Liebes Tagebuch am Fünften (September)

Frau Brüllen’s spannende Aktion geht weiter. Wer noch so alles am Fünften bloggt, findet man bei ihr.

0h00 Ich beginne den Tag mit den Nachrichten von gestern und schlafe dabei fast ein.

1h30 Aufgeschreckt von was auch immer, habe ich Bilder von so einen fiesen Film vor Augen. Die Schlafcouch bei meinen Freunden steht frei im Raum und mir ist kurzfristig nicht ganz wohl, von beiden Seiten angreifbar zu sein. Ich hätte gerne einen geschützten Rücken. Schlafe irgendwie wieder ein.

6h55 Deutlich vor der Zeit werde ich wach, weil die Kinder meiner Freunde schon putzmunter sind. „Schön, dass der mini-monsieur ein Langschläfer ist“, denke ich noch, bevor ich wieder eindöse.

7h30 Der Wecker geht das erste Mal. Bei meinen Gastgebern herrscht noch reger Trubel, sodass ich mich noch nicht aus „meinem“ Zimmer wagen muss. Ich habe noch Zeit. So können die vier ihrer Morgenroutine nachgehen.

8h05 Alle aus dem Haus. Ich gehe duschen, rufe die messieurs an, mache mich parallel fertig. Der mini-monsieur ist nicht sonderlich erfreut, dass ich immer noch in Frankfurt bin. Es beruhigt ihn allerdings, dass ich heute abend wiederkomme.

8h30 Bald muss ich los, eigentlich will ich den messieurs nur noch „Tschüss“ sagen, da beißt der mini-monsieur den monsieur aus lauter Übermut Frust. Mein Abflug verzögert sich um erzieherische Minuten.

8h40 Jetzt aber schnell los. Zum Glück ist in Frankfurt alles so nah beieinander, dass ich selbst zu Fuß noch pünktlich komme. Unterwegs ein Blick ins Smartphone: WIDERLICH, was manchen Menschen Hirnlosen einfällt und sie es dann auch noch umsetzen. Kein Wunder, dass der Wahl-O-Mat mit diesen Idioten die geringste Übereinstimmung ausgespuckt hat.

9h00 Ankunft im Büro. Erstmal ein paar private Orgasachen erledigen. Denn der Umzug ist fix. Gestern mit dem Umzugsunternehmen meinen Wunschtermin klargemacht. Jippiieee, ab 1.10. sind wir wieder Hessen. Dafür schnell den Auftrag an die Spedition gefaxt. Dann noch schnell für den Festnetz-Anschluss den Umzug angekündigt. Irgendwie wäre es ja lustig, wenn wir unsere alte Frankfurter Nummer wiederbekämen könnten. Ich vermute aber, dass sie nach 1,5 Jahre weg ist.

10h00 Jetzt muss ich mich meiner Arbeit widmen. Heute soll noch ein Konzept raus und ein weiteres muss bis morgen fertig sein. Dienstag ist Präsentationstermin beim Kunden. Bin ein bisschen aufgeregt, da ich das erste Mal in Englisch präsentieren muss…

10h30 Ich werde aus meiner Recherche gerissen. Die Mutter der Agentur Finanzdirektorin ruft mich an und ermahnt mich, dass ich dringend und sofort meine Studen für August nachtragen muss. Sonst gibt’s einen Eintrag in der Personalakte. Ui. Das war mir neu. Also erstmal keine Konzepte sondern Fleißarbeit 😦

12h20 Später als üblich geht’s zum Mittag. Dafür sind die August-Zeiten eingetragen und abgeschickt. Puhhh. Ich muss mir was Essbares besorgen. Der Caterer kommt vorerst nicht mehr. Aber zum Glück gibt es viele Optionen in Laufnähe des Büros.

13h15 Wieder am Platz briefe ich erst die hilfsbereite Kollegin, die was für das eine Konzept machen möchte. Dann muss ich meinen ersten selbst-überzeugten Kunden anrufen. Noch schnell das Telefonat per e-Mail protokollieren und dann ran an das andere Konzept. Ich ärgere mich über meinen Trainee ob der schlechten Vorbereitung des Material. Sie hat viel vorrecherchiert. Aber wesentliche – und vorab besprochene – Aspekte fehlen. Ich wurschtel mich durch die Infos, packe sie gleichzeitig übersetzend in die Präse. Das wird noch ganz viel Arbeit… Vermute, dass ein Teil meines Wochenendes leiden muss.

15h30 Die hilfsbereite Kollegin verschwindet in ihren Teilzeit-Feierabend und überlässt mir die eine Präsentation, die heute raus muss. Ich prüfe, was sie emacht hat, kürze, ergänze und dann kann das gute Stück um

16h45 raus. Sollen sich doch jetzt die italienischen Kollegen damit rumschlagen. Ich sortiere noch meine Unterlagen und Gedanken, schmeiße mein Zuggetränk in den Tiefkühler. Aus irgendwelchen Gründen will der Rechner nicht runterfahren.

17h15 Jetzt MUSS ich los, wenn ich stressfrei zum Bahnhof kommen will. Komme zum Glück genau passend an der Haltestelle an. In Frankfurt ist das nicht wie in Hamburg, wo alle paar Minuten eine Bahn kommt. Hier herrscht noch kleinstädtische Ordnung ÖPNV-Taktung. Mit dieser Straßenbahn-Linie kann man auch Sightseeing machen: Von Fechenheim, durchs Osthafenviertel und über Allerheiligen Tor, am Römer vorbei bis zum Bahnhof und noch weiter. Man sieht Neues, Altes, Typisches und auch nicht so schöne Ecken von Frankfurt (was man dem ein oder anderen Mitfahrer auch ansieht).

17h40 Rechtzeitig am Bahnhof angekommen. Überlege, ob ich mir noch was zu essen hole oder nicht. Aber ohne Hunger und mit Banane im Gepäck ist nix da, was mich anspricht. Auf Sushi hätte ich Lust. Aber das gibt’s nicht. Also bummel ich in Ruhe zum Gleis und freue mich, dass ich reserviert habe. Aber dieser Zug ist ja immer voll.

18h02 Der Zug fährt mit vier Minuten Verspätung ab. Die Ankündigung muss auch nicht sein. Aber das ist vielleicht Service. Wobei ich gerade feststelle, dass der Strom-Service aka Steckdose nicht funktioniert. Also Handy auf Flugzeugbetrieb und alles Apps aus.
Blöd ist, dass ich so keine Musik hören kann beim Arbeiten. Ich lese, tippe, mache handschriftliche Notizen (weil kein Internet), ärgere mich wieder über die schleche Vorarbeit und frage mich gleichzeitig, ob meine Anweisungen zu missverständlich waren oder ob ich meine Trainee überfordert habe. Sie wollte Verantwortung. Dann erwarte ich, das sie übernommen wird.

19h30 Genug gearbeitet – nicht wirklich, aber im Zug denkt es sich nicht so leicht. Immer noch blöd, dass ich keine Musik hören kann und auch kein Buch mitgenommen habe. Also vergnüge ich mich mit der „mobil„. Lese ein Interview mit Roland Emmerich und denke hier und da „ach, das wusste ich gar nicht“. Wie auch? Ich bin ja nicht Zielgruppe für seine Filme. Dann schnappe ich mir meinen Block (also den haptischen) und setze meinen Tagebucheintrag per Hand fort.

20h00 Eine Zigarettenrauch-Wolke weht auf einmal mit aller Macht durch den Wagen. Da hat wohl wer auf der Toilette geraucht…

20h10 An mir zieht gerade eine schöne Landschaft vorbei: kleine Seen, sanfte Hügel und eine Windradpark vor einem Sonnenuntergang. Im Nirgendwo zwischen Göttingen und Hannover gibt’s das noch – viel Gegend mit sonst nichts.

20h15 Ich schnappe mir noch mal die „mobil“ und lese so ziemlich alles, was nach Buchstaben aussieht. Wusste gar nicht, dass es sowas hier gibt.

21h00 Aus lauter Langeweile beschäftige ich mich auch noch mit den „mobelino“-Seiten.

21h25 Eine Durchsage, dass der Zug 6 Minuten Verstätung hat. Ich frage mich allerdings, warum das nur den Reisenden mitgeteilt wird, die des Deutschen mächtig sind. Alle anderen erfahren nur, dass der Zug „in a few minutes“ am nächsten Bahnhof ankommen wird. Immerhin bedankt sich die Bahn auch bei diesen Gästen „for choosing Deutsche Bahn today“.

21h30 Kurz vor Harburg gibt es ein Lichterfeld (ich vermute irgendein Container-Umschlagplatz) mit ganz vielen, ganz geometrisch angeordnetet Laternen. Das sieht spannend aus. Leider ist mein Handy leer. Aber selbst wenn, ist auch die Reaktionszeit zu lahm. Aber es gäbe ein tolles Foto.

21h35 Abfahrt aus Hamburg-Harburg mit acht Minuten Verspätung. Da müssen die messieurs am Hauptbahnhof etwas auf mich warten. Ich genieße den Anblick des nächtlichen Hamburgs. Zum Glück habe ich einen Fensterplatz auf der „richtigen“ Seite (Fahrtrichtung rechts). So kann ich auf die durch den Hafen illuminierte Elbe und das beleuchtete Spiegel-Gebäude gucken. Ach, Hamburg ist schon schön…

21h45 Es ist erstaunlich mild in Hamburg. Oben auf der Süd-Galerie warten die messieurs. Nach der langen Zeit allein mit Papa in Frankreich ist es für den mini-monsieur nicht leicht, meine Pendelei zu ertragen. Zum Glück ist das ganz bald vorbei!
Der Lütte will unbedingt meinen Koffer ziehen und sieht ganz lustig aus mit dem roten Trolley, der fast so hoch ist wie er selbst.

22h10 An der heimatlichen Bahnhaltestelle lockt das goldene M mit Pommes, Burgern und Eis. Spätes Abendessen für meine Hüften mich und später Nachtisch für die messieurs. Wir picknicken in der milden Hambuger Nacht.

22h45 Wir sind endlich zu Hause. Der mini-monsieur wird bettfertig gemacht, es werden zwei Geschichten vorgelesen und dann schläft er recht schnell ein. Dabei flüstert er noch ein paar mal „Mama, ich hab Dich vermisst“ und „Ich liebe Dich“ – da lohnt sich das Am-Bett-Stehen-Müssen.

23h25 Kind schläft und ich bin auch k.o. Beim Zappen bleibe ich auf vox hängen. Dieser Mode-Zirkus ist nicht meins. Aber spannend zu beobachten. Die Nachrichten schließen sich an und irgendwie ist „Der Teufel trägt Prada“ auch interessant. Aber eigentlich bin ich müde und trolle mich Richtung Bett, wo der monsieur schon wartet. Kurz vorm Einschlafen fällt uns noch ein, dass der mini-monsieur morgen gar keinen Kindergarten hat. Und da ich auch home-office machen werde, müssen wir morgen früh keinen Stress machen. So schlafen wir entspannt ein…

Ein Gedanke zu „Liebes Tagebuch am Fünften (September)

  1. Lange Tage hast Du, Madame! Und interessant mitzulesen.
    Grüße zu Dir da
    Nike
    (Brauchste noch Schachteln? Konnte hier inzwischen 7 Umzugskisten & vier Bananenkartons zählen)

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