Möglicherweise

Möglicherweise gibt es andere Probleme, für die man (auch) auf die Strasse sollte. Vermeintlich wichtigere (Ukraine, Atomkraft …).

2014-03-08 12.55.53


Rund 1.000 demonstrierten in Frankfurt für den Erhalt der Hebammen

Ich finde es aber auch extrem wichtig, einen ganzen Berufsstand zu retten. Einen Berufsstand, der meines Erachtens nach extrem wichtig ist, wenn Deutschland wirklich noch ein paar Kinder mehr haben möchte. Denn dieser Berufsstand, die Hebammen, sorgt dafür, dass Kinder überhaupt auf die Welt kommen. Ihr Wissen ist es, dass dabei hilft, wenn die Geburt ins Stocken gerät oder der Wehensturm nicht auszuhalten ist. Und das hat nichts mit Hexerei zu tun. Das ist eine gesunde Mischung aus überliefertem Wissen und den modernen Errungenschaften der Schulmedizin.

IMG_3271_baIch habe es schon mehrfach erwähnt und werde es noch einmal klar stellen: Bei diesem Protest, der heute in mehreren deutschen Städten bei Demos und Mahnwachen kundgetan wurde, geht es nicht um den Erhalt der Haus- bzw- außerklinischen Geburten. Es geht darum, dass Hebammen überhaupt noch praktizieren dürfen.

Zum Hintergrund:
Es gibt derzeit (de facto) nur eine Versicherung (genaugenommen ein Konsortium aus drei Versicherungsgesellschaften), die überhaupt die verpflichtende Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen anbietet. Mal abgesehen davon, dass die Beiträge seit Jahren steigen und steigen, hat nun eine der drei Versicherungsgesellschaften angekündigt, zum Juni 2015 aus diesem Konsortium auszusteigen.

DAMIT wird es keine Versicherung mehr für Hebammen geben.

DAMIT können Hebammen nicht mehr praktizieren.

Sie DÜRFEN dann keine Vorsorge mehr machen. Keine Nachsorge. Und auch keine Geburtsbegleitung.

Diese Haftpflichtversicherung gilt nicht nur für die freiberuflichen Hebammen, sondern auch für die angestellten. Denn deren Haftpflichtversicherung über den Arbeitgeber reicht meist nicht aus, sodass eine Zusatzversicherung nötig ist.

Und nun steht dem gegenüber das Gesetz:

  1. Per lege haben Frauen Anrecht auf eine Geburts-Vor- und Nachsorge durch eine Hebamme.
    Schon jetzt ist es schwierig, überhaupt eine Hebamme zu finden. DANN wird es unmöglich sein. Und wer will schon im Wochenbett bei Dammnahtproblemen, entzündeten Brustwarzen, fehlendem Milcheinschuss etc zum Arz rennen?
  2. Per lege MUSS bei einer Geburt eine Hebamme zugegen sein. Die Geburt wird von der Hebamme und NICHT vom Arzt geleitet. Der Arzt darf das nicht!
    Doch eine nicht versicherte Hebamme darf nicht arbeiten, ein Arzt alleine darf nicht entbinden. De facto werden Frauen, wenn es keine Lösung geben wird, ab Juli 2015 alleine ihre Kinder bekommen müssen – sofern sie keinen Kaiserschnitt brauchen oder wünschen.
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Herr Gröhe am Boden?!

Ich hoffe, dass dieses Problem mittlerweile auch bei Herrn Gröhe angekommen ist. Dass wirklich darüber nachgedacht wird, wie dieses Dilemma gelöst werden kann, das zwar nicht politisch iniitiert ist, aber auf ebendieser Ebene gelöst werden sollte. Die Politik muss Stellung beziehen, ob sie die bestehenden Gesetze und Rechte beibehält und eine entsprechend Grundlage schaffen kann und möchte, oder ob Deutschland noch weniger Kinder braucht. Denn

IMG_3302_baDazu müssen sich die Hebammen überlegen, was sie wollen. Eine Lösung des Haftpflichproblems ist letztlich auch nur das Stopfen eine Lochs mit Stroh, wenn der Rest – also Anerkennung der Arbeit mit entsprechender Entlohnung – nicht stimmt.

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Symbolbild mit Bank im Hintergrund 🙂

Wir Mütter, Frauen, Väter, Eltern, Großeltern können der Politik mit unseren Protesten „nur“ zeigen, dass wir NICHT auf Hebammen, als entscheidende Säule vor, während und nach der Geburt, verzichten können und wollen.

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Ich hätte meine sehr vermisst.

6 Gedanken zu „Möglicherweise

  1. Ich konnte heute nicht bestimmen, was wir so „unternehmen“, aber ich hoffe inständig, dass genügend Leute unterwegs waren, um auf das Problem wirklich aufmerksam zu machen. Im Prinzip muss eine staatliche Versicherung her.
    Grüße & habt noch einen schönen Abend,
    Nike

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