Mütter, macht mobil!

Mütter und vor allen Frauen, die noch Mama werden wollen, kümmert euch! Mobilisiert Euch! Tut Euch zusammen!

Seit Jahren passiert etwas Erschreckendes. Nicht völlig unbemerkt, aber wie es scheint nicht ausreichend beachtet:

Die freien Hebammen sterben aus!

Und das ist schlimm! Jede, die schon ein Kind (oder mehrere) bekommen hat, weiß, welchen Wert eine Hebamme für die Frau, das Ungeborene, die frisch Entbundene und das Neugeborene hat.

Ich bzw. wir hatten das Glück, dass 2009 die Haftpflichtversicherung für freie Hebammen, die auch entbinden, noch erschwinglich war. Denn so konnten wir die Schwangerschaft, die Geburt des mini-monsieur und das Wochenbett von einer Beleghebamme begleiten lassen.

Eine Beleghebamme ist eine feine Sache, denn sie ist für einen da. Man lernt sich deutlich vor der Geburt kennen, sie begleitet die Geburt (egal, wie lang sie dauert) und wird von ihr auch noch im Wochenbett betreut. Also jemand, die weiß, wie die Schwangerschaft und die Geburt verlaufen sind und wie frau tickt.

Wir hatten uns damals auch aus einem sehr pragmatischen Grund für eine Beleghebamme entschieden: Ich wollte eine Hebamme bei der Geburt dabei haben, die auch Französisch spricht, die dem monsieur Dinge erklären kann, ihn beruhigen kann. Denn ich hatte die Befürchtung, dass ich unter Wehen nicht mehr Willens wäre, meine Muttersprache zu verlassen.

Und so war es auch. Denn das Letzte, was ich dem monsieur während der Geburt und bevor der mini-monsieur dann da war, sagte, war: „Ferme ta gueule!“ Also ein überaus liebevolles „Halt die Klappe!“ als er irritiert auf mein Tönen während des Wehensturms reagierte. Danach übergab ich an meine Hebamme: „Sag ihm, dass das alles so richtig ist und dass ich so laut sein darf.“ (Dass zu guter Letzt die diensthabende Ärztin zweisprachig Französisch-Deutsch war, konnte ja keiner ahnen.)

Einige in meinem Umfeld hatten sich damals auch für eine Beleghebamme entschieden und ich kenne kein Paar, das nicht froh war, sich so entschieden zu haben.

Doch ich will jetzt keiner Frau, die noch Kinder bekommen will, den Mund allzu wässirg machen, denn: Es gibt so gut wie keine Beleghebammen mehr.

Seit Jahren steigen und steigen die Haftpflichtversicherungsbeiträge (mehr). Einen Ausgleich über die Vergütung findet nicht statt. Im Gegenteil, die Hebammen müssen immer wieder dafür kämpfen, dass „das bisschen Arbeit“ an Mutter, Vater und Kind überhaupt anerkannt wird (mehr).

„Das bisschen Arbeit“ ist nämlich eine ganze Menge, aber vor allen Dingen: Ruhe, Zeit und Erfahrungen jenseits von Aparaten. Ich fand es faszinierend, dass meine Hebamme ohne Ultraschall die Lage des mini-monsieurs genau ertasten konnte. Meine Hebamme war es auch, die immer wieder sagte, dass der mini-monsieur zwar groß – also lang – aber nicht sonderlich dick sei. Während mir nach jedem Ultraschall gesagt wurde, dass der mini-monsieur ein ganz schöne Brocken würde. Noch im Krankenhaus kurz vor der Geburt hieß es: mindestens 4.000g. Meine Hebammen sollten Recht behalten (3.425 g auf 54 cm).

Meine Hebamme ist zu uns nach Hause gekommen. Sie hat gewogen, geguckt, untersucht und beraten. Sie hat sich Zeit genommen, war stets erreichbar. Sie hat Tipps gegeben ohne Recht haben zu wollen, hat weitergegeben, was sich Hebammen seit Jahrhunderten an Wissen angeeignet, erweitert und angepasst haben.

Doch mittlerweile hat sich die Situation so zugespitzt, dass es – wenn sich nicht schnell was ändert – bald noch nicht einmal mehr eine Haftpflichtversichtung geben wird, die Hebammen aufnimmt (mehr).

Das würde das Aus für die freien Hebammen bedeuten.

Das würde das Aus für eine Schwangeren- und Wochenbett-Betreuung ohne Zeitdruck bedeuten

Das würde – gerade mit Blick auf die Nachsorge – das Aus für einen sanften und tollen Start ins Leben bedeuten!

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Mehr dazu:

Ich würde hier gerne noch mehr Texte zum Thema verlinken – sehr gerne auch Eure persönlichen Erfahrungen. Also schreibt, schreibt! Es wäre toll, wenn eine Sammlung entstehen könnte, die – jenseits von sachlichen Petition und Politikgefasel – zeigt, welchen ideellen und emotionalen Wert die Hebammenarbeit hat und dass wir – in Deutschland – es uns nicht leisten können, darauf zu verzichten.

Teilt gerne den Text! Macht mobil!

6 Gedanken zu „Mütter, macht mobil!

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