Frankfurt hat’s nicht nötig

Ich gestehe, dass ich mich nicht in dem Maß in die heutige Demo reingehangen habe, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Aber durch die Kur sind viele Dinge ins Stocken geraten. Weil ich sie einfach habe liegen lassen, um auf mich zu achten. Weil ich sicher war, dass sie „trotzdem“ laufen. Weil ich mir einfach mal wichtiger war.

Trotzdem stand für mich fest, dass ich bei der Demo heute dabei sein werde. Wieder eine Demo für den Erhalt der Hebammenarbeit. Denn auch wenn seit der letzten Demo einiges passiert ist und verkündet wurde, ist letztlich nichts von den Versicherungen und der Politik präsentiert worden, was man eine langfristige und vor allen Dingen zufriedenstellende Lösung nennen könnte.

Das Versicherungsaus wurde um ein Jahr auf Juli 2016 verschoben. Wie die Hebammen bei einem Stundenlohn von netto 8,50 Euro die erneut auf über 6.000 Euro ansteigende Haftpflichtprämie aufbringen sollen, scheint keinen zu interessieren.

Denn die zusätzlichen Millionen von den Krankenkassen haben nichts mit DIESER Prämiensteigerung zu tun, sondern sollten die Hebammen bereits im vergangenen Jahr bekommen. Und die Erhöhungen sind umgerechnet auch ein Witz. Von daher bin ich voll und ganz bei den Hebammen, die nun die Verhandlungen mit dem GKV haben platzen lassen.

Die von Gröhe präsentierten Lösungen sind nichts als heiße Luft. Nur das Problem verschoben – an die Krankenkassen (siehe oben).

Ich weiß, dass es in den Medien teilweise dargestellt wurde, als würde man (Politik, Versicherer und Krankenkassen) schrittweise einer zufriedenstellenden Lösung nähern. Aber ganz ehrlich:

WIR SIND DA GENAUSO WEIT VON ENTFERNT WIE IM MÄRZ!

Und allein deswegen müssen wir Eltern weiterhin Präsenz zeigen. Zeigen, dass es uns NICHT egal ist, wo und wie unsere Kinder geboren werden. Wo und wie unsere Enkelkinder geboren werden. Wo und wie unsere Nichten und Neffen geboren werden.

Aber genauso scheint es in Frankfurt zu sein. Wer die Familienplanung abgeschlossen hat, dem ist es egal, wie es denen danach geht. Wer keine (eigenen) Kinder will, dem ist es genauso egal, was rechts und links von ihm passiert. Außerdem ist das Problem hier auch noch nicht angekommen: Ich kennen keine, die keine Hebamme gefunden hat, sodenn sie eine wollte. Die Auswahl an Krankehäusern ist groß. Irgendwo findet sich immer ein Plätzchen zum entbinden. Sollen sich doch die paar Geburtshaus-Fanatiker aufregen.

Und so bot sich heute ein seeeehr trauriges Bild an der alten Oper – dem Startpunkt der Demo. Gefühlt eine Handvoll – es waren real gerade mal 100 (inkl. Kinder) – Eltern und Hebammen hatten sich eingefunden. Dank der engen Straßen, durch die wir mussten, weil auf der Hauptwache die Monsato-Gegner demonstrierten, zog sich der Zug ein wenig in die Länge und sah länger aus, als er wirklich war.

Klar sorgt es für Aufmerksamkeit über die Fressgass mit Lärm, Sprechchören und bunten Luftballons zu ziehen. Toll waren auch die uns begleitenden Polizisten, die sich Luftballons an ihre Motorräder hingen.

Und ein großer Dank auch an der Stelle an die engagierten Flyer-VerteilerInnen. Ich selbst konnte nicht, bildete ich doch die erste Reihe des Zugs mit Banner zwischen mit und einer Mitorganisatorin und dem Fahrradanhänger schiebenderweise in der anderen Hand. Dafür hatte ich aber den mini-monsieur dabei. Der anscheinend Demo-Blut geleckt hat: Mit großem Eifer verteilte er Luftballons mit der Aufschrift „Familien brauchen Hebammen“ rechts und links unseres Wegs an die Kinder und Flyer an die Eltern. Immer wieder musste der Demozug stoppen, weil er Nachschub aus dem Hänger holte.

Die Abschlusskundgebung an der Paulskirche wirkte etwas verloren. Wir hatten eine tolle Anlage, die uns kostenlos zur Verfügung gestellt worden ist. Und so konnten wir wohl bis zum Römer unser Botschaften rüberbringen. Und die Rede-Beiträge waren gut. Gab es doch diesmal eigentlich mehr Inhalte aufgrund all der Entwicklungen. Aber da ihnen keine Masse gegenüber stand, kam keine wirkliche Stimmung auf. Schade, schade, schade.

Ich stand am Demotisch und beobachte die Menge. Nach den geplanten Reden wurde das Mikro geöffnet und es meldete sich einer (oder zwei?) zu Wort, als ich auf einmal eine Kinderstimme „und zweitens“ sagen hörte.

Moment mal, damit fängt doch immer MEIN Kind seine großen Reden an.

Ich guckte auf den Brunnen vor dem Tore der Paulskirche, den wir als Bühne umfunktioniert hatten. Und da stand er, der mini-monsieur, mit dem Mikrophon in der Hand und „stotterte“ nochmal „und zweitens“, bis er dann seine Botschaft rüberbrachte: „Und zweitens… wenn man genug Geld gibt, dann gibt’s auch weiter Hebammen.“

Herr Gröhe, die Damen und Herren vom GKV und von den Versicherern: Wenn ein noch nicht Fünfjähriger das versteht, warum wollen Sie das nicht sehen und umsetzen?

Ein Gedanke zu „Frankfurt hat’s nicht nötig

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