Das Streben nach Glück

Um mich selbst ein bisschen zu kontrollieren, habe ich mir eine App aufs Handy geladen, die misst, wie oft und wie lange ich das Handy nutze. Darüber hinaus fragt mich die App morgens und abends, wie glücklich ich bin. Ich könnte das auch abschalten, aber mir gefällt das. Verleitet es mich doch einen Moment dazu, in mich zu gehen und darüber nachzudenken. Das passt auch zu meinem „Dankbar“-Projekt: Seit Anfang des Jahres schreibe ich mir für jeden Tag mindestens eine Sache auf, für die ich dankbar war an dem Tag bzw. die mich glücklich gemacht hat.

Und immer, wenn ich über dieses Thema nachdenke, muss ich an eine Unterhaltung mit meinem Bruder denken: Ich habe ihn mal gefragt, ob er glücklich sei – mit seinem Leben, mit seiner Situation. Seine Antwort war, dass er zufrieden sei.

Diese Antwort fand ich damals sehr erschreckend. Denn für mich ist das nicht das Gleiche: Glücklichsein kommt von innen. Zufriedensein hat viel mit äußeren Umständen zu tun. Ich kann zufrieden sein mit meiner Arbeit, aber deswegen bin ich nicht unweigerlich glücklich. Umgekehrt kann ich aber auch glücklich sein, obwohl gerade vieles nicht zufriedenstellend läuft.

Für mich besteht auch ein großer Unterschied zwischen „Glück haben“ und „glücklich sein“. Denn auch „Glück haben“ hängt von äußeren Umständen, von Dingen ab, die ich nur begrenzt beeinflussen kann.

Deswegen ist mein Motor auch nicht „Das Streben nach Glück“* sondern das „Streben nach Glücklichsein“. Dabei geht es nicht darum, aus irgendeinem Unglück herauszukommen. Ich bin kein unglücklicher Mensch.** Aber ich ertrage es nicht, nicht glücklich zu sein.

Und ich merke immer mehr***, dass es nicht gut ertragen kann, wenn Menschen in meinem Umfeld meinen, dass sie nicht glücklich seien, nur weil ihnen das Glück (gerade) nicht hold ist. Die ihr inneres Gefühl von Äußerlichkeiten (Job, Wohnung, Beziehung etc) abhängig machen. Diejenigen, für die das Gras auf der anderen Weide immer grüner ist und dessen Nachbarns Kirschen auch immer süßer. Oder wie es meine musikalische Neuentdeckung so schön besingt:

 

* Wobei ich diesen Film liebe. Aber ich glaube, dass Chris Gardner in seiner Obdachlosigkeit nicht nicht glücklich war. Er war gesund, er hatte seinen Sohn bei sich und er hatte ein Ziel. Er hat die Hoffnung, den Glauben an sich selbst und daran, dass er auch ein Stück vom Glück verdient hat, nie aufgegeben.

** Genau genommen bin ich ein ganz schlimmer Optimist. Mein „Das wird schon!“ kann bisweilen auch anstrengend sein.

*** Ich gehe auf die 40 zu und habe das Gefühl, echt alt und wunderlich zu werden.