Der Rucksack

Das Bild mit dem Rucksack stammt nicht von mir, aber ich finde es überaus passend. Und mir hat es bislang gut geholfen, „gut“ und „böse“ zu sortieren.

Es ist nämlich so: Jeder Mensch kommt mit einem Rucksack auf die Welt. So einem unsichtbaren, aber doch – oftmals – sehr präsenten. Man kann sich darüber streiten, ob er zur Geburt leer ist oder nicht. Ich glaube nicht, dass er leer ist. Wir sind nun mal die Kinder unserer Eltern und das ein oder andere genetische Päckchen ist einfach da. Je nachdem* kommen früher oder später unterschiedliche (Gewicht und Größe) Päckchen dazu. Das ist bis zu einem gewissen Grad normal und lässt sich auch nicht verhindern.

Der Lauf der Dinge des Lebens sieht vor, dass bestimmte Päckchen wieder rauskommen, dafür andere reinkommen. Manche bleiben. Das ist so. Das muss auch sein. Die Päckchen gehören in den Rucksack – zumindest an der richtigen Stelle. Sie sorgen dafür, dass sich der Rucksack nicht komisch anfühlt. Denn nichts ist schlimmer als Leere.

Problematisch wird es, wenn Päckchen im Rucksack sind, die einem einfach nicht gehören. Sie werden eingeschmuggelt. Sie werden einem untergeschoben, weil der eigentliche Päckchenbesitzer sich nicht damit rumplagen will, weil er meint, dass man es tragen kann oder gar muss. Doch diese Päckchen führen meist zu einem Ungleichgewicht im Rucksack. Er drückt. Er zieht. Die falschen Päckchen liegen auf den eigenen, zerdrücken diese im schlimmsten Fall. Diese fremden Päckchen sorgen für Chaos.

Es ist nicht immer leicht, sich dieser nicht-eigenen Päckchen überhaupt bewusst zu werden. Zu erkennen, dass sie einem gar nicht gehören und was sie mit einem machen. Und dann muss man sich trauen, sie rauszuwerfen. Allerdings ist es bei manchen Päckchen nahezu unmöglich, sie alleine zu entsorgen. Sie sind zu groß, zu sperrig, zu schwer. Hilfe anzunehmen, fällt dabei den wenigsten leicht.

Schlimm finde ich es, mitansehen zu müssen, wenn jemand Angst hat, bestimmte Päckchen überhaupt anzufassen. Wenn man vor lauter Angst, den Rucksack zu macht bzw. nicht mehr aktiv aufmacht, um wenigstens den Rest zu ordnen. Wenn ich sehe, wie dann jemand unter der Last dieses schlecht geordneten, viel zu schweren Rucksacks zusammenbricht. Wenn der Rucksack so sehr drückt, dass man nicht mehr weiß, wohin mit seinem Schmerz.

Wenn ich so etwas sehe, kann ich nicht umhin, diesem Menschen helfen zu wollen. Und manchmal klappt es auch. Aber es war (und ist immer noch) ein schmerzhafter Lernprozess, dass ich höllisch aufpassen muss, mir nicht fremde Päckchen in den Rucksack zu nehmen (oder stecken zu lassen), wenn sich jemand nicht helfen lassen will. Egal, wie geordnet und gut zu tragen mein eigener Rucksack sein mag, ich kann und darf keine fremden Päckchen tragen.

* Wie die Eltern und das Umfeld im Allgemeinen drauf sind, wieviel sie selbst schon im Rucksack haben…

2 Gedanken zu „Der Rucksack

  1. Pingback: Elternbeziehung | Groß-Stadt-Ansichten

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