Wenn’s juckt, heilt’s

Es gibt so Wörter und Sprüche, die gibt man weiter – von Generation zu Generation. Man spricht sie aus, ohne sich wirklich Gedanken zu machen, und ertappt sich irgendwann selbst oder wird vom eigenen Kind eiskalt erwischt.

Ein Klassiker: Ein kleine große Wunde ist nicht mehr ganz frisch und der Schorf bröckelt (zumindest behaupten das immer die Knibbler), da fängt es an zu jucken.
„Nicht kratzen“, wurde ich immer ermahnt „das gibt nur Narben. Außerdem heilt’s, wenn es juckt.“

Als ich letztens den mini-monsieur darauf hinwies, nicht an einer Wunde zu kratzen, weil das Jucken ja den Heilungsprozess anzeige, konterte er blitzschnell mit einem „Warum?“.

Tja, warum eigentlich?!

Dank der wunderbaren Serie „Es war einmal das Leben“ und auch der ein oder anderen vorhergegangenen Erklärung zu den Prozessen im Körper weiß der mini-monsieur, dass es „Dinge“ gibt, die tendenziell schlecht für den Körper sind, Quatsch machen und letztlich krank machen können. Oft nennen wir sie die „Blöden“ oder Monster, aber auch der Ausdruck Bakterien ist ihm durchaus geläufig. Und er weiß auch, dass es eine Menge „Helfer“ gibt, die überall im Körper sind und bei den verschiedensten Prozessen mitwirken: helfen, dass wir gesund bleiben, dass wir das Essen vertragen und verdauen etc.

Und wenn nun eine verheilende Wunde juckt, dann kommen gaanz viele spezielle Helfer, die dafür sorgen, dass die Haut wieder wie vorher aussieht. Das ist so ein Gewusel, dass man das dann als Kribbeln/ Jucken spürt.

Auf die letzte Wunde am Bein musste ich daraufhin auch ein Pflaster kleben, damit die Helfer nicht rausfallen.

Interview mit einer Rechneramputierten

Little B., wie fühlst du dich?
Im Großen und Ganzen ganz gut.

Und im Speziellen, also so ohne eigenes Laptop?
Es ist schon komisch. Aber für die „wichtigen“ Dinge – also Mails lesen, fb, instagram, feedly und einfache Blogeinträge – habe ich mein smartes Telefon. Außerdem habe ich noch einen Desktop-PC. Das Problem ist allerdings, dass der nicht so einfach ins Internet kommt.

Oh, wie meinst du das?
Er ist halt nicht WLAN-fähig und steht auch noch in dem Zimmer, das am weitesten vom Router entfernt ist.

Dann liegt jetzt bei euch ein langes graues Kabel in der Wohnung?
Nicht ganz. So ein langes Kabel haben wir nicht. Und extra eins kaufen wollte ich nicht. Daher schleppe ich, wenn ich was wirklich Wichtiges machen muss, den Rechner in Router-Nähe und nutze das WLAN-Kabel, mit dem eigentlich unser Fernseher online geht.

Und was für wirklich wichtige Dinge sind das?
Zum Beispiel Blogeinträge mit Fotos von der echten Kamera oder vielen Links.
Nein, im Ernst: Ich muss ja momentan ein paar Bewerbungen schreiben und die wollen online verschickt werden. Zum Glück waren auf diesem Rechner noch ein Großteil meiner Bewerbungsunterlagen.

Apropos Unterlagen: Wie steht es um deine Daten?
Die Festplatte ist hoffentlich bald wieder da. Dann werde ich sie an eine andere Datenrettungsfirma schicken. Das wird ein ganz schön teurer Spaß.
Ich verbuche das mal unter der Kategorie „Lehrgeld“.

Wenn die Daten nicht gerettet werden können, welche würden dir am meisten fehlen?
Ich mache den ganzen Spaß ja hauptsächlich für meine Fotos. Denn viele Daten habe ich auch auf dem Desktop-PC. Der letzte Laptop-Crash ist ja erst 14 Monate her. Meine E-Mails wäre auch prima.
Ich merke aber auch, dass ich letztlich auch auf die Daten verzichten könnte.

Was genau ist eigentlich passiert?
Ich schrieb es ja schon: Ich habe den Laptop auf den Boden geworfen, weil ich mich über den monsieur geärgert habe. Was war weder hoch noch mit viel Schwung, aber genug, dass der Bildschirm einen Totalschaden hat und die Festplatte mechanisch beschädigt wurde. Die abgebrochene Verkleidung des DVD-Laufwerks war da noch das geringste Problem.

Und wie geht es weiter?
Seit zwei Wochen suche ich ein neues Laptop. Das ist gerade nicht so einfach. Irgendwie habe ich beim letzten Rechner ein ziemlichen Schnapp gemacht. Was da alles drin ist war für den Preis, den ich gezahlt habe. Wenn ich nur annähernd das wieder haben will, muss ich den gleichen Preis zahlen. Ansonsten muss ich Abstriche bei der Festplattengröße, Prozessor oder Grafikkarte machen.
Aber so langsam hat sich ein Favorit herauskristallisiert.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück und Spaß mit dem neuen Rechner.

Keine Hebammen mehr, was dann?

Der Hebammenblog weitet den Protest – wobei mir das Word Protest eigentlich zu schwach ist – ganz richtig auf die Eltern aus. So sehe ich das auch.

Aber es muss darüber hinaus gehen!

Auch Ärzte, v.a. Gynäkologen und Pädiater, sollten auf die Barrikaden gehen. Denn mal ganz ab von der noch total unklaren rechtlichen Situation bei der Geburt (Hebamme muss, Arzt kann), werden es die Ärzte sein, die zukünftig auffangen müssten, was die freien Hebammen leisten – Vorsorge und vor allem Nachsorge!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ärzte wirklich darauf erpicht sind, das zu leisten bzw. dass sie das in dem Umfang leisten können, wie es die Hebammen tuen. Dafür ist gar nicht die Zeit zwischen all den „normalen“ Patienten.

Und ehrlich gesagt frage ich mich, welche frisch Entbundene gesteigertes Interesse daran hat, sich für die Nachsorge oder Stillberatung Stunden mit dem Frischling in irgendein überfülltes Wartezimmer zu setzen.

Die Alternative werden Nachsorgezentren in Krankenhäusern sein, wo man sich zu bestimmten Zeiten hinbegeben darf. Kann ein Milchstau wirklich einen Tag warten? Will ich mit dem Säugling wirklich zwischen all den anderen Müttern, Kindern, (Krankenhaus-)Keimen warten? Welche Frau ist denn wirklich schon so schnell wieder fit, dass sie im Wochenbett (das heißt nicht grundlos so) problemlos zu irgendwelchen Nachsorgeterminen wackeln kann und will?

Dieser mögliche wahrscheinliche Wegfall der Hebammen-Berufshaftpflicht bedeutet so viel – gesellschaftlich, rechtlich, persönlich. Es muss was getan werden!

Die spinnen doch!

Nein, nicht die Römer, sondern die Datenrettungsfirma, die meine Festplatte als erste bekommen hat. Von wegen Sonderpreis!

Klar ist es erfreulich, dass die mir schreiben, dass meine Daten gerettet werden können. Aber dafür zahle ich nicht jeden Preis.

Das günstigste Angebot belief sich auf knapp 2.000 Euro. Und dann hätte die drei bis acht Wochen für die Datenrettung gebraucht. Was machen die in der Zeit? Die bits und bytes einzeln von der Festplatte kratzen?

Auf meine Rückforderung der Festplatte ohne Datenrettung bekam ich ein neues Angebot: 1.100 Euro, aber immer noch in gefühlten fünf Jahren.

Nein, nein, nein!

Ich will einfach nur meine Festplatte zurück und zu wem anderes schicken. Da habe ich nämlich Angebote von definitv unter 1.000 Euro (und deutlich schneller). Das ist zwar noch eine ganze Stange Geld, aber das sind mir meine Trillionen Fotos wert – sonst habe ich sie ja nirgends. Von 2013 habe ich noch kein Backup gemacht, weil ich ja immer noch am Editieren dran war nicht alle Fotos bearbeitet hatte.

Zeig uns Deine Stadt – Februar

Es ist etwas kompliziert so ohne eigenes Laptop, aber wenigstens habe ich noch so einen uralten Desktop-PC, auf dem ein Bildbearbeitungs-Programm ist und mit dem ich auch ins Internet komme. Für das „Zeig uns Deine Stadt„-Projekt der Shootingqueens scheue ich keine Mühen 😉

Also kommt mit auf eine kleine Tour durch mein Viertel:

Wie schon beschrieben ist hier noch einiges an (ur-)alter Bausubstanz vorhanden und erhalten. Das kann man an den (meisten) Fenstern ziemlich gut sehen:

Erstmal ein moderner Vertreter mit viiieel FensterIMG_3050_wIMG_3057_wIMG_3060_wHach, wenn ich das nötige Kleingeld hätte…  (das Haus steht leer)
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IMG_3065_wAlt und Neu
IMG_3070_wIMG_3075_wIMG_3079_wFenster des alten Rathauses
IMG_3080_wEin kulinarische Instanz hat natürlich auch schöne Fenster
IMG_3083_wIMG_3087_wIMG_3088_wIMG_3089_wIMG_3091_wIMG_3093_w
IMG_3094_wIMG_3096_wDas moderne Gemeindehaus
IMG_3100_wIMG_3101_wEin Architekt, der nichts weiß, malt ’nen Kreis.
IMG_3102_wDas Viertel-MuseumIMG_3109_wIMG_3110_wIMG_3111_wIMG_3112_wIMG_3097_wJa, Fensterläden dominieren die Fenster meines Viertel. Das hat schon was. Auch wenn ich persönlich die Krise bekäme, weil es nicht dunkel genug würde. Nett auch die kleinen Details an den Fensterläden, wie zum Beispiel das hier:
IMG_3103_wEin paar Türen gibt es auch (ist schließlich nicht das Viertel der Schildbürger)

IMG_3052_w Auch Zweckbauten gibt es, wie das Sozialrathaus IMG_3064_w IMG_3067_w IMG_3068_w IMG_3073_w Davon gibt es auch mehrere: die alten Tore, durch die früher noch die Kutschen passten IMG_3074_w Der Eingang des alten Rathauses IMG_3081_w IMG_3084_w IMG_3095_w Eingang zum Viertel-MuseumIMG_3107_wIMG_3113_wUnd bei diesen Fotos konnte ich Tür und Fenster nicht trennen.

IMG_3066_w IMG_3061_wSo, ich hoffe, Ihr seid nicht erschlagen von all der Bilderflut. Vielleicht mache ich aber trotzdem noch eine Tour und schaue mir mit dem Tele die Fassaden der Hochhäuser genau an.

Mistverständnis

Die ganze letzte Woche stand eine große Armada dieser kleinen Wesen vor dem Eingang des Bürogebäudes, in dem ich bis Freitag meinen Arbeitsplatz hatte.

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Da die drolligen Kerlchen bei Wind und Wetter da standen, habe ich einen adoptiert.

Zu Hause wurde er gleich vom mini-monsieur in Beschlag genommen und in diverse Geschichten integriert.

Gestern weckte er mich nahezu panisch: „Wo ist das Wesen mit den zwei Ohren?“
Ich war noch gar nicht ganz wach und murmelte, um mich zu sortieren: „Das blaue mit den Glupschaugen?“

Statt einer Antwort suchte das Kind und drückte mir kurz drauf den blauen Kollegen fast ins Auge: „Da, Mama, schau: vier Ohren, Stachel und LUTSCHaugen.“

Mütter, macht mobil!

Mütter und vor allen Frauen, die noch Mama werden wollen, kümmert euch! Mobilisiert Euch! Tut Euch zusammen!

Seit Jahren passiert etwas Erschreckendes. Nicht völlig unbemerkt, aber wie es scheint nicht ausreichend beachtet:

Die freien Hebammen sterben aus!

Und das ist schlimm! Jede, die schon ein Kind (oder mehrere) bekommen hat, weiß, welchen Wert eine Hebamme für die Frau, das Ungeborene, die frisch Entbundene und das Neugeborene hat.

Ich bzw. wir hatten das Glück, dass 2009 die Haftpflichtversicherung für freie Hebammen, die auch entbinden, noch erschwinglich war. Denn so konnten wir die Schwangerschaft, die Geburt des mini-monsieur und das Wochenbett von einer Beleghebamme begleiten lassen.

Eine Beleghebamme ist eine feine Sache, denn sie ist für einen da. Man lernt sich deutlich vor der Geburt kennen, sie begleitet die Geburt (egal, wie lang sie dauert) und wird von ihr auch noch im Wochenbett betreut. Also jemand, die weiß, wie die Schwangerschaft und die Geburt verlaufen sind und wie frau tickt.

Wir hatten uns damals auch aus einem sehr pragmatischen Grund für eine Beleghebamme entschieden: Ich wollte eine Hebamme bei der Geburt dabei haben, die auch Französisch spricht, die dem monsieur Dinge erklären kann, ihn beruhigen kann. Denn ich hatte die Befürchtung, dass ich unter Wehen nicht mehr Willens wäre, meine Muttersprache zu verlassen.

Und so war es auch. Denn das Letzte, was ich dem monsieur während der Geburt und bevor der mini-monsieur dann da war, sagte, war: „Ferme ta gueule!“ Also ein überaus liebevolles „Halt die Klappe!“ als er irritiert auf mein Tönen während des Wehensturms reagierte. Danach übergab ich an meine Hebamme: „Sag ihm, dass das alles so richtig ist und dass ich so laut sein darf.“ (Dass zu guter Letzt die diensthabende Ärztin zweisprachig Französisch-Deutsch war, konnte ja keiner ahnen.)

Einige in meinem Umfeld hatten sich damals auch für eine Beleghebamme entschieden und ich kenne kein Paar, das nicht froh war, sich so entschieden zu haben.

Doch ich will jetzt keiner Frau, die noch Kinder bekommen will, den Mund allzu wässirg machen, denn: Es gibt so gut wie keine Beleghebammen mehr.

Seit Jahren steigen und steigen die Haftpflichtversicherungsbeiträge (mehr). Einen Ausgleich über die Vergütung findet nicht statt. Im Gegenteil, die Hebammen müssen immer wieder dafür kämpfen, dass „das bisschen Arbeit“ an Mutter, Vater und Kind überhaupt anerkannt wird (mehr).

„Das bisschen Arbeit“ ist nämlich eine ganze Menge, aber vor allen Dingen: Ruhe, Zeit und Erfahrungen jenseits von Aparaten. Ich fand es faszinierend, dass meine Hebamme ohne Ultraschall die Lage des mini-monsieurs genau ertasten konnte. Meine Hebamme war es auch, die immer wieder sagte, dass der mini-monsieur zwar groß – also lang – aber nicht sonderlich dick sei. Während mir nach jedem Ultraschall gesagt wurde, dass der mini-monsieur ein ganz schöne Brocken würde. Noch im Krankenhaus kurz vor der Geburt hieß es: mindestens 4.000g. Meine Hebammen sollten Recht behalten (3.425 g auf 54 cm).

Meine Hebamme ist zu uns nach Hause gekommen. Sie hat gewogen, geguckt, untersucht und beraten. Sie hat sich Zeit genommen, war stets erreichbar. Sie hat Tipps gegeben ohne Recht haben zu wollen, hat weitergegeben, was sich Hebammen seit Jahrhunderten an Wissen angeeignet, erweitert und angepasst haben.

Doch mittlerweile hat sich die Situation so zugespitzt, dass es – wenn sich nicht schnell was ändert – bald noch nicht einmal mehr eine Haftpflichtversichtung geben wird, die Hebammen aufnimmt (mehr).

Das würde das Aus für die freien Hebammen bedeuten.

Das würde das Aus für eine Schwangeren- und Wochenbett-Betreuung ohne Zeitdruck bedeuten

Das würde – gerade mit Blick auf die Nachsorge – das Aus für einen sanften und tollen Start ins Leben bedeuten!

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Mehr dazu:

Ich würde hier gerne noch mehr Texte zum Thema verlinken – sehr gerne auch Eure persönlichen Erfahrungen. Also schreibt, schreibt! Es wäre toll, wenn eine Sammlung entstehen könnte, die – jenseits von sachlichen Petition und Politikgefasel – zeigt, welchen ideellen und emotionalen Wert die Hebammenarbeit hat und dass wir – in Deutschland – es uns nicht leisten können, darauf zu verzichten.

Teilt gerne den Text! Macht mobil!