Geflasht

Ich habe immer noch einen Kater – einen Demokater.

Eigentlich dachte ich, dass ich nicht zur Hebammen-Unterstützungs.de-Demo nach Berlin fahre. Mit Kind allein, die lange Zugfahrt, die Kosten fürs Ticket… Doch irgendwie hat es mich gereizt. Und dann fiel mir auch noch ein, dass ich so viele Punkte bei der Bahn habe, die ich in Tickets umwandeln kann. Nach ein wenig Hin- und Herüberlegen löste ich dann auch unser Übernachtungsproblem (denn abends noch mal 4 Stunden im Zug zurück war mir zuviel): Von Berlin zu meinen Eltern sind es „nur“ zweieinhalb Stunden mit der Bahn. Dann könnten der mini-monsieur und ich auch noch mal meine Eltern sehen bevor es zur Kur geht.

Da das Kind ganz neidisch war, als er mein Demo-Shirt sah, habe ich ihm noch schnell eines gemalt:

wpid-photogrid_1397287380154.jpgAm Samstag ging es dann um 10 Uhr los. Die vier Stunden verliefen schnell und gut. Der mini-monsieur mag Zugfahren (wird ihm doch dabei nicht schlecht während er DVD guckt). Wir kommen pünktlich an. Und suchen erstmal ein Schließfach für unseren Koffer. Ein Glück mache ich ein Foto von Eingang zu den Schließfächern. Das soll uns abend noch wertvolle Zeit sparen.

wpid-20140412_140811.jpgDas Kind ist geflasht von diesem riesigen Bahnhof. Ich bin es auch immer wieder…

wpid-20140412_141543.jpgEntspannt schlendern wir zum Forum Kanzleramt, wo die Demo starten wird. Vor Ort wird schon fleißig die längste Nabelschnur Deutschlands aufgehangen. Unsere Frankfurter Ergänzungen bilden dabei einen netten Farbklecks.

IMG_3412_baIch suche meine Mitstreiterinnen. Bislang kennen wir uns ja nur virtuell. Quatsche ein bisschen mit der Presse und passe auf, dass der mini-monsieur nicht verloren geht. (Falls doch habe ich ihm selbstverständlich meine Handy-Nummer auf den Arm geschrieben und einen GI-artigen Batch an die Hose gemacht.)

2014-04-12 01.53.06-1Dank dem direkten Draht zum Fahrradkorso kann ich mich pünktlich aufmachen, diesem entgegen zu gehen und ihn bei der Einfahrt zu fotografieren. Wow, da hatte ich schon ein paar Gänsepickel. Was Bianca Kasting und ihre Mitradlerinnen geleistet haben, ist der Wahnsinn.

IMG_3385_ba IMG_3390_baDen amerikanischen Touristen, die das Spektakel neben mir interessiert beobachten, erkläre ich noch, worum es geht. „Welcome to the American health care system“, trifft es leider irgendwie.

Nach ein bisschen „Hallo“ hier und „Schön, sich endlich mal in echt kennenzulernen“ da geht der Protestzug los. Aus Gründen sind der mini-monsieur und ich relativ weit vorne. (Wer mich kennt, kann mich auf dem dpa-Foto erkennen 🙂 ) Der Weg ist nicht so weit, zieht sich natürlich. Irgendwann bekommt das Kind gaaanz furchtbare Fußschmerzen. Ich nehme ihn neben Rucksack und Kamera noch auf den Arm. Eine Mitdemonstrantin mit Fahrrad bietet ihren Gepäckträger an. Der mini-monsieur ist happy. Und ich (und mein Rücken) auch.

Der Blick zurück auf den Zug ist Wahnsinn. Man hat das Gefühl, dass er kein Ende nimmt. Und überall rote und pinke Luftballons und Banner.

IMG_3464_ba IMG_3458_baNach 40 Minuten Marsch kommen wir am Bundesgesundheitsministerium in der Friedrichstarße an. Die Stimmung ist großartig:

Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Hebammen klaut.

Die Reden der Einzelnen reißen auch alle mit. Ich bin schwer bewegt, ein Teil dessen zu sein. Eine von knapp 4.000 Demonstrierenden. Wahnsinn.

IMG_3527_baDem mini-minsieur ist es zwischendurch – verständlicherweise – zu viel, zu laut und überhaupt. Er will „jetzt sofort zum Zug und zu Oma fahren“. Außerdem hat irgendwer seinen zweiten pinken Luftballon geklaut.

IMG_3515_baAls die Demo zu Ende ist, geht es auch dem Kind wieder gut. Die Kinder der anderen Team-Frauen sind gute Spielkameraden. Ich kann noch ein bisschen quatschen, mehr „Hallo“ sagen und letzte Fotos machen.

Total geflasht machen wir uns mit einer anderen Mutter und deren Kinder Richtung Bahnhof auf. Trinken noch einen Kaffee zusammen und versorgen die Kinder. Ich danke mir selbst für die gute Idee, ein Foto vom Schließfach-Umfeld gemacht zu haben. Noch schnell Blümchen für Oma kaufen und dann in den Zug. Die Fahrt verläuft problemlos. Nur die Suche nach einem Taxi gestaltet sich schwierig. Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch genug Bargeld habe und frage, ob ich mit Karte zahlen darf. Erst das vierte Taxi ist bereit, uns mitzunehmen. Provinz…

Bei Oma und Opa angekommen skandiert der mini-monsieur noch eine Weile:

Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Hebammen klaut.

2 Gedanken zu „Geflasht

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