Kurtag 8

*** Stress ***

Ich habe echt schlecht geschlafen. Zum einen, weil ich mit dem Kind eingeschlafen bin und nach zwei Stunden Erholung wieder wach war. Zum anderen, weil mich die heutige Termin-Kollision gestresst hat.

Trotzdem muss ich um 7h05 beim Wiegen sein. Als ich wach werde, wird auch der mini-monsieur wach. Das ist eher suboptimal. Denn den Wecker habe ich auf kurz vor knapp gestellt. Kind anziehen ist da nicht drin. Wir schließen einen Deal: Während ich mich umziehe, muss er sich ausziehen. Dann wasche ich ihn und in der Zeit, in der ich ein Stockwerk höher hopse, darf er kika gucken und sich dabei anziehen. Das klappt mehr oder weniger gut. Ein wenig mehr angezogen könnte er sein, als ich wieder da bin, aber der Rest ist schnell gemacht. Um 7h15 sitzen wir beim Frühstück, da ich um 8h00 den nächsten Termin habe. Aber das ist deutlich entspannter als gestern.

Der 8h00-Termin ist ein Ernährungsvortrag und bestärkt mich in meinem Wunsch, doch aus diesem Ernährungsberatungs-Modus rauszukommen. Es ist nicht uninteressant, aber ganz ehrlich, weiß ich eigentlich, was bei mir den BMI an die Grenzen des Duldbaren getrieben hat. Und da hilft nicht quatschen, sondern machen: Sport und Ernährungsumstellung. Der einzige Verteil von dem Termin ist, dass ich mit einer anderen Mama ausmache, dass sie uns am Donnerstag zu einem Kinderevent mitnimmt, zu dem man nur mit dem Auto kommt. Danach habe ich noch eine Stunde bis zum nächsten Termin. Ich muss die Patientenverwaltung behelligen, damit die Krankenkasse dringend einen Wisch per Fax zugeschickt bekommt. Am liebsten würde ich mich noch mal hinlegen, aber es lohnt sich nicht. Die Rückenschule wartet um 9h30 auf mich. Ich lerne tatsächlich was. Allerdings spinnt heute mein Rücken deutlich mehr als sonst. Danach finde ich Post in meinem Fach.

20140429_105048_baDie Guerilla-Aktion kann starten. Wo, wenn nicht in einer Mutter-Kind-Kur-Klinik, kann man besser auf die Hebammenproblematik aufmerksam machen?! Bis zu meinem Krankengymnastik-Termin um 11h40 ziehe ich bewaffnet durchs Haus. Problematisch ist nur der fiese Hungerast, der sich bemerkbar macht. Sicherlich ist der schlechte Schlaf und das frühe Frühstück eine ungünstige Kombination und so muss ich was essen.

Weil ich bei der Krankengymnastik meine heutigen fiesen Lendenwirbelschmerzen erwähne, macht sich die Physiotherapeutin auf die Suche nach Triggerpunkten und sie wird auch fündig. Solange man da liegt, ist es fies, aber beim Aufstehen habe ich das Gefühl, dass meine Wirbelsäule zwei Zentimeter länger ist. So entspannt hole ich den mini-monsieur um 12h05 ab. Heute hatte er Sport und ist entsprechend gut gelaunt. Hunger hat er auch. Wir haben es nicht eilig, aber der nächste Termin, diesmal für den mini-monsieur, steht um 13h30 an. Um 12h45 sind wir auf dem Zimmer und gönnen uns eine kleine Kuschelpause. Ich muss aufpassen, dass ich nicht wegratze, aber letztlich bin ich doch zu gestresst (wegen der Termin-Kollision) und nervös (wegen der Fortsetzung des Termins von Freitag). Um 13h15 mache ich den mini-monsieur startklar. Es sieht nach Regen aus und so stecke ich ihn in seine Regenkombi und die neuen Wanderstiefel, denn es soll zu Fuß zu den Glasbläsern gehen. Pünktlich um 13h30 steht er abarschbereit in der Lobby.

Ich vertreibe mir noch ein bisschen die Zeit, bis ich um 13h50 zur wöchentlichen Visiste aufbreche. Ich habe Glück: Vor mir wartet nur einer. Und ich bin schnell dran. Kläre, dass ich weniger Beratung, aber dafür mehr Bewegung möchte. Ärgerlich ist nur, dass der Lungenfunktionstest vom mini-monsieur noch nicht in der Akte ist. Aber es löst sich zumindest der Stressknoten. Ich habe sogar noch so viel Zeit bis zu meinem 14h30-Termin, dass ich mich meine Krampfader beim Chefarzt vorstellen kann. Schön, wozu man so alles kommt auf Kur (fehlt nur noch ein Zahnarzt 😉 ). Dann wird also der Freitag-Termin fortgesetzt – mit dem Sonntag im Gepäck. Ich bin bei diesem Gespräch deutlich abgeklärter als beim letzten Mal, was wohl auch zu Irritation sorgt. Wir verlieren uns in Metaphern und der Botschaft zwischen den Zeilen, dass nicht ich wirklich Hilfe bräuchte, sondern wir. Aber wenn dem wir nicht geholfen werden darf, muss ich wenigstens mir helfen (lassen), damit mit dem wir überhaupt was passieren kann. Auch wenn ich Hausaufgaben bekommen habe, hängt mir der Termin nicht so nach.

Da ich nicht zum zweiten Ernährungs-Vortag des Tages gehen werde, habe ich Zeit. Die will ich dafür nutzen, um ein Projekt voranzutreiben. Also schnappe ich mir den Rechner und gehe in die Lobby. Ich habe schon wieder Hunger. Heute muss ich mal „sündigen“: Ich hole mir einen Kaffee und eine Brezel. Dann unterhalte ich mich aber doch erstmal, bevor ich in die Tastatur haue.

Auf einmal fängt es an zu pladdern. Und zu hageln. Und irgendwo da im Wetter ist mein Kind auf seinem Ausflug. Irgendwie bekommen wir (Ausflügler-Mütter) die Nachricht, dass die Kinder zum verabredeten Abhol-Treffpunkt wegen des Wetters gefahren werden. Nach ein paar Nachfragen, stellt sich auch heraus, dass die Klinik die Kinder mit einem Shuttle-Bus vom Treffpunkt abholen wird. Wir müssen also nicht durch den herunterkommenden Himmel. Um 17h05 nehme ich dann einen halbwegs trockenen und sehr stolzen mini-monsieur in Empfang. Es muss spannend gewesen sein. Viel erzählt er nicht. Nur, dass er die mitgebrachte Durstkugel selbst geblasen hätte. Er platzt fast vor Stolz.

Bevor wir zum Abendbrot gehen, spielt er noch einen Moment mit ein paar seiner neuen Kumpels, als es zu einem Zwischenfall kommt: Er wurschtelt mit so einer etwas größeren Murmelbahn rum. Als ich sage, dass wir zum Essen gehen, schmeißt er sie einfach nur um, wobei sie einem anderen Kind auf die Hand fällt. Die Mutter des Kinds hat den mini-monsieur eh schon auf dem Kieker. Ich kann ja diese Mütter nicht leiden, die meinen, dass ihr Kind ein Heiliger sei und NIIIEE etwas machen würden. Allein deshalb habe ich eigentlich keine Lust, mein Kind ins Gebet zu nehmen. Ich muss es aber machen, denn der mini-monsieur ist hier deutlich rüpeliger als sonst. Als wir im Speisesaal ankommen, zeigt sich ein bisschen, warum er – zumindest in dieser Situation – so drauf ist: Er muss auf Toilette UND er hat Hunger. Großen Hunger. Er isst gut und wir sitzen ungewöhnlich lange am Tisch (also ich, der mini-monsieur spielt mit einem Kumpel), bis es zu einem erneuten Zwischenfall kommt. Ein weiteres Kind kommt dazu und irgendwie schubst der mini-monsieur ihn. Ich sehe nicht genau, was passiert. Die Mutter des Geschubsten reagiert erschreckend heftig. Der mini-monsieur entschuldigt sich umgehend. Ich spüre, dass mit meinem Kind was ist und beschließe, dass wir gehen.

Auf dem Weg ins Zimmer beschwert er sich, dass er den ganzen Tag noch nicht draußen war. Das stimmt zwar nicht, aber trotzdem denke ich, dass wir noch eine Runde zusammen drehen sollten. Und das hilft auch. Wir genießen die Natur und atmen ein bisschen durch. Mal keinen um sich rum, tut dem mini-monsieur gut.

20140429_190556_baDanach kann ich ihn sogar unter die Dusche schleusen und er telefoniert auch bereitwillig via Skype mit dem Papa.

Um 21h30 ist er dann endlich eingeschlafen. Ich gehe noch mal runter, schaue kurz zu, wie die Bayern abserviert werden und habe dann noch ein gutes Gespräch. Es tut gut zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, die so eine verkrokste Beziehung erlebt. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass sie und ich den gleichen Mann an der Seite haben – so sehr ähneln sich die signifikaten Situationen bei uns.

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