Was bleibt

Die Straße, an der wir wohnen, verbindet zwei wichtige Verkehrsadern des Viertels. Und so haben wir zu den Stoßzeiten durchaus viel Verkehr. Nach 20h00 und am Wochenende ist es aber sehr ruhig.

Aber anscheinend stellt unsere Straße eine besonders günstige Route für Rettungseinsätze aller Art dar. Immer mal wieder donnern hier Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen Blaulicht und Tatütataa lang.

Gestern abend hörte ich mal wieder einen Wagen mit Martinshorn näherkommen. Keine Ahnung, ob es komisch klang, aber ohne rauszugucken sagte ich zum monsieur, dass das bei uns im Haus sei. Das Martinshorn hörte auf, was nicht ungewöhnlich ist, tut es das doch oft auf Höhe unseres Hauses (oder etwas vorher). Ich guckte trotzdem raus. Und da stand er, der Rettungswagen – direkt vor unserer Hofeinfahrt. Ich hörte den Türsummer und zwei Männer schnellen Schrittes die Treppe hochlaufen.

Ich hoffe noch, dass hoffentlich nichts Schlimmes passiert ist. Da höre ich das nächste Martinshorn. Ich gucke raus: Der Notarzt fährt vor. Das ist kein gutes Zeichen. Aber es war ja auch sehr heiß gestern und Dehydratation setzt einem halt sehr zu. Ich schicke den mini-monsieur unter die Dusche, da höre ich wen schnellen Schrittes die Treppe runterkommen. Ich muss gucken. Der Rettungsdienstler fährt den Rettungswagen ein Stück vor und den Notarztwagen ein Stück zurück. Der macht Platz für einen Leiterwagen, sage ich zum monsieur. Und ein paar Minuten drauf hören wir auch schon das dritte Martinshorn, das auch schon wie die zwei vorhergehenden vor unserem Haus verstummt.

Der mini-monsieur ist mittlerweile fertiggeduscht und will gucken. Wir auch – ich geb’s zu. Und so sitzen wir am Fenster und sehen, wie das Rettungsbett auf dem Krankorb befestigt wird und dann langsam die Leiter ausfährt. Wir können nur vermuten (weil wir es nicht genau sehen können), dass der Notfall im dritten Stock ist. Da wohnt doch das nette ältere Paar. Die zwei sind immer zusammen unterwegs. Während sie etwas zurückhaltender ist, ist er auf sehr sympathische Art sehr kommunikativ. Er freut sich jedes Mal, wenn er uns – und besonders dem mini-monsieur – begegnet und kommt ins Schwätzen.

Die Leiter wackelt, die Leiter wird wieder runtergefahren. Das Rettungsbett ist leer. Wir rätseln, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Es tut sich aber auch sonst nichts im Haus. Der Leiterwagen fährt weg. Die beiden anderen bleiben. Erstmal.

Ein Gewitter zieht auf. Der mini-monsieur und ich beobachten die Blitze. Ich komme kurz ins Grübeln, ob das Kind synästhetisch veranlagt ist. Behauptet er doch, Donner sehen zu können. Das Gewitter bringt Stress für den Hund und kühle Luft in die Wohnung.

Dann fährt der Notarzt weg. Und der Krankenwagen steht da noch. Ich bringe den mini-monsieur ins Bett. Als der monsieur mit dem Hund rausgeht, sehe ich, wie die Polizei kommt. Und wieder geht. Und dann fährt auch der Rettungswagen weg – leer. Und was bedeutet das jetzt?

Heute dann, als ich vom Arzt komme, kommt sie, also der weibliche Teil des ältern Paars, mir entgegen. Ganz in schwarz. Gehalten von einem jungen Mann, der ihr Sohn, Enkel oder Neffe sein könnte.

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