Probleme auf hohem Niveau

In vier Tagen ist der mini-monsieur offiziell Vorschulkind. Und damit nähert sich die Grundschul-Entscheidung mit großen Schritten.

Entscheidung?!

Ja, wir müssen/ können/ dürfen uns beim mini-monsieur entscheiden. Man könnte mir daher nach meinem gut gemeinten Zuruf vorhalten, dass ich da von einem ziemlich hohen Ross rufe. Immerhin wohnen wir im Einzugsgebiet einer Grundschule mit nicht allzu schlechtem Ruf und zudem haben wir Wahlfreiheit.

Denn nicht nur der monsieur, sondern auch der mini-monsieur ist Franzose und dadurch sind wir in der Sonderposition, dass das Kind in die einzige staatliche Grundschule der Stadt gehen kann, die biligual deutsch-französisch ist.

Regelmäßig muss ich an mich halten, wenn fast neidvoll angesprochen wird, dass der mini-monsieur es ja mit seiner Zweisprachigkeit ach so gut hätte. Und wie gerne dieser oder jener das ja auch für sein eigenes Kind hätte. Als hätte ich mir den Vater des Kindes nur nach dem Aspekt „Hauptsache nicht deutscher Muttersprachler“ ausgesucht hätte. Es ist nun mal so und es ist auch nicht immer leicht.

Aus diversen Gründen geht der mini-monsieur nicht in einen biligualen Kindergarten. Sollen das doch die nutzen, die Angst haben, dass ihre Kinder ohne zweite Sprache nie einen Schulabschluss bekommen. Allerdings ist der Plan – und ich hoffe, dass sich das auch mit den sich ändernden Vorzeichen so umsetzen lässt -, dass er er auf die bilinguale Grundschule gehen soll. Und zwar aus dem ganz profanen Grund, dass es für den mini-monsieur gut und wichtig ist, Französisch so früh wie möglich lesen und schreiben zu lernen.

Allein das wird schon nicht einfach für den zukünftigen Schulanfänger. Denn es ist schon ein gewaltiger Unterschied zwischen bilingual – sprechend – aufzuwachsen und bilingual – in Wort und Schrift – lernen zu müssen. Ich habe mich noch nicht damit auseinander gesetzt, ob Deutsch schreiben an der Schule mit der Anlauttabelle erlernt wird. Wenn ja, wird das sicherlich mit Blick aufs Französische (Anlauttabelle ist da ja schier unmöglich, außer man möchte perfekt sms’isch schreiben) noch für den ein oder anderen Knoten im Kopf sorgen.

Dazu kommt, und das bereitet mir deutlich mehr Bauchschmerzen, dass die Schule auf der anderen Mainseite, also quasi im Ausland in einem anderem Viertel ist. Dass er von seinen Freunden im Viertel getrennt wird. Von den Kindergartenkumpel, die dann auch in die Schule gehen werden – in die Grundschule im Viertel. Dass er dann mit den Öffis einmal quer durch die Stadt muss. Irgendwann sicherlich auch alleine.

Diese – sicherlich lösbaren – Probleme sehen die meisten nicht, wenn sie betonen, was für ein Glück der mini-monsieur doch hätte und wie gerne man das eigene Kind ja auch auf ebendiese oder eine andere Wunsch-Grundschule schicken würde. Und schibsdiwubs stecke ich in einer Diskussion über das ach so schlechte deutsche Schulsystem. Das ich ehrlich gesagt gar nicht so schlecht finde, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Zombies sind zurück

Genaugenommen ist der eine Zombie zurück. Seit Tagen kann ich nicht einschlafen. Ich liege im Bett und wälze mich. Trotz der geschlossenen Augen habe ich das Gefühl, dass sie weit aufgerissen sind. Mir gehen tausend Dinge durch den Kopf.

Heute Nacht habe ich dann PME gemacht. Währenddessen bin ich tatsächlich auch weggenickt. Aber dann war ich wieder wach, wach, wach. Und dann kam der mini-monsieur…

Privatssphäre

Es ist ja schon eine leicht bigotte Angelegenheit mit dem Bloggen. Also so bei mir: Auf der einen Seite gebe ich hier durchaus tiefere Einblicke in mein Leben, auf der anderen Seite ist mir eine gewisse Anonymität wichtig.

Wo ich allerdings sehr empfindlich bin, ist die Privatsspäre vom mini-monsieur. Ja, sicher ich blogge hier auch über ihn. Aber ich versuche auch seine Anonymität zu wahren: keine Nennung des richtigen Namens und kein Bild vom Gesicht.

Ich gebe zu, dass es mich oft erschrickt, wie – in meinen Augen – leichtfertig manche Eltern mit der Privatssphäre ihrer Kinder im web und besonders in diversen socialmedia-Kanälen umgehen. Ich will, kann und darf da keinen belehren, aber vielleicht sind die beiden folgenden Artikel Denkanstöße:

Kinderfotos auf Facebook – Kinderrechte per Mausklick verletzen

Fotos von Kindern auf Facebook?

Bruchstücke

Mir geht gerade so viel im Kopf rum, dass ich heute mal nur Bruchstücke präsentiere(n mag):

  • Wenn ich im Bett liege, gucke ich auf den Einbauschrank: Ein großer Teil meiner Bügel- (also Kleiderbügel-) Wäsche hängt an den Griffen. Das behindert schon beim Aufmachen der einzelnen Schranktüren. Aber irgendwie ist’s auch ein Symbol. Ihr wisst schon, die Sache mit der inneren und äußeren Ordnung.
  • Ich freue mich übers Wetter, aber die Hitze schafft mich. Ich will jetzt auch nicht über Dinge, also das Wetter, klagen, die ich eh nicht ändern kann. Aber ich kann diese Hitze körperlich nicht ab. (Ich gehe ja auch nicht in die Sauna.) Ich habe am Samstag den ganzen Tag im Bett gelegen und habe tatsächlich Schmerzen durch die Hitze.
  • Bruchstücke ist auch schon ein gutes Stichwort: Hier geht gerade was zu Bruch. Nicht unerwartet, aber schön ist was anderes.
  • Der mini-monsieur ist der Hammer: Ohne ernsthaftes Klagen ist er gestern mit mir mal eben über 18 Kilometer durch Frankfurt geradelt. Die anderen Naturwissenschaftler im Umfeld gehen von einer epigenetischen Vererbung der Radelleidenschaft aus.
  • Immer wenn ich mit dem Fahrrad (also quasi jeden Tag) zur Arbeit fahre, komme ich bei meiner ersten Arbeitsstelle vorbei. Nicht ganz direkt, weil das „alte“ Büro in einer kleinen Nebenstraße ist, aber wenn ich dort noch arbeiten würde, wäre der Weg zur Arbeit gleich. Ich weiß nicht warum, vermutlich, weil ich da schon gerne und lange gearbeitet habe, nehme ich das als gutes Omen für die jetztige Stelle.
  • Ein weiteres gutes Omen (jaja, ich bin nicht nur Realistin) für den Job ist auch, dass ich problemlos mit Fahrrad (seeeehr wichtig) und im Zweifelsfall ÖPNV zur Arbeit komme. Der Job davor war allein in der Hinsicht ja nix.
  • Gestern bin ich mit dem Fahrrad in eine Polizeikontrolle geraten. Der mini-monsieur fand es sichtlich spannend. Ich fand die Beamten nett, die mich nicht 25 Euro haben blechen lassen, weil ich mit Handy in der Hand gefahren bin, und die nicht mein Handy konfiziert haben, weil ich Fotos vom US Generalkonsulat in Frankfurt gemacht habe. Es reichte, dass ich die Fotos vor Ort gelöscht habe.
  • Seit es im März holperte, macht das „Zeig uns Deine Stadt„-Projekt Anstalten, bei mir einzuschlafen.
    Das April-Thema war/ ist leider nicht kompatibel mit meinem Tagesablauf.
    Den halben Mai war ich noch zur Kur und danach habe ich wieder gearbeitet. Dennoch habe ich ein paar entspechende Bilder gemacht – mit dem Smartphone. Und das kam mir dann nicht richtig vor.
    Im Juni gibt es nicht so viele Stadtfeste, die mich ansprechen. Das einzige, auf dem ich war, war um den ersten Juni und da habe ich das Monatsthema erst gesehen, nachdem ich wieder zu Hause war. Obwohl, ich habe ja noch Bilder vom Wäldchestag.
    Der Juli ist mittlerweile zu zwei Dritteln um. Und eigentlich weiß ich schon, was ich fotografieren wollte. Aber bislang war die Zeit knapp, das Wetter suboptimal oder ich musste mich um anderes kümmern.

Hochzeitsglocken

Ja, ich nehme hier gerne Glückwünsche zum Beginn der Phase „Mama, wenn ich groß bin, heirate ich Dich“ entgegen.

Und da ich letztens im Kindergarten aber auch schon „Nein, nein, nicht küssen“ zu hören bekommen habe, genieße ich die Charmeanfälle und Heiratsanträge des mini-monsieurs bis ich mit ihm wegen eines potentiellen Ödipuskomples zum Psychologen muss 😉.

Wünsch Dir was

Ich bin zu sehr Realistin, als dass ich mich wirklich in irgendwelchen Gedanken à la „Stell Dir vor eine gute Fee kommt und Du hast drei Wünsche frei“ verliere. Da halte ich es eher mit „Jeder ist seines Glückes Schmied“ aber nicht jeder Schmied hat Glück.

Doch manchmal frage ich mich auch, was ich mir wünschen würde, käme sie, diese gute Fee.

Ein ruhiges, entspanntes Leben hätte ich gerne. Eines mit Stress, den ich mir wenn überhaupt selber mache. Eines, das ich genießen kann. Und dazu brauche ich keine Millionen, keine Eigentumswohnung und keinen jährlichen Urlaub auf die Malediven.
Einfach bei mir sein und den mini-monsieur beim Wachsen begleiten und zusehen.

Das Gute an diesem Wunsch: Ich brauche keine gute Fee, damit mein Leben so wird.

Der Rucksack

Das Bild mit dem Rucksack stammt nicht von mir, aber ich finde es überaus passend. Und mir hat es bislang gut geholfen, „gut“ und „böse“ zu sortieren.

Es ist nämlich so: Jeder Mensch kommt mit einem Rucksack auf die Welt. So einem unsichtbaren, aber doch – oftmals – sehr präsenten. Man kann sich darüber streiten, ob er zur Geburt leer ist oder nicht. Ich glaube nicht, dass er leer ist. Wir sind nun mal die Kinder unserer Eltern und das ein oder andere genetische Päckchen ist einfach da. Je nachdem* kommen früher oder später unterschiedliche (Gewicht und Größe) Päckchen dazu. Das ist bis zu einem gewissen Grad normal und lässt sich auch nicht verhindern.

Der Lauf der Dinge des Lebens sieht vor, dass bestimmte Päckchen wieder rauskommen, dafür andere reinkommen. Manche bleiben. Das ist so. Das muss auch sein. Die Päckchen gehören in den Rucksack – zumindest an der richtigen Stelle. Sie sorgen dafür, dass sich der Rucksack nicht komisch anfühlt. Denn nichts ist schlimmer als Leere.

Problematisch wird es, wenn Päckchen im Rucksack sind, die einem einfach nicht gehören. Sie werden eingeschmuggelt. Sie werden einem untergeschoben, weil der eigentliche Päckchenbesitzer sich nicht damit rumplagen will, weil er meint, dass man es tragen kann oder gar muss. Doch diese Päckchen führen meist zu einem Ungleichgewicht im Rucksack. Er drückt. Er zieht. Die falschen Päckchen liegen auf den eigenen, zerdrücken diese im schlimmsten Fall. Diese fremden Päckchen sorgen für Chaos.

Es ist nicht immer leicht, sich dieser nicht-eigenen Päckchen überhaupt bewusst zu werden. Zu erkennen, dass sie einem gar nicht gehören und was sie mit einem machen. Und dann muss man sich trauen, sie rauszuwerfen. Allerdings ist es bei manchen Päckchen nahezu unmöglich, sie alleine zu entsorgen. Sie sind zu groß, zu sperrig, zu schwer. Hilfe anzunehmen, fällt dabei den wenigsten leicht.

Schlimm finde ich es, mitansehen zu müssen, wenn jemand Angst hat, bestimmte Päckchen überhaupt anzufassen. Wenn man vor lauter Angst, den Rucksack zu macht bzw. nicht mehr aktiv aufmacht, um wenigstens den Rest zu ordnen. Wenn ich sehe, wie dann jemand unter der Last dieses schlecht geordneten, viel zu schweren Rucksacks zusammenbricht. Wenn der Rucksack so sehr drückt, dass man nicht mehr weiß, wohin mit seinem Schmerz.

Wenn ich so etwas sehe, kann ich nicht umhin, diesem Menschen helfen zu wollen. Und manchmal klappt es auch. Aber es war (und ist immer noch) ein schmerzhafter Lernprozess, dass ich höllisch aufpassen muss, mir nicht fremde Päckchen in den Rucksack zu nehmen (oder stecken zu lassen), wenn sich jemand nicht helfen lassen will. Egal, wie geordnet und gut zu tragen mein eigener Rucksack sein mag, ich kann und darf keine fremden Päckchen tragen.

* Wie die Eltern und das Umfeld im Allgemeinen drauf sind, wieviel sie selbst schon im Rucksack haben…