Kurtag 20

*** Lager-Koller ***

Nachdem der mini-monsieur extrem unruhig geschlafen hat und sogar zweimal aus dem Bett gefallen war – ohne wach zu werden wohlgemerkt – war meine Nacht nicht so prall. Entsprechend schwer fällt mir das Aufstehen, als der mini-monsieur um 6h30 meint, dass die Nacht zu Ende sei. Mit Kuscheln schaffe ich es, dass er bis 7h30 liegen bleibt. Dann machen wir uns fertig, um frühstücken zu gehen.

Der mini-monsieur wirkt schon seit dem ersten „Guten Morgen“ wie aufgezogen. Und das Drama folgt auf dem Fuß: Ich will direkt in den Speisesaal, das Kind will einen Umweg machen. Was nicht problematisch wäre, wenn er nicht noch nen Umweg vom Umweg gemacht hätte. Das Resultat: Der mini-monsieur ist verschwunden. Nach längerem Suchen im ganzen Haus, finde ich ihn in unserem Speisesaal. Ich zitiere ihn da raus und wir gehen erstmal aufs Zimmer, wo ich ihn am liebsten lassen würde. Aber er sieht es noch nicht mal Strafe an, also muss er mit mir frühstücken. Dort erwartet uns eine Überraschung: Jede Mama bekommt eine Rose und wer mag, darf auch mit Sekt in den Tag starten. Ich finde reinen O-Saft zur Abwechslung auch ganz erfrischend. Der mini-monsieur ercharmt sich auch ein Glas (immer nur Schorle geht ja auch gar nicht).

Um 10h00 steht ein trauriger Termin an: Die erste Mama verlässt uns(eren Stammtisch). Die Gespräche mit ihr haben sehr gut getan, war sie es doch, die den gleichen Mann zu Hause hat. Aber wir werden uns wiedersehen.

Anschließend fange ich an, die Klamotten zu sortieren. Unser großer Koffer wird ja morgen abgeholt. Blöd nur, dass die Wäsche noch nicht trocken ist. Irgendwie bekommen wir den Vormittag bis 12h20 rum, um dann zum Mittag zu gehen. Auf dem Weg ins Zimmer hole ich mir meinen Therapieplan für den letzten Tag (also morgen) ab. Der ist dann noch mal gut voll: 7h00, 8h00, 8h20, 9h00, 11h00, 13h30.

Als ich zum mini-monsieur sage, dass wir Oma anrufen, um ihr einen schönen Muttertag zu wünschen, fragt er doch tatsächlich: „Wieso? Ist Oma auch eine Mama? Hat Oma Kinder?“ Ich gucke etwas sparsam und meine nur: „Ja, was bin denn ich von Oma?“ „Ach ja, du bist ja ihr Kind.“ Während ich mit meiner Mama telefoniere, macht das Kind einen Quatsch nach dem anderen. Dieses Wetter (Reeeegen) schlägt dem mini-monsieur aufs Gemüt. Gut, dass es nicht mehr lange bis 14h00 ist. Denn da gibt es Kinderkino. Schwimmbad hat der mini-monsieur selbst abgesagt, weil er zu erkältet ist. Manchmal ist doch schon so was wie Vernunft in dem Kind 🙂

Während er guckt, halte ich Schwätzen, sortiere noch ein bisschen das Gepäck und schreibe. Das Wetter ist echt unbeständig heute. Der mini-monsieur will und soll noch etwas raus. Aber wir kommen keine 300 Meter weit, als es – mal wieder – anfängt zu regnen. Wir kehren um und verbringen die restliche Zeit in der Lobby. Ich hatte extra für den mini-monsieur, die andere Mutter und deren zwei Kinder Obst mitgebracht. Zudem hatte mein Kind noch Schoko-Eier für sich und die beiden Jungs mitgebracht. Sechs Stück, die er gerecht aufteilen wollte. Möglicherweise hat er sie etwas zu laut angepriesen, denn auf einmal ist er umringt von ganz vielen Kindern, die alle auch ein kleines Schoko-Ei wollen. Ich kann die Kinder ja verstehen, aber dass die Mütter, die unmittelbar daneben sitzen, nicht eingreifen, ist mir unbegreiflich. Mein Kind verteilt die Schokolade und geht fast selbst leer aus. Ein Danke oder ähnliches kommt nicht. Ohhh, isch ‚abe ‚als. Als meditative Übung schneide ich die Äpfel klein. Und biete sie dem mini-monsieur und seinen beiden Kumpels an. Auf einmal steht schon wieder eines dieser Kinder vor mir, greift in die Tupper mit den Apfelschnitzen und fragt DANN, ob es auch einen Apfel haben könne. Ich muss echt an mich halten, dass ich ihm nicht auf die Finger haue. Jetzt ‚abe isch Doppel’als.

Meine Freundin und ich stellen fest, dass in der letzten Woche wohl die Mütter und Kinder angekommen sind, die Erziehungshilfe benötigen. ALLE, die schon länger hier sind, sind genervt von der Stimmung, die seit letztem Dienstag herrscht. Und ich bin froh, dass wir am Dienstag fahren.

Den vorläufigen Höhepunkt erreicht die Stimmung beim Abendessen. A regt sich über B auf. C vermittelt. D ergreift Partei. E mischt sich ein. Ich werde auch eingeweiht, auch wenn ich nicht sicher bin, ob ich das wirklich will. Hühnerhaufen. Ein wirklicher Hühnerhaufen. F lästert über G. H stellt I schlecht dar usw. usw. Ach, was bin ich dankbar um unseren „Stammtisch“.

Auf dem Zimmer zeigt sich immer mehr, das der mini-monsieur ziemlich angeschlagen ist von der Seuche. Er weiß nicht, wohin mit sich. Er macht Blödsinn, wir geraten erneut aneinander. Ich packe den großen Koffer abholbereit. Dann telefonieren wir mit dem monsieur. Der mini-monsieur macht sich bettfertig und schläft ratzfatz ein.

Nachtrag: Nachdem der mini-monsieur eine dreiviertel Stunde über immer wieder wach wird vom Husten, schnappe ich ihn mir und gehe um 0h10 zur Nachtschwester (ja, wir sind in einer Klinik und nicht im Hotel). Heute Nacht dann mal ein Hustenstiller und Nasenspray. Ich hoffe auf eine ruhigere Nacht…

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