Nach der Kur

Die Sache mit der Kur nun endlich durchzuziehen, war eine der besten Entscheidungen des Jahresanfangs (ich halte mich mal bedeckt 😉 wer weiß, was für geniale Einfälle ich noch haben werde).

Große Erwartungen hatte ich nicht. So richtig konnte ich mir nämlich nicht vorstellen, was und wie in drei Wochen alles bewegt werden kann. Ich gebe zu, anfangs dachte ich auch, dass das eher Urlaub auf Kasse wird, denn etwas, das mich wirklich weiterbringt. Daher wollte ich auch eigentlich ans Meer. Da das aber terminlich nicht möglich war, nahm ich das, was mir angeboten und empfohlen wurde. Und das war auch gut so.

Das Haus
In den 1970ern war die Klinik mal ein Hotel. Bei der Einrichtung hat man hier und da das Gefühl, dass seitdem nichts geändert wurde. Auf der anderen Seite wirkt die Klinik dadurch nicht so steril. Wenn auch das Zimmer beim ersten Betreten etwas abschreckte.
Das Haus ist trotz seiner Größe sehr übersichtlich und erschließt sich schnell. Nahezu alles ist IM Haus untergebracht. Auch ein Café, das nachmittags und abends geöffnet hat. Die Terrasse ist gut – also Richtung Süden – ausgerichtet. Für die Kinder gibt es auf dem Gelände einen tollen Spielplatz und ein Trampolin.

Schade ist, dass es keine expliziten Ruheräume gibt, in die man kann, wenn man nicht auf dem Zimmer sein will (oder kann), einem die Lobby zu laut ist, oder es regnet.

Die beiden Essenssäle sind gar nicht so schlimm in ihrer Funktionalität. Die Plätze sind (aus organisatorischen und diätetischen Gründen) fest. In dem einen Speisesaal saßen die Eltern mit Kindern bis fünf, im anderen die mit mindestens einem Kind über fünf.

Kinderbetreuung
Die Betreuung war toll. Und der mini-monsieur hat sich wohl gefühlt. Die Erzieherinnen machen dort einrn tollen Job. Und ich möchte nicht tauschen: Jede Woche kommen und gehen Kinder. Dass die Begleitkinder auch am Schwimmen und Sport teilnehmen können ist prima.

Und das Zusatzangebot „Wald“, das es die letzten Tage gab, war für den mini-monsieur das größte Glück.

Therapieangebot
Die Klinik ist speizialisiert auf Haut, Atemwege, Ernährung/ Stoffwechsel und Psyche. Und je nachdem, was man alles beim Erstgespräch angemeldet hat, war das eigene Programm entsprechend voll.

Ich war ja schon mal nicht wegen Haut und Atemwege da. Und wegen Ernährung auch nicht primär. Ich war da, um zur Ruhe zu kommen, um endlich mal zu entspannen und um auch endlich mal wieder einen geschützten Raum zu haben. Von daher standen auf meinem Therapieplan eigentlich nur Dinge, die mir gut taten und die nicht stressten – Massage, Krankengymnastik, Rückenschule, Aquagymnastik, Wanderung, progressive Muskelentspannung und halt die Gespräche mit dem Psychologen. Zwischendurch bin ich auch mal aufs Ergometer gestiegen, aber war letztlich doch froh, dass es nicht zu meinem Pflichprogramm gehörte.

Ich kenne eigentlich keine, die unglücklich oder unzufrieden mit ihrem Programm war. Zudem riss einem auch keiner den Kopf ab, wenn man mal einen Punkt ausfallen lies. Und anpassen lassen konnte man es auch immer.

Das Essen
Kulinarisch war es jetzt nicht das Highlight des Jahres, aber ich habe auch schon schlechter gegessen. Die Essenszeiten waren nicht so prall und kollidierten zum Teil auch mit den Therapieplänen. Und am Wochenende wäre es schön gewesen, wenn die Mahlzeiten um wenigstens eine halbe Stunde versetzt gewesen wären.

Aber es war auch einfach mal entspannend nicht selbst zu kochen (zumindest die ersten zwei Wochen). Und dass das Essen portionsweise serviert wurde (zumindest mittags), war sicherlich auch hilfreich. Ich habe mal wieder Hunger und satt gespürt.

Allerdings konnte ich (und nicht nur ich) in der letzten Woche, das morgen- und abendliche Buffet mit den immer gleichen Brötchen (gutes Brot gab es nicht), dem gleichen Belag und den sich stets wiederholenden Salaten nicht mehr sehen.

Die Anderen
Schon am letzten Umsteigebahnhof auf der Hinreise machte ich die ersten positiven Bekanntschaften – ohne zu wissen, dass die eine davon meine Schwester im Geiste sein sollte. Aber ließ sich gut an. Auch die Kinder verstanden sich direkt.

Die ersten Tage habe ich aber für mich bzw. uns zum Ankommen und Einleben gebraucht. Mir waren das zu viele neue Menschen und Eindrücke. Deswegen hat es auch fünf Tage gebraucht, bis ich auch abends aus dem Zimmer gekrochen bin.

Und erst nach und nach sind wir zu einem tollen Trüppchen zusammengewachsen. Bzw. ich mit den anderen, die sich schon „kannten“. Wir hatten viel Glück miteinander und in dieser Konstellation gerne wieder: In vier Jahren dann 🙂 Und wenn ich daran denke, wer so nach uns angereist ist, war es nochmal besonderes Glück. Vor allem in der letzten Woche wurde es schlimm.

Auch mit meiner Tischnachbarin war es sehr lustig, auch wenn wir uns außerhalb der Mahlzeiten wenig begegnet sind. Und ich war sehr erstaunt, als sie mir zum Abschied erzählte, dass sie ihrem Psychologen beim Abschlussgespräch sagte, dass ihre Tischnachbarin (also ich) ihr viel gegeben habe. Und dass sie hoffe, ein bisschen von meiner Gelassenheit beim Umgang mit dem eigenen Kind mit in ihren Alltag nehmen zu können. So falsch scheine ich das mit dem mini-monsieur nicht zu machen…

Fazit
Es war eine glücklich Fügung in vielen Punkten und ich habe wirklich was für mich mitgenommen: Stärkung, neue Eindrücke, ein energiegeladenes Kind, neue Freunde. Ich bin froh, die Kur(anmeldung) durchgezogen zu haben und mich auf das eingelassen zu haben, was sich bot. Auch wenn ich mit der medizinischen Betreuung nicht so zufrieden war, so war ich doch mehr als zufrieden mit der psychologischen. Und das war es ja auch, weswegen ich da war.

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