das (also nicht die Sache mit dem Testosteron) auch für Mädchen. Denn:

Kinder haben unterschiedliche Interessen. JEDES Kind ist ganz individuell.

Und das ist auch das, was mich an der Genderkacke am meisten aufregt. Kinder können nicht mehr wirklich nach Interessen entscheiden. Ein Mädchen, das auf Dinos steht, braucht schon ein ganz schönes Selbstbewusstsein hat in ihrer Peergroup bisweilen einen sehr schweren Stand. Und Jungs „dürfen“ nicht mehr mit Puppen spielen.

Denn es findet schon (viel zu) früh eine zu deutliche Unter- und Zuteilung statt, der man (Mutter, Vater, Kind) nur schwerlichst entziehen kann, ohne dass man als Nerd abgestempelt wird. Und die Grenze ist scharf. Eine Durchmischung findet nicht statt. Die Folge:

Kinder wünschen sich nicht mehr Dinge, weil es eben ihren Interessen entspricht oder lehnen sie ab, weil es eben nicht ihr Ding ist. Sondern wählen nur noch nach dem Prinzip , ob es für das eigene oder das andere Geschlecht bestimmt gebrandet ist.

Und so standen der mini-monsieur und ich im Laden und hatten die Wahl zwischen

Für @dasnuf #genderkacke

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Ohne die Motive im einzelnen gesehen zu haben, lehnte das Kind die rosane Packung ab mit „das ist für Mädchen“. Aus Prinzip hätte ich fast ebendiese Packung mitgenommen. Aber da meinte der mini-monsieur, dass er Elfen und Prinzessinnen eben nicht so toll findet (und ich kann’s ihm nicht verdenken).

Aber warum muss es überhaupt zwei Versionen geben? Passen Elfen nicht neben Piraten? Heißt es nicht immer: „Die Mischung macht’s“?

Ich finde es so schade, dass unseren Kindern so die Möglichkeit genommen wird, schubladen- und stereotypenfrei aufzuwachsen. Dass unsere Kinder in Rollen gedrängt werden. Dass ihnen ein Rollendeken aufoktroyiert wird, das sie im schlimmsten Fall nicht mehr los werden.

Daher wäre es schön, ohne die Themen gleichsetzen zu wollen, obwohl sie wahrscheinlich eine Menge miteinander zu tun haben, wenn #genderkacke eine ähnliche Aufmerksamkeit bekäme wie #aufschrei.

Wenn die Dinge nur so einfach wären

Oder auch: Alles nur wegen eines Buchs

An mehreren Stellen ploppt gerade das Thema „häusliche Gewalt“ auf. Und ich bin erschüttert über die Berichte. Sie machen mich betroffen. Betroffen, weil ich Fälle physischer häuslicher Gewalt in meinem Umfeld kenne. Betroffen, weil ich letztlich selbst betroffen war. Und doch ertappe ich mich bei dem Gedanken, meine Erlebnisse zu relativieren, wenn ich diese Berichte lese. Denn ich habe keine physische, sondern „nur“ psychische Gewalt erlebt.

Es fing mit Kleinigkeiten an. Schon früh, als wir noch eine Fernbeziehung hatten, stritten wir immer wieder über Kleinigkeiten, die aus seiner Eifersucht und seinem Misstrauen heraus kamen. Er war auf meinen besten Kumpel eifersüchtig. Er fehlinterpretierte Informationen, die er fand oder auf die Entfernung nicht richtig einordnen konnte. Er war eifersüchtig auf meine Mädels.

Einmal hatten wir an einem wunderschönen Strand einen ganz furchtbaren Streit aufgrund seines Misstrauens. Ich weiß letztlich nicht mal mehr genau, warum. Seitdem kann ich, wenn es bei Entspannungsübungen heißt: „Stellen Sie sich einen tollen Ort – Strand, Wald, was Sie wollen – vor.“, nicht mehr den Strand nehmen, weil mir immer dieses Bild in den Kopf schießt.

Doch während ich analysierte, versuchte zu verstehen und zu dem Schluss kam, dass das alles doch nur Missverständnisse aufgrund der Sprache, der Kultur und überhaupt seien. Dass es daran liege, was er schon erlebt hat. Dass ich ihm nur Zeit geben müsse. Dass sich das schon finden würde. Dass wir uns nur besser kennenlernen müssen, hatte er all diese Gedanken nicht: Für ihn zählte das, was ich sagte und machte – 1:1. Egal, wie gut mein Französisch war. Egal, ob ich es mit meinem Hintergrund anders meinen könnte. Egal, ob er Wörter, Sätze, Situationen aufgrund seiner Erfahrungen anders interpretiert. Egal, ob und wie gut wir uns schon kennen.

Es wurde auch nicht besser, als er zu mir zog. Im Gegenteil. Es wurde schlimmer. Denn ich konnte mich seinen Ausbrüchen nicht mehr entziehen. Wir konnten uns nicht mehr aus dem Weg gehen. Die Schwangerschaft änderte auch nichts an seinem Verhalten. Er nahm auch keine Rücksicht darauf. Wenn er sich streiten wollte, musste das gnadenlos durchgezogen werden, ob ich k.o. war, schlafen wollte (weil ich am nächsten Tag arbeiten musste) oder ich einfach keine Lust auf seine haltlosen Anschuldigungen hatte, war egal. Er MUSSTE seinen Frust loswerden.

Ich habe ertragen, dass er mich beschimpft hat und sogar seine Vaterschaft infrage gestellt hat. Ich habe ertragen, dass er meinen Computer durchforstet hat. Ich habe ertragen, dass wir uns streiten mussten, wenn ich Parfum oder Lippenstift aufgetragen habe. Ich habe ertragen, wenn er meinen Kleidungsstil kritisiert hat. Ich habe ertragen, wenn er mich für meine Vergangenheit angegriffen hat. Ich habe ertragen, als wir uns wegen eines neuen Haarschnittes meinerseits gestritten haben. Ich habe ertragen, dass ich aus Wut über ihn viele, viele Bilder verloren habe. Ich habe seine Unberechenbarkeit ertragen – nie wusste ich, wann und warum wir uns wieder streiten werden.

Ich habe sechs Jahre auf bzw. mit einem Pulverfass gelebt, das IMMER hochgehen konnte und es auch regelmäßig tat. Dennoch habe ich gekämpft, verziehen, erklärt, entschuldigt.

Für uns. Weil das, was ich für ihn empfunden habe, groß war. Größer als alles, was ich bis dahin erlebt habe. So groß war, dass ich ein Kind mit ihm wollte.
Für unser Kind. Weil er ein liebender Vater ist und ich meinem Kind nicht den Vater nehmen wollte.

Ich habe lange meinem Umfeld nichts gesagt. Weil ich ihm noch eine und noch eine und noch eine Chance geben wollte. Weil ich mich geschämt habe, dass ich, die starke, mutige, selbstbewusste Frau, die immer sagt, was sie denkt und sich nur selten die Butter vom Brot nehmen lässt, das alles mit sich machen lässt.

Doch dann kam der Moment, in dem er unser Kind, das eh schon genug miterlebt hat, aktiv einbezogen hat:

Unvermittelt aus dem Nichts hat er ihn – wie sonst mich – verbal angegriffen überfallen.

Das war der Moment, in dem ich wusste, dass es nicht mehr geht. Dass ich Tür und Tor für weitere Male öffne, wenn ich ihm das verzeihe durchgehen lasse, weil das ja „mal passieren könne“ (seine Worte). Dass dann keiner mehr seines Lebens froh würde. Und es reichte ja schon, dass ich aus Angst vor ihm nicht mehr ich selbst war.

Und wenn mein Kind mich fragt: „Mama, hast du das Buch noch?“
„Welches Buch?“
„Na, das Buch, wegen dem Papa nicht mehr bei uns wohnen darf.“

Dann weiß ich leider, dass ich endlich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Paradox

Auf der einen Seite sollen die Kinder von heute alles früher und schneller können. Aber auf der anderen Seite trauen wir ihnen noch nicht einmal mehr zu, mit Eintritt in die Grundschule, den Weg zu ebendieser allein zu bestreiten.

Vielleicht hätte es mir tatsächlich geholfen, schon in der Grundschule Englisch zu lernen. Aber im Gegensatz zu dem Selbstvertrauen, das ich durch das damalige Vertrauen meiner Eltern bekommen habe, ist das nichts, was nicht mit Fleiß und Willen aufgeholt werden kann.

Ungerecht

Ungerecht mag es erscheinen, wenn man tolle urlaubsartige Bilder sieht und denkt: So schlecht geht’s ja nicht.

Ungerecht mag es auch erscheinen, wenn man weiterdenkt: Schönes Leben. Und den Alltag habe ich.

Ungerecht wirkt es auch, wenn dieser Alltag bedeutet, jeden Tag zu hören: Ich hab Dich lieb. Bis heute abend.

Es ist halt alles eine Frage der Betrachtung.