Kurreif

Ich hab’s noch gar nicht erwähnt (oder doch?): Die Mutter-Kind-Kur ist genehmigt. Es ging erstaunlich schnell. Und es ging auch erstaunlich schnell, einen Platz zu bekommen. Zwar nicht an der See, wie ursprünglich gehofftwünscht. Aber die Kur sollte noch vor irgendeinem potentiellen neuen Job ablaufen. Und da war Juni an der See doch zu wage. Außerdem brauche ich die Kur JETZT.

Nächste Woche geht es los. Und allein die gestrige Aktion, den großen Koffer für heute abholbereit zu machen, hat mich nach sechs Wäscheladungen und Packen bis nachts um 2h00 noch mal mehr in die Kurreife getrieben.

Mein Arzt hat zwar das Formular ausgefüllt. Aber so ganz verstanden, warum ich die Kur brauche, hat er nicht. Das kann ich ihm auch nicht krumm nehmen, denn er kennt ja nicht den ganzen Hintergrund. Sicher ist mir mein Rücken wichtig und diese Infektanfälligkeit nervt auch. Auch hoffe ich, dass ich ernährungstechnisch mal wieder eingenordet werde. Aber eigentlich brauche ich die Kur für die Psyche. Es ist mir nicht leicht gefallen, das, was mich belastet, zu beschreiben. Wobei es mir schon geholfen hat, dass ich da keinem bei ins Gesicht gucken musste. Und trotzdem habe ich versucht, meine psychische Situation und meine Beziehung sachlich und emotionsarm zu schildern. Aber allein das hat schon gereicht, dass die Kur für mich nicht präventiv, sonder zur Rehabilitation eingestuft wurde. Vielleicht wurde sie auch deshalb so schnell bewilligt.

Ich habe es hier ja schon mal angedeutet, dass die Beziehung zu dem Mann an meiner Seite zum Vater von mini-monsieur nicht die einfachste ist. Sie ist geprägt von Misstrauen und Eifersucht. Und würde mich eine Freundin in meiner Situation um Rat fragen, ich würde nach all den Jahren dazu raten, auf sich selbst zu achten. Doch nach all den Jahren ist das nicht so einfach. Es fühlt sich fast an, als hätte ich gerade das verlernt.

In der Nido 4/2014 ist eine Artikel ab Seite 32 („Familien-Opfer“): Auch wenn es bei uns (zum Glück) nicht um Kriegseinsätze geht, so hätte ich trotzdem fast jeden Satz unterschreiben können. Genau die gleiche Diagnose (beim Mann) steht bei uns im Raum (naja, nicht nur im Raum, sondern auch fest). Und es würde mich nicht wundern, wenn nun bei der Kur mein Part (als Frau) bestätigt wird.

Ich habe ehrlich gesagt etwas Angst davor.

Aber ich spüre, dass ich etwas machen muss. Ändern muss, bevor ich wirklich nicht mehr kann.

3 Gedanken zu „Kurreif

  1. Pingback: ZuDS? | Groß-Stadt-Ansichten

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  3. Pingback: Liebes Tagebuch am Fünften (Juni) | Groß-Stadt-Ansichten

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