Es gibt immer was zu meckern

Letztens führte ich mal wieder einer dieser Diskussionen, die mich immer leicht kopfschüttelnd und mit dem Wunsch, „Macht Euch locker, Eltern“ an irgendwelche Wände zu sprühen, hinterlassen.

Der mini-monsieur ist nun viereinhalb. Auch wenn er anfängt mir in den Ohren zu liegen, dass er in die Schule möchte (was vermutlich daran liegt, dass ich gesagt habe, dass es eine Taschenkonsole nur gibt, wenn er lesen und schreiben kann), wird er erst nächstes Jahr im Sommer eingeschult. Wie auch der größte Teil seiner kleinen Kumpels und Freundinnen. Erste ältere Kinder im Umfeld werden schon dieses Jahr eingeschult und so beginnt man, sich schon jetzt mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Und da sind Eltern, die bei der Kita-Platzsuche jammerten, wie ätzend es sei, keine Sicherheit zu haben, dass das Kind überhaupt einen Platz bekommt und dann auch noch in Wohnortnähe. Wer dann doch einen dieser raren Plätze ergattert hat (ich kenne kein Kind über drei, dass keinen hat), meckert – vor allen Dingen, wenn es nicht die Wunsch-Kita wurde – gerne mal über den Betreuungsschlüssel, die Kita-Aus- und Einrichtung, Fehlzeiten der Erzieher, freie Tage etc.

Nun ist das bei der Grundschule anders. Da gelten „feste“ Regeln entsprechend Schulbezirk und Einzugsgebiet. Jedes Kind kommt in die Grundschule, die am nächsten liegt und daher zuständig ist. Man sollte meinen, mal abgesehen davon, dass Hortplätze rar sind, dass das den Eltern Planungssicherheit gibt. Das Kind hat keinen langen Schulweg, ist mit den Freunden aus dem Viertel zusammen – alles prima.

Doch hier gibt es das nächste Meckerpotential. Ich kenne kaum einen, der nicht etwas an der potentiellen Grundschule des Kindes auszusetzen hat: grundsätzlich die falsche Schule, falscher pädagogischer Ansatz, schlechte und unmotivierte Lehrer, das Umfeld, die Klassenzusammensetzung (zu viele Nicht-Deutsch-Muttersprachler) oder auch alles auf einmal.

Ich kann dieses Gejammere nicht hören. Ganz ehrlich! Ich war auf einer sogenannten Schwerpunkt-Grundschule – Schwerpunkt für Grundschüler mit türkischem Hintergrund/ Wurzeln. Wir waren neun deutsche Schülerinnen und Schüler in einer Klasse mit 22 Schülern. Ich habe es nicht nur „überlebt“, sondern habe eine ganz normale, tolle Grundschulzeit verbracht. Habe lesen und schreiben (wenn auch nicht schön) gelernt, habe meine Liebe zu Zahlen entdeckt, fand den Sachkundeunterricht toll, habe einfach viel mitgenommen und gelernt. Habe den Sprung aufs Gymnasium geschafft, mein Abitur gemacht und tatsächlich sogar studiert.

In der (Grund-)Schule kommen so viele Dinge zusammen, die man zum Teil gar nicht vorhersehen oder gar einplanen kann. Und manchmal sind es einfach nur unglückliche Konstellationen. Da nützt einem auch die beste Schule nix.

Und letztlich steht und fällt mit der Einstellung zur Schule. Das hat auch viel mit „self-fulfilling prophecy“ zu tun.

Eltern, macht aus der Schulzeit Eurer Kinder das, was Ihr Euch für sie wünscht und wartet nicht drauf, dass das andere für Euch machen!