Warum

Seit klar war, dass wir wieder nach Frankfurt zögen, rätselte ich darüber, warum ich mich so sehr darüber freue, Hamburg zu verlassen. Beziehungsweise warum ich – anscheinend – mit Hamburg als Wohnstadt nicht warm wurde.

Vor ein paar Tagen dämmerte es mir dann:

Egal, wo ich mich in Frankfurt aufhalte, ich merke/ sehe, dass ich gerade in Frankfurt bin. Denn entweder sieht man die Skyline oder zumindest Teile davon, oder man sieht – auf jeden Fall, wenn nicht gerade irgendwelche Vulkane ausbrechen – Flugzeuge.

In Hamburg waren Elbe, Hafen, Alster, Reeperbahn, Schanze, Fischmarkt, Blankenese, Altona und Winterhude (für uns) zu weit weg, um ein Gefühl aufkommen zu lassen, dass man in der zweitschönsten* Stadt Deutschlands wohnt.

 

* Ich schwanke, ob ich sie – für mich – nicht sogar auf den dritten Platz nach Frankfurt und Berlin setzen soll.

Liebes Tagebuch am Fünften (Oktober)

Ob dieser Fünfte nun ein Samstag ist oder nicht, ist bei uns egal. Vorgestern war Feiertag und aufgrund des Umzugs habe ich frei und so fühlt sich die ganze Woche irgendwie schon wie Samstag an.

Der mini-monsieur war gestern auf dem Rückweg von Möbelschweden im Auto eingeschlafen und hat im Erwachsenenbett (ins noch weiter erhöhte Hochbett bekommen wir ihn nämlich schlafend nicht mehr) weitergepennt. Und gepennt und gepennt. Die Woche war ziemlich viel für ihn. Da dürfen auch mal 13 Stunden Schlaf am Stück drin sein, die jedoch jäh um

8h00 beendet werden, weil eben 13 Stunden Schlaf auch ihren blasentechnischen Tribut zollen. Blöderweise wird das Kind erst wach, als es schon zu spät und das Bett nass ist. Ich werde auch nur wach, weil das Kind nahezu panisch schreit „une fuite“. Auf Autopilot ziehe ich das Bett ab, versorge die Matratze mit entsprechenden Renigungsmitteln und überlege, wo ich richtig wach werden kann. Das Wohnzimmer – oder zumindest das, was es irgendwann mal werden soll – ist vom monsieur belegt. Bedingt durch Ausgang und Kind im Erwachsenenbett musste er auf dem Sofa schlafen. Also tapern das Kind und ich um

8h20 ins Kinderzimmer und erklimmen das Hochbett. Während ich noch so döse, guckt sich der mini-monsieur ein Buch nach dem anderen an und stapelt sie neben mir. Und weil die 90er Matratze noch nicht voll genug ist, holt er auch noch sein Kinderkücheninventar hoch.

8h50 Ich werfe einen ersten Blick Richtung instagram und fb.

8h55 Mein Handy erinnert mich, dass es heute bei li*ang* N*tur*no-Winterstiefel günstiger gibt. Gleichzeitig ruft der kleine Bruder an, um sich zu erkundigen, ob wir unseren Umzug bis dato gut überstanden haben. Da der mini-monsieur Telefonieren und den Onkel sehr liebt, dauert es etwas, bis ich endlich die Winterstiefel-Bestellung aufgeben kann

9h35 Bestellung abgeschlossen. Das Kind hat jetzt sofort Hunger. Also ziehen wir uns schnell an.

9h55 Auch wenn es regnet, geht es los zum Brötchenholen. Der mini-monsieur an meiner Seite tut so, als würde er einen qualvollen Hungertod leiden. 150 Meter können seeeehhhr lang sein.

10h15 Ich würde dem monsieur ja gerne anbieten im Schlafzimmer seinen Schlaf fortzusetzen, aber die Matratze ist ja nicht benutzbar. Also muss er damit leben schlafen, dass das Kind und ich im Wohnzimmer frühstücken.

10h55 Gut gestärkt mache ich mich ans Werk: Einbauschrank im Schlafzimmer weiterputzen. Mein Drittel fehlt noch. Wenn ich sehe, wie schwarz das Wasser ist, das ich wegschütte, frage ich mich, ob unser Vormieter die Einbauschränke überhaupt jemals geputzt hat.
Der Schrank ist wieder weiß. Ich kann endlich meine Klamotten einräumen. Endlich kein Gesuche mehr in Koffern und Reisetaschen.

12h30 Der monsieur ist wach und mit mehr als einem linken Bein zuerst aufgestanden. Er bricht einen Streit um den Hund vom Zaun. Zum Glück geht er mit ebendiesem – also dem Hund – raus. Ich bin ziemlich genervt… Ich rege mich ab, indem ich mit dem Kind spiele.

12h55 Nutze die Energien produktiv und falte Wäsche, sortiere Wäsche, werfe eine neue Maschine an. Der monsieur kommt zurück und murmelt sowas wie eine Entschuldigung. Ich bin immer noch genervt.

13h30 Die Wogen sind geglättet. Die Wohnung will weiter bewohnbar gemacht werden. Der monsieur kümmert sich erstmal ums vierte Zimmer. Zur Zeit ist es noch Abstellraum – alle Kisten, die in den anderen Räumen im Weg stünden, lagern dort. Genauso wie diverse Möbel. Doch jetzt müssen ein paar Kisten raus, um endlich die Schränke aufzustellen. Als die Schränke stehen, können auch die leeren Umzugskisten in das Zimmer. Dadurch kann auch endlich der überflüssige Schrank aus dem Kinderzimmer und das Kind hat so endlich das Zimmer für sich.
Wir rödeln, schieben, packen aus und packen um, richten aus, schrauben an und wieder ab. Zwischendurch diskutieren wir immer wieder, dass wir eigentlich noch unbedingt einkaufen müssen. Bis wir endlich loskommen, ist es tatsächlich schon

19h15 Der eine Supermarkt fällt aus, weil er schon um 20 Uhr zu macht. Die beiden anderen fußläufig erreichbaren haben zum Glück bis 22 bzw. 24 Uhr auf. Jippiiee, endlich wieder einkaufen ohne Auto… Dem Kind und uns tut die Bewegung gut.

20h30 Wieder zu Hause, wird direkt gekocht: Nudeln mit Carbonara-Soße. Lecker…

??h?? Keine Ahnung, wie spät, aber etwas zu spät schläft der mini-monsieur endlich kein. Auch der monsieur und ich sind ziemlich müde und k.o.

Mehr Fünfte gibt es wie immer bei Frau Brüllen.