Rassismus

Seit ein paar Wochen haben wir – endlich – eine Babysitterin. Der monsieur und ich haben nämlich Gewagtes vor: Wir wollen alleine – also zusammen, aber ohne Kind -, abends ausgehen. Das haben wir seit der Geburt vom mini-monsieur bislang erst einmal gemacht. Aber nun liegt hier ein Doppel-Gutschein für den Tigerpalast rum und das Programm-Kino verspricht auch regelmäßig französische Filme mit deutschen Untertiteln.

Gefunden habe ich die Babysitter in über die Seite des Frankfurter Studentenwerks. Eigentlich wollte ich selbst eine Anzeige reinstellen, aber da sah ich ihre: Studentin, lernt Deutsch und kann Französisch. Perfekt – also für uns. Und ich bin jetzt auch nicht die Mutti, die erstmal diverse polizeilichen Führungszeugnisse und Referenzen über mindestens zehn Jahre Babysitter-Erfahrung einfordert. Ich finde, dass es menschlich passen muss und dass das Kind mit der Person zurecht kommen muss. Daher haben wir erstmal ein paar Kennenlern-Termine gehabt: Sie kam und beschäftigte sich mit dem mini-monsieur, während wir noch da waren. Sie kümmerte sich um das Kind ohne unser Beisein. Es klappte prima. Der mini-monsieur spielte gerne mit ihr, äußerte, dass sie nett und alles gut sei. Dass die Babysitterin schwarz (darf man das überhaupt noch so sagen?!) ist, war ihm egal.

Gestern wollten wir das erste Mal abends ausgehen – probehalber nur „ums Eck“ etwas trinken.

Am Tag zuvor hatten wir dem mini-monsieur gesagt, dass die Babysitterin käme und wir dann weggingen. Er war sich nicht ganz sicher, was er davon halten sollte, aber sonderlich schlimm fand er es nicht. Denn die Babysitterin war ja bislang ganz nett.

Als ich den mini-monsieur gestern von der Kita abhole, kommt der Hammer. Ich erwähne, dass abends die Babysitterin käme.

„Ich will nicht, dass die Babysitterin kommt“, entgegnet mir der mini-monsieur.
„Warum nicht?“
„Ich will die nicht mehr.“
„Aber ihr habt doch gut zusammen gespielt die letzten Male. Das war doch toll.“
„Ja, schon…“
„Ist irgendwas passiert?“
„Nein. Ich will nicht das die kommt.“
„mini-monsieur, mir haben das gestern besprochen. Da war das noch für dich in Ordnung, dass die Babysitterin kommt. Warum willst du die nicht mehr?“
„Weil … weil … ich mag keine schwarzen Menschen.“

Bumm!

Ich bin geschockt und brauche einen kurzen Moment, um mich zu fangen. Woher hat das Kind das? In seinem Kindergarten gibt es viele verschiedene Kinder – auch farbige. Ich weiß nicht, ob er mit ihnen spielt, aber bislang war es kein Thema, dass er die nicht „möge“.

„Wieso sagst du das? Wie kommst du darauf?“
Der mini-monsieur druckst rum: „Ich … mag … einfach keine schwarzen Menschen mehr.“
„Du hast doch die letzten Male prima mit der Babysitterin gespielt. Du hast gesagt, dass du sie nett findest, dass es Spaß mit ihr gemacht hat.“
„Ja, schon.“
„Also, wieso sagst du auf einmal, dass du keine schwarzen Menschen mehr magst.“

Ich weiß nicht, ob es klug ist so zu insistieren. Aber das kann ich nicht so stehen lassen. So will ich mein Kind nicht erziehen und ich will, nein muss, wissen, woher er solchen Schwachsinn hat. Dem mini-monsieur ist die Unterhaltung spürbar unangenehm, aber er rückt mit der Sprache raus:

„Die Erika* hat zu mir gesagt, dass schwarze Menschen doof sind und dass sie keine schwarzen Menschen mag.“

Bumm!

Wie kommt ein Kind dazu, so etwas zu sagen? Wie kommt MEIN Kind dazu, so etwas nachzuplappern? Zumal die Babysitterin nicht der erste schwarze Mensch im Leben des mini-monsieurs ist.

In meinem Schock rede ich auf den mini-monsieur ein. Drösel ihm die Diversität der Welt auf. Erkläre, dass es viele verschiedene Menschen gibt, die ganz unterschiedlich aussehen (können). Frage ihn, wie er sich fühlen würde, wenn es Leute geben würde, die sagen würden, sie fänden blonde Kinder doof und deswegen nicht mit ihm spielen wollen. Oder wenn wer sagen würde, dass Franzosen blöd sind, wo doch der Papa und er selbst ja auch Franzosen sind.

Ich habe das Gefühl, dass ihm bewusst wird, was seine Aussage bedeutet. Aber fassungslos bin ich trotzdem. Zumal ich mir nicht ganz sicher bin, ob diese Aussage wirklich von Erika kommt oder nicht.

Ich kann und darf das so nicht stehen lassen. Und ich werde Montag die Angelegenheit im Kindergarten zur Sprache bringen. Mich mit der Erzieherin besprechen, wie sie die Kinder diesbezüglich erlebt und anregen, die spannende Vielfältigkeit der Welt zum Thema zu machen.

* Name slbstverständlich geändert!

4 Gedanken zu „Rassismus

  1. Hallo, das sind echt heftige Aussagen. Ich wär ma fast mit dem Auto gegen einen Baum gefahren, als mir meine Tochter (damals ca. 4 Jahre alt) beiläufig erzählt hat, dass die Lisa aus ihrer Kindergartengruppe sicher so schwarz wäre weil sie nie baden geht, und ihre Mama und ihre Schwester auch nicht. Voll eklige Leute… Das konnte ich natürlich auch nicht so stehen lassen, aber ich kann mich noch gut an meinen Schock erinnern!

  2. ALTER! Das würde ich auch nicht so stehen lassen. War mir schon unangenehm, als der Lütte am Anfang seiner Kindergartenzeit Angst vor den Müttern mit Kopftuch hatte, war mir das schon sehr unangenehm. Haben wir auch nicht so stehen lassen. Ist ja wohl klar. Bin aber mal gespannt, wie die bei Euch im Kindergarten reagieren!
    Grüße
    Nike

  3. Pingback: Rassismus II | Groß-Stadt-Ansichten

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