Liebes Tagebuch am Fünften (August)

Frau Brüllen ist „extra“ aus ihrem Urlaub zurück gekommen, um mittlerweile zum 24. Mal zu fragen: WMDEDGT?

0h00 Ich sitze vor den Nachrichten. Lese aber parallel in meinem feedly, sodass ich nur bruchstückhaft mitbekomme, was in der Welt passiert. Außerdem passiert gerade in meiner Welt meinem Leben so viel, dass mir all die Kriege gerade zu viel sind. Just in diesem Moment bin ich einfach nur froh, dass ich mal durchatmen kann. Und dass ich mal nicht heulen muss.

1h20 Ich bin im Bett. Und lese noch kurz, bevor ich mich umdrehe. Morgen früh muss ich stark sein. Denn da heißt es Abschied nehmen.

7h20 Mein Handy startet den ersten Weckversuch. Es dauert ein bisschen, bis ich wach werde. Dann wecke ich den mini-monsieur neben mir. Zusammen wecken wir den Papa. Es herrscht Aufbruchstimmung. Heute fahren die zwei zusammen nach Frankreich. Der mini-monsieur wird mit dem Papa einen Monat Urlaub machen.

8h00 Der monsieur geht duschen. Das Kind frühstückt. Ich verpacke den Kuchen, den ich gestern noch zur Geburt der Nichte vom monsieur gebacken habe.

8h15 Ich mache den Arbeitsrechner an, um die Einwahldaten für die Telefonkonfernz später rumzuschicken. Ich habe keine Lust mich zu stressen und werde das von zu Hause aus machen.
Der mini-monsieur reißt seine Schüssel mit den Frühstücksflocken und Milch auf sich. Damit ist klar, dass er wohl doch noch mal kurz vor der Abfahrt duschen muss. Der monsieur geht mit dem Hund raus. Ich helfe dem mini-monsieur beim Duschen. Er will noch was essen und fordert „Schlafwürstchen im Rock“. Dann soll ich noch was vorlesen.

9h00 Der monsieur ist mit dem Hund zurück. Da es mir zu unsicher ist, ob ich um 9h30 wirklich telefonierbereit bin, verschiebe ich das Telefonat um 10 Minuten. Die messieurs machen sich fertig. Es werden letzte Sachen ins Auto gepackt. Es fühlt sich schon komisch an, dieses vollgepackt Auto zu sehen. Denn es ist ja mehr drin als nur für den Urlaub. Ich kann auch nicht den Schlüssel vom monsieur zurücknehmen. Er soll ihn erstmal noch behalten…

9h20 Alles im Auto. Ich verabschiede mich vom mini-monsieur, der mir ganz süß „eine schöne Zeit“ wünscht. Beim Abschied vom monsieur laufen die Tränen dann doch. Soll es das jetzt wirklich gewesen sein? Der mini-monsieur sieht, dass ich weine und meint: „Wir können uns doch im Internet sehen!“ Ja, das ist eine gute Idee.

9h30 Ich sitze vor dem Rechner. Zum Glück muss ich nicht (mehr) weinen. Und kann mich noch einmal kurz vor dem Telefonat sammeln.

9h40 Ich tippe natürlich erstmal den falschen PIN ein. Und nochmal. Zum Glück ist es ein Telefonat unter Kollegen. Es geht schnell. Wir sind uns einig, die Aufgaben werden verteilt. Ich glaube, das wird ein gutes Projekt. Die Vorzeichen sind auf jeden Fall ganz gut.

10h15 Ich müsste mich jetzt eigentlich schnell fertig machen und ins Büro. Aber ich brauche noch einen Moment für mich.

10h35 Der Schwiegertiger ruft an. Ich zögere. Dann denke ich, dass es gut ist, dass sie weiß, dass die beiden Männer seit einer Stunde unterwegs sind. Sie will reden. Aber ich habe jetzt weder Zeit noch Lust. Ich wüsste auch nicht, worüber.
Ich hänge meinen Gedanken nach, die mir genau in dem Moment so treffend zusammengefasst werden: „Aber es ist einfach so traurig, wenn Beziehungen scheitern und es in dem Sinne nicht an der Liebe liegt und ein Kind dabei ist.“ :*

10h50 Jetzt muss ich aber in die Hufe kommen: Duschen, Sachen packen und aufs Rad.

11h20 Ich schwinge mich aufs Rad. Diesmal mit einem teilweise anderem Weg, denn ich habe beschlossen _endich_ meine Strickjacke vom Kunststopfer (Kunst-Stopfer, nicht Kunst-Opfer) abzuholen. Keine Ahnung, ob das Ausbessern der Jacke jetzt doch nicht so aufwändig war, oder ob die gute Frau ein bisschen verpeilt war, aber letztlich musste ich gerade mal nur halb soviel bezahlen, wie ursprünglich veranschlagt.

11h45 Vor mir rangiert ein Scooter-Versper-Was-auch-immer-Fahrer mit seinem Gefährt und versucht über einen abgesenkten Bordstein auf einen Platz zu fahren. Ich umfahre ihn noch großzügig, da rollt er zurück. Er rammt mich, ich stürze fst, verhake mich mit dem Fuß unter seinem hinteren Schutzblech und denke nur „DU Vollhorst!“ Höflich wie ich bin sage ich aber nur verärgert: „Was machen Sie denn?“ Der Typ hat nichts mitgekriegt und will mich blöd anmachen. Da kommt zuseinem Glück eine Passantin dazu und macht ihn darauf aufmerksam, dass ER zurückgerollt ist. Ich fahre weiter.

11h55 Ich bin im Büro. Die To-Do-Liste für heute ist gut gefüllt und ich muss ein paar Sachen für den morgigen Termin beim Kunden vorbereiten.

13h20 Irgendwie bin ich unproduktiv. Bis auf eine Tasse Milchkaffee, ein Glas Wasser und ein Telefonat mit meiner Chefin habe ich noch nichts Sinniges geschafft. Ich muss mich aufraffen.

17h50 Ich habe tatsächlich noch ein bisschen gearbeitet. Eine schöne Übersicht erstellt. Viele Dinge ausgedruckt. Noch ein paar Mal mit meiner Chefin telefoniert.

17h57 Meine Chefin ruft noch mal an. Ich war gerade dabei ihr was zu schicken. Mache jetzt noch ein paar Sachen fertig. Heute wartet ja keiner auf mich. Da kann ich auch ruhig länger im Büro bleiben. Zumal ich ja heute auch erst später gekommen bin.

19h05 Ich verlasse das Büro. Das Radfahren ist einfach so angenehm nach der Arbeit. Ich freue mich auf Zuhause. Auf die leere Wohnung.

19h25 Als ich die Wohnungstür aufschließe muss ich doch kurz schlucken. Es wird keiner da sein. Oder doch? Eine Horde Fruchtfliegen wartet auf mich in der Küche. Schon seit gestern werden sie mehr und mehr und ich finde den Herd nicht.
Nachdem ich heute aber schon nicht sonderlich viel gegessen habe, habe ich Hunger. Zum Glück haben wir habe ich noch Grillreste im Kühlschrank.

19h40 Ich nutze es, dass ich allein bin und gucke Trash. Und esse dabei. Bin gespannt, ob ich verlottere die nächsten vier Wochen so ohne Kind.

20h15 Das TV-Programm ist jetzt nicht so knall. Ich denke darüber nach, dass ich am besten noch ein bisschen aufräume heute abend. Oder vielleicht das neue Schuhregal endlich aufbaue. Oder doch nur ein bisschen rumzappe…

21h05 Vor bereits acht Minuten hat der monsieur geschrieben, dass sie gut angekommen sind. Wow, damit haben sie keine 12 Stunden gebraucht.
Weil mich die Drosphilas so nerven, naja nicht nur, räume ich dann doch die Küche auf. Dann widme ich mich meinen Füßen.

22h20 Da ich morgen Termin beim Kunden habe, zücke ich doch noch mal das Diensthandy. Und dann öffne ich auch noch mal den Laptop. Ein paar Mails prüfen und auch beantworten. Ich merke am Feedback meiner Chefin, dass ich durch die Situation mit dem monsieur nicht ganz da bin.
Während ich tippe, macht sich der linke Arm sehr schmerzhaft bemerkbar. Heute schon den ganzen Tag. Es fühlt sich an wie eine Sehnenscheidenentzündung. Aber links???

22h45 Die messieurs kündigen an, sich bald telefonisch zu melden.

23h15 Die messieurs rufen an. Die Fahrt war gut und ohne Zwischenfälle. Der mini-monsieur ist müde und aufgekratzt. Ihm geht es gut. Das ist gut.

23h45 Telefonat fertig. Der Fünfte auch fast. Ich werde gleich Zähne putzen und dann ins Bett gehen.

Gute Nacht!

Ein Gedanke zu „Liebes Tagebuch am Fünften (August)

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