Liebes Tagebuch am Fünften (August)

Ach, ist schon wieder der Fünfte? Frau Brüllen ist ja extra aus dem Urlaub wiedergekommen, damit ihre Aktion ihren gewohnten Gang gehen kann.

Eigentlich wäre heute ein Hamburg-Tag. Aber die messieurs weilen immer noch in Frankreich. Daher bin ich gestern abend schon nach Frankfurt gefahren. Ich bin gerne vor Ort bei den Kollegen. In Hamburg bin ich zwar auch nicht allein. Aber der Standort macht halt keine PR.
Aber weil meine Männer noch in der zweiten ersten zweiten erstenParallel-Heimat sind und es da so warm ist, dass ein südeuropäischer Tagesrhythmus angesagt ist, beginnt der Tag um

0h05 mit einem Gute-Nacht-Telefonat, das damit endet, dass der mini-monsieur um

0h17 am Telefon einschläft, während wir noch Gute Nacht sagen. Ich tausche noch kurz mit dem monsieur Nachrichten aus und falle um

0h35 selbst ziemlich müde ins Matratzenlager bei meinen Freunden. Ach, was freue ich mich, wenn ich ab Oktober wieder in Frankfurt in meinem Bett schlafen kann und dieses Nomadenleben ein Ende hat. Ich könnte anfangen, die Tage zu zählen.

6h11 Von irgendwelchen Geräuschen schrecke ich hoch mit der Befürchtung, verschlafen zu haben. Da dem nicht so ist, drehe ich mich noch einmal um und schlafe bis

7h30 weiter. Nach zweimal Snoozen stehe ich auf, dusche, mache mich fertig und verlasse um

8h15 die befreundete Wohnung. Auf der Suche nach einem Call-a-bike gehe ich noch kurz bei der Apotheke (ich habe da so ein beginnendes Klitschauge) und beim Bäcker vorbei. Glücklicherweise finde ich schnell, wenn auch etwas versteckt ein Fahrrad und düse los. Nachdem ich letzte Woche lernen musste, dass ich in Frankfurt die Bikes NUR an Stationen kostenfrei abestellen darf, fahre ich also nur bis zu nächsten an meiner Arbeit.

8h40 Das Fahrrad steht, wo es stehen soll/ darf/ muss, und ich gehe die restlichen 800 Meter zu Fuß.

8h50 Ankunft im Büro, Rechner an, Kaffee machen, Hörnchen buttern, Mails checken. Um die Neu-Geschäft-Anfrage aus Italien werde ich mich nach dem Morgenkreis Montags-Meeting kümmern. Die Kollegin die nicht nur neben mir sitzt, sondern auch mit mir arbeitet, kommt nicht.

9h30 Ab in die Besprechung. Jeder erzählt, was Wichtiges anliegt oder anlag. Bei mir ist gerade ein kleines Sommerloch. Ansprechpartner sind im Urlaub, Projekte noch nicht richtig angelaufen. Offen gestanden bin ich noch nicht so ganz ausgefüllt. Aber das wird schon – hoffe ich.

9h55 Alle wieder am Platz und arbeiten – oder so tun als ob 😉

12h00 Bis jetzt habe ich meine Stunden nachgetragen und Informationen ausgedruckt. Heute nachmittag steht noch eine Telefonkonferenz an. Doch nun rufen einige Kollegen und der Hunger. Anfangs fand ich ja 12h00 zum Mittag etwas früh. Aber nach einem Monat hat sich meine innere Uhr schon gut gewöhnt.

13h00 Essen beendet. Diesen Artikel etwas fortgesetzt. Nun aber in medias res 🙂

17h00 Zeit für die Telefonkonferenz. Die Einwahl funktioniert nicht, wie sie soll. Ein Hin-und-Her lässt meine Chefin fürchten, am ersten Tag nach dem Urlaub nicht pünktlich aus dem Büro zu kommen.

17h45 Ich spüre wieder dieses Phänomen der vermeintlichen Internationalität: Das Verständnis ist schon auf Sprachebene nicht 100%ig gegegben, da wird es nicht leichter, die Unterschiede der einzelnen Märkte zu verstehen. Mal sehen, was sich daraus entwickelt.

17h55 Mit meiner Wohnungsgeberin noch schnell die Einkaufsliste gecheckt. Werde gleich den Büro-Rechner runterfahren, zum RIESEN-Supermarkt nebenan hüpfen und einkaufen. Heute soll gegrillt werden.

18h45 Ich schaffe es irgendwie meine Einkaufstüte und meine Handtasche auf diesem etwas merkwürdigen Gepäckträger vom Call-a-bike zu befestigen. Der Weg zur Wohnung meiner Freunde ist der gleiche wie der zu unserer neuen Wohnung. Ich kann also schon mal trainieren (es geht berghoch) und testen, welcher Weg wohl am angenehmsten ist.

19h05 Im vierten Stock mit Sack und Pack angekommen (was bin ich froh, dass wir EG wohnen werden), mache ich mich gleich dran, den Inhalt der Einkaufstüte zu Salat zu verarbeiten.

20h30 Mit lecker Grillfleisch und Salat im Bauch werde ich Zeuge nicht so schöner Szenen einer Ehe. Manchmal würde man Menschen gerne schütteln.

21h30 Nachdem ich gestern schon zwei Folgen „homeland“ gucken musste/ durfte, geht es heute weiter. Ich bin noch nicht ganz so geflasht wie meine Freunde, wobei die Handlung interessante Wendungen nimmt.

22h45 Die zweite Folge des heutigen Abends tausche ich aber gegen ein Telefonat mit meinem Sohn. Wie üblich bekomme ich wilde Geschichten von Dino, Drachen und natürlich seinen Brudas (dieser ominöse unsichtbare Riesenclan macht mir langsam Angst) zu hören. Wir diskutieren, dass er nicht nach Frankfurt ziehen will. Dass ich hier arbeite, zieht nicht. Hamburg sei viel schöner und er würde mir eine neue Arbeit bauen (oder einer seiner Brudas). Ich mache mich schon mal auf ein wütendes Kind zwischen all den kommenden Umzugskisten gefasst.

Der mini-monsieur hat sich mittlerweile sehr gut akklimatisiert in Frankreich. Zuerst wollte er ja nicht dahin. Und Französisch sprach er ja eigentlich auch nicht (auch wenn er alles verstand und versteht). Aber das wird besser. Er spricht mit mir zwar immer noch fließend Deutsch und baut auch nur ganz selten französische Vokablen ein, wie, als er mir erklären wollte, warum sie unseren Hund nicht mit zum Onkel genommen hätten: „Unser Hund kurt* hinter der Katze.“ Doch vor Ort und mit den französischen Verwandten scheint es mehr zu werden mit dem Französisch. Obwohl er wohl schon spitz gekriegt hat, wer von denen Deutsch (verstehen) kann.

23h40 Das Gespräch mit den messieurs ist fast zu Ende, als mein Mutterherz einen fiesen Stich versetzt bekommt: Auf mein „Ich vermisse dich“, bekomme ich ein „ich vermisse dich nicht“ zu hören. Auch wenn ich weiß, dass es ein gutes Zeichen ist, tut das weh. Ich beende lieber das Gespräch, putze mir die Zähne, spring noch mal kurz unter die Dusche und beende diesen Tag.

Gute Nacht!

* So sprach er die deutsch konjugierte Form der französischen Vokabel „courir“ (laufen, rennen) aus. „court“ wäre tatsächlich richtig konjugiert, aber da er noch nicht lesen kann…

2 Gedanken zu „Liebes Tagebuch am Fünften (August)

    • Lieben Dank! Ich bin gespannt und werde wohl berichten 😉 Zwischendurch gibt es immer wieder Momente, wo Frankfurt wohl doch nicht so schlimm ist. Es bleibt spannend. Ich bin nur froh, dass wir auch schon gleich einen Kindergarten-Platz bekommen haben.

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