In die (Anti-)Lobby, bitte

Vor ein paar Jahren lief der Film „Thank you for smoking„. Ein kleiner, feiner Film, den ich zusammen mit zwei Kolleginnen ansah. Und während ich mich amüsierte und mich über den vielleicht wahrscheinlich sehr pointierten Blick auf meine Branche freute, war eine Mitguckerinnen pikiert: Sie fühlte sich und unseren Berufsstand falsch verstanden. Und man könnte das ja nicht vergleichen. Immerhin arbeiten wir für die „Guten“ – also nicht für so was Fieses wie Tabak, Alkohol oder Waffen. Sondern für Dinge, die gesund machen oder dabei helfen (können). Aber ganz ehrlich: Nur weil die Arbeit, die ich mache vielleicht wirklich etwas dazu beiträgt, dass es Menschen besser geht oder sie zumindest informierter mit ihrer Krankheit umgehen können, ist sie trotzdem nichts anderes als Lobbyarbeit* getarnt im Mäntelchen der „Awareness-Kampagne“.

Wie ich auf das Thema gerade komme?!

Auf fb mach mal wieder ein uralter hoax die Runde. Den Hoax selbst gibt es mindestens seit 2004. Mit der Zeit sind neue, falsche Daten dazugekommen. Es werden Behauptungen verbreitet, die Stimmung machen. In diesem Fall eine sehr negative Stimmung gegen ein großes Unternehmen.

Es findet eine Stimmungsmache, eine Mobilisierung der Massen statt, die ich mir (nicht nur) als PR’lerin für das ein oder andere „wichtigere“ Thema wünschen würde. Eine Stimmungsmache, die auf einen so extrem fruchtbaren und unreflektierten Boden trifft, wie ihn kaum ein Lobbyist vorfindet.

Ohne nachzudenken und ohne sich auch nur einmal die Mühe zu machen, Belge für die Behauptungen zu suchen, wird der hoax verbreitet.

Verbreitet, um bewusst Stimmung zu machen gegen einen „Großen“. Einen, der das ab kann, der das nicht besser verdient hat. Jeder sachliche Gegenbeweis in den Kommentaren führt zu einem „Aber…“ oder auch ganz einfach einem „Maulkorb“ im Stile „Wenn Du dagegen bist, brauchst Du gar nicht zu kommentieren.“**

Verbreitet von Menschen, die sich für aufgeklärt halten, die unsere Gesellschaft in Frage stellen, unsere Lebensumstände diskutieren, bestimmte Lebensweisen kritisieren und die Gesellschaft verändern wollen (naja, zumindest drüber sprechen).

Verbreitet von Menschen, die sich für aufgeklärt halten, die den bösen, bösen Lobbyismus, der immer und überall versucht, Interessen durchzubringen, andere zu beeinflussen und –  ja, genau – Stimmung zu machen, kategorisch ablehnen.

* Ich rede hier vom alt hergebrachten Sinn des Lobbyismus. Also die Einflussnahme von einzelnen Interessensgruppen auf Politik und/ oder Öffentlichkeit. Heute hat Lobbyismus ja fast ausschließlich eine politische Konnotation.

** Ich bin ganz irritiert, dass der Link zur Stellungsnahme des Unternehmens noch in den Kommentaren ist.

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