40 vor 40

Vierzig vor vierzig klingt ein bisschen wie fünf vor 12.

Tja, so langsam geht’s begrab. Noch bin ich ein bisschen von der 40 weg, aber ich bin ihr näher als der 30. Und als ich letztens Nikes ganzen blog nachlas, stieß ich auf ihren „Keine Dreißig vor 30„-Artikel.

Naja, diese Dreißig-Geschichte ist ja – wie erwähnt – passé. Obwohl, man sagt ja: Die 40 ist die neue 30. Und ganz ehrlich stimmt es für mich. Die 30 war für mich schon was besonderes. Also mein 30. Geburtstag. Aber nicht, weil ich die 30 so gefürchtet habe. Also nicht im Sinne: Oh, Hilfe, jetzt geht’s bergab. Sondern vielmehr: 30! Yeah! Jetzt geht’s los. Und das tat es auch…

Ein bisschen ist diese 40-vor-40-Liste natürlich auch ein Rückblick:

  1. ein Kind kriegen
  2. eine Sprache lernen
  3. ein Kind einschulen
  4. einen Roadtrip machen
  5. Irland wiedersehen
  6. ein großes Konzert besuchen
  7. Jobwechsel
  8. Stadtwechsel
  9. Wurzeln finden bzw. schlagen
  10. ein richtiges Sofa kaufen
  11. mehr für mich tun
  12. bunte Haare
  13. angeln gehen
  14. arbeitslos sein
  15. Fotografieren vertiefen
  16. bloggen
  17. kompromissbereiter sein
  18. ein Paar Doc’s
  19. Interrail
  20. kompromissloser sein
  21. einen Kindergeburtstag ausrichten
  22. eine Nacht durchtanzen
  23. in einer WG leben
  24. heiraten
  25. Studium abbrechen
  26. mit meinem Körper Frieden schließen
  27. Tattowierung
  28. Scheidung
  29. Kekse backen
  30. ein Friesennerz
  31. die Alpen mit dem Rad überqueren
  32. ehrenamtlich tätig sein
  33. nötige Versicherungen abschließen
  34. eine neue Sportart lernen
  35. fasten
  36. Campen
  37. eine Geschäftsidee entwicklen
  38. einen Hund haben
  39. vegetarischer essen
  40. nach Skandinavien reisen

Wie es um die Liste steht, könnt Ihr hier sehen.

In die (Anti-)Lobby, bitte

Vor ein paar Jahren lief der Film „Thank you for smoking„. Ein kleiner, feiner Film, den ich zusammen mit zwei Kolleginnen ansah. Und während ich mich amüsierte und mich über den vielleicht wahrscheinlich sehr pointierten Blick auf meine Branche freute, war eine Mitguckerinnen pikiert: Sie fühlte sich und unseren Berufsstand falsch verstanden. Und man könnte das ja nicht vergleichen. Immerhin arbeiten wir für die „Guten“ – also nicht für so was Fieses wie Tabak, Alkohol oder Waffen. Sondern für Dinge, die gesund machen oder dabei helfen (können). Aber ganz ehrlich: Nur weil die Arbeit, die ich mache vielleicht wirklich etwas dazu beiträgt, dass es Menschen besser geht oder sie zumindest informierter mit ihrer Krankheit umgehen können, ist sie trotzdem nichts anderes als Lobbyarbeit* getarnt im Mäntelchen der „Awareness-Kampagne“.

Wie ich auf das Thema gerade komme?!

Auf fb mach mal wieder ein uralter hoax die Runde. Den Hoax selbst gibt es mindestens seit 2004. Mit der Zeit sind neue, falsche Daten dazugekommen. Es werden Behauptungen verbreitet, die Stimmung machen. In diesem Fall eine sehr negative Stimmung gegen ein großes Unternehmen.

Es findet eine Stimmungsmache, eine Mobilisierung der Massen statt, die ich mir (nicht nur) als PR’lerin für das ein oder andere „wichtigere“ Thema wünschen würde. Eine Stimmungsmache, die auf einen so extrem fruchtbaren und unreflektierten Boden trifft, wie ihn kaum ein Lobbyist vorfindet.

Ohne nachzudenken und ohne sich auch nur einmal die Mühe zu machen, Belge für die Behauptungen zu suchen, wird der hoax verbreitet.

Verbreitet, um bewusst Stimmung zu machen gegen einen „Großen“. Einen, der das ab kann, der das nicht besser verdient hat. Jeder sachliche Gegenbeweis in den Kommentaren führt zu einem „Aber…“ oder auch ganz einfach einem „Maulkorb“ im Stile „Wenn Du dagegen bist, brauchst Du gar nicht zu kommentieren.“**

Verbreitet von Menschen, die sich für aufgeklärt halten, die unsere Gesellschaft in Frage stellen, unsere Lebensumstände diskutieren, bestimmte Lebensweisen kritisieren und die Gesellschaft verändern wollen (naja, zumindest drüber sprechen).

Verbreitet von Menschen, die sich für aufgeklärt halten, die den bösen, bösen Lobbyismus, der immer und überall versucht, Interessen durchzubringen, andere zu beeinflussen und –  ja, genau – Stimmung zu machen, kategorisch ablehnen.

* Ich rede hier vom alt hergebrachten Sinn des Lobbyismus. Also die Einflussnahme von einzelnen Interessensgruppen auf Politik und/ oder Öffentlichkeit. Heute hat Lobbyismus ja fast ausschließlich eine politische Konnotation.

** Ich bin ganz irritiert, dass der Link zur Stellungsnahme des Unternehmens noch in den Kommentaren ist.

Barlihn

Ich besitze derzeit (bis Ende August) einen Deutschland-Pass der Bahn. Allein fürs Pendeln ungemein entspannend. Ich brauche mir außer einer eventuell nötigen Sitzplatzreservierung keine Gedanken mehr machen, ob ich denn auch wirklich ganz sicher das richtige Ticket in die richtige Richtung habe.

Aber es wäre schade, diese BahnCard 100 auf Zeit nur fürs Pendeln zu nutzen. Die messieurs sind immer noch in Frankreich und in Hamburg möchte die Wohnung aufgeräumt bzw. ausgemistet werden für den Umzug. Perfekte Voraussetzungen für mich, Meisterin der Überprungshandlungen, etwas zu unternehmen.

Von Hamburg nach Berlin ist es nicht weit mit dem Zug. Das Elbe-Hochwasser hat auf der Strecke auch keinen Schaden angerichtet und so erreicht man die Hauptstadt in unter zwei Stunden.

Also auf-auf für ein Speeddate mit der Hauptstadt.

Am Samstag quäle ich mich morgens früh aus dem Bett. Der erste Zug ist mir etwas zu früh. Aber der zweite soll es schon sein. Kein Halt bis Berlin Spandau. Also noch mal Zeit zum Dösen bis ich um 8h42 am Berliner Hauptbahnhof aussteige und erstmal wieder die Architektur bewundern muss. 2006 kurz nach der Eröffnung war ich das bisher einzige Mal da. Erster Anfall von Knipseritis auf dem Weg zum S-Bahnhof:

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Die S-Bahn führt mich vom Hauptbahnhof nach Charlottenburg. Der Plan: Einmal Schloss angucken und dann mit dem Schiffchen über die Spree bis Mitte. Dazu führt es mich zunächst zu Fuß vom Bahnhof Charlottenburg durch die Einkaufsstraße. Unterwegs finde ich ein Call-a-bike, mit dem ich weiterradele. Das hätte ich lassen sollen! In Berlin kann man nämlich sein Call-a-bike wirklich NUR an Stationen abstellen. Und weit und breit ums Schloss gab es keine Station.

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Nach einem Abstecher zum Bahnhof Westend muss ich tatsächlich wieder zurück zu der Station, an der ich das Rad entnommen hatte.

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Von da dann doch mit der U-Bahn ein Stück Richtung Spree und das letzte Stück bis zum Schiff zu Fuss.

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Die Schifffahrt kann ich nur weiterempfehlen: Entspannt legt man so gut 7,5 Kilometer zurück, sieht viel und bekommt das auch noch erklärt.

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Am Anleger Friedrichstraße gehe ich von Bord. Und starte den nächsten Fahrrad-Versuch. In der „Innenstadt“ gibt es deutlich mehr Stationen. Und so radele ich durchs Brandenburger Tor, beobachte eine Biker-Demo, fahre am Reichstag, dem Kanzleramt und dem Bundestag vorbei.

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Dann weiter zum Holocaust-Mahnmal.

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Ich finde es faszinieren, spannend und er- bzw. bedrückend zugleich. Es wird drin gerannt und drauf geklettert. Es wird angenommen und ist Teil der Stadt und der Menschen.

Es wird langsam heißer und ich muss auch bald wieder mein Rad abgeben. Ich düse also bis zur nächsten Station. Eigentlich will ich zu Fuß bis zum Checkpoint Charly. Aber ich entscheide mich dann doch für eine U-Bahnfahrt (wofür habe ich dieses unschlagbar günstige Tagesticket gezogen?!)

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Checkpoint Charly ist mir zu wuselig und irgendwie nicht meins. Außerdem habe ich Hunger. Spontan entscheide ich mich beim Barcomi’s in Kreuzberg vorbeizugucken. Die Hackeschen Höfe stehen später auf dem straffen Zeitplan.

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Gestärkt mit einem Bagel – mir war so gar nicht nach Kuchen – schlendere ich über die Bergmannstraße.

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Eigentlich habe ich ja den Plan, wieder ein Fahrrad zu suchen und per Pedale zur East-Side-Gallery zu fahren. Aber es ist warm und meine Freundin meldet sich, dass sie jetzt bald gleich Zeit habe und sich dann mit mir an der Gallery treffen will. Also doch in die U-Bahn, wo ich erstmal feststellen muss, dass ich bis dahin schwarz gefahren bin.

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Und ich kann noch nicht mal behaupten, dass es mir keiner gesagt hätte. Ich habe es sogar gelesen… Damit ich über die Obernbaumbrücke gehen kann, steige ich schon am Schlesischen Tor aus.

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Die East-Side-Gallery ist schon beeindruckend. Und so sehr „Die Mauer muss weg“ vor knapp 24 Jahren richtig war, so richtig ist jetzt auch, dass dieses Stück Mauer bleiben muss. Durch die Kunst an der Mauer ist es Teil der Stadt und der Menschen geworden. Es ist ein Teil deutscher Geschichte und sollte weiterhin erinnern dürfen.

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Es wird drückender und graue Wolken ziehen immer näher. Wir machen einen kleinen Abstecher in ein Urban-gardening-Projekt direkt an der Spree.

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Als der Regen losgeht, fahren wir Richtung Mitte. Die Hackeschen Höfe habe ich das letzte Mal vor gefühlten 500 Jahren gesehen. Naja, zumindest kurz nach der Wende, als das alles noch nicht so schön war. Dafür vielleicht origineller…

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Wir spazieren durch Mitte. Und bestaunen die tollen Innehöfe. Ein sehr schöne Berliner Besonderheit, diese Hinterhofbebauung. Es ist alles ganz schön hergerichtet in Mitte. Schick… Ich überlege noch, ob ich’s zu schick finde.

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Wir machen noch einen Abstecher auf die Museumsinsel. Das ist schon beeindruckend. Die Bauten, die Atmosphäre. Die vielen Kräne, die das Berliner Schloss wieder aufbauen. Ich finde das eigentlich nicht schlecht. Aber das Erichs Lampenladen deswegen weg musste… irgendwie war es ja auch ein Kulturgut.

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Während ich den Ku’damm und den Potsdamer Platz bewusst ausgelassen habe, hat mir der Regen einen Strich durch den Besuch am (und vielleicht auch auf dem) Fernsehturm gemacht. So habe ich ihn nur aus der Ferne gesehen:

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Eigentlich wollten wir danach echt berlinerisch Currywurst essen – bei Konnopke. So war der Tipp. Doch diese Berliner Institution war zu. Und so zogen wir weiter und aßen nahe der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg ’ne Curry mit Pommes.

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Tja, dann blieb noch Zeit für ein Weinchen bis mein letzter Zug gen Hamburg ging. Leicht wehmütig, denn, auch wenn ich 14 Stunden gut 50 Kilometer zu Fuß, mit dem Rad, in der U-Bahn, auf dem Schiff und auch mit dem Auto zurückgelegt habe und somit so einiges abgeklappert und gesehen habe, ist da noch sooo viel, was ich gerne sehen möchte.

Drachengeburt

Dieser Artikel ist für Nike.

Als der mini-monsieur das Thema für seinen ersten Kindergeburtstag verkündete, freute sich die kleine Eventmanagerin in mir. „Ritter & Drachen“ – so ein schönes Thema. Die Möglichkeiten sind quasi unendlich. Aber ich musste ja auch bedenken, dass der mini-monsieur und seine Gäste nicht älter als 4 sind. Was macht 4-Jährigen Spaß? Beziehungsweise was überfordert sie nicht?

Ziemlich schnell stand fest, dass es eine Schatzsucher-Schnitzeljagd-Irgendwas geben sollte. Das hat auf anderen Geburtstagen gut funktioniert, sorgt für Bewegung und Spannung, ist gut für den Teamgeist – viel mehr brauchen die Lütten nicht. Und was lag beim Thema „Ritter & Drachen“ näher als einen Drachen zu jagen?

Und nachdem ich hier und dort mal über Pinatas gestolpert war, wuchs die Idee, dass das sicherlich ein großer Spaß wäre für die kleine Horde: eine Drachenjagd, an deren Ende eine Drachen-Pinata erlegt werden musste.

Ich schaute mich im Internet um, wie man an Pinatas käme. Kann man so was kaufen? Macht das Sinn? Wie schwer leicht ist es, eine selbst zu basteln?

Mal abgesehen davon, dass es nichts zu kaufen gab, was meinen Vorstellungen entsprach, hatte ich auch einfach große Lust, mit Zeitungsschnipseln und Tapetenkleister zu matschen. Noch im Urlaub überlegte ich grob, wie das aussehen könnte, was benötigt würde.

Zuerst wollte ich den Drachenkörper aus einem GROSSEN Ballon machen. Das erschien mir allerdings ob der Preise für GROSSE Luftballons etwas kostspielig unsinnig. Also entschied ich mich für zwei mittelgroße Ballons, die den Körper bilden sollten. Irgendwas röhriges für den Hals und ein kleiner Ballon für den Kopf. Und während ich so die Sachen zusammensuchte und vorbereitete, schalteten sich meine messieurs ein. Der große konstruktiv und der kleine destruktiv fordernd: Ein Drache müsste mindestens 3 Köpfe haben, sonst wäre es NUR ein Dino. *hüstel* Wie soll das denn bitte gehen?

Zum Glück ist der mini-monsieur gerade im Bastel-Wahn: Alles Pappe wird erstmal aufgehoben, weil es ja ver- und beklebt werden könnte. So haben wir Eierkartons um ein ganzes Zimmer schallzudichten und abgerollte Küchen- und Klorollen um das Abwassernetz von Hamburg nachzulegen.

Und so legten der monsieur und ich potentiele Teile zusammen, hielten sie gegeneinander, zogen Schnüre. Irgendwann waren wir uns einig und es ging los:

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Im Akkord beklebten der monsieur und ich die beiden Luftballons mit mehreren Schichten Zeitungspapier.

Nachdem sie angetrocknet waren, kam der erste kniffelige Teil: die drei Hälse (jeweils unterschiedliche lange Küchenrollen) mit den Köpfen mussten mit dem Rumpf verklebt werden. Wir hatten an den Kopf-Ballons Schnüre befestigt und durch den Hals die Röhre gefädelt und dann am anderen Ende des Tunnels der Röhre angeklebt. So waren die Köpfe erstmal fest. Die „Hälse“ haben wir unten mehrfach eingeschnitten und umgeknickt (so wie Blütenblätter), damit wir Anklebefläche haben.

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Zum Ankleben sollte am besten einer halten und der andere kleben. Aufpassen, dass man nicht zu viel Kleister nimmt, da sonst die Pappe durchweicht und instabil wird. Wir haben erstmal zwei Schichten Papier verklebt und auch gleich den Kopf mit. Da der Hals selbst aus Pappe ist, haben wir ihn nicht beklebt (sonst durchweichen etc…). Der monsieur basteltet an sein äh das Drachen-Hinterteil noch einen Schwanz aus aufgerolltem Zeitungspapier.

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Das haben wir dann wirklich gut trocknen lassen.

Dann gab es erst die nächsten Schichten Zeitungspapier. Insgesamt hat der Körper mindestens 5-6 Lagen Zeitungspapier. Je mehr, desto länger dauert das Trocknen und auch das spätere Zerschlagen. Die Köpfe habe nicht so viel Zeitungspapier abbekommen, da wir uns um das Gewicht sorgten.*

Zumal an die Köpfe ja auch noch Mäuler gebastelt wurden. An die kleineren kamen Mäuler aus zugeschnittenen Klorollen und an den großen aus Eierkarton-Oberteilen (der war praktischerweise schon grün). Aus den Unterteilen der Eierkartons haben wir Stacheln auf dem Rücken und einem Kopf des Drachen gemacht und alles schön angekleistert.

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Als alles trocken und hart war, begingen wir einen kleinen Fehler, sollte der Drache Farbe bekommen. Dazu beklebten wir den Drachen mit Tapetenkleister und Krepppapier** in verschiedenen Grüntönen. Doch als der Drache schon ziemlich grün war, fiel uns auf, dass er ja noch immer aus zwei Teilen bestand und dass auch noch die Luftballons drin waren.

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Also ließen wir das Grün erstmal trocknen und diskutierten, was überhaupt IN den Drachen rein soll. Die Mitgebseltüten für alle hätten den Drachen zu schwer gemacht. Außerdem war uns das Risiko, dass der Inhalt der Tütchen kaputtgeschlagen wird, zu groß.

Quasi auf dem Weg zum Zug (mein erster Tag in Frankfurt zum Arbeiten stand unmittelbar bevor) machte ich noch schnell einen „Stationszettel“, der zusammen mit ein paar Gummibärchen-Tütchen in den Bauch sollte, und ließ den monsieur mit der Vollendung des Werks allein.

An zwei, drei Stellen fluchte er so laut, dass ich es bis nach Frankfurt hören konnte über diverse Nachrichtekanäle, aber war schlussendlich sehr erfolgreich.

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So brauchte ich, als ich wieder da war, nur noch den Feinschliff machen: Augen, Deko, Flügel, Glitzerkleber, Beine, Krallen, farbige Federn und Pfeifenputzer. Flügel, Füße und Vorderkrallen waren aus grünem, etwas stabilerem Tonpapier. Flügel und Krallen habe ich Freihand entworfen. Für die Füße hatte ich Drachen-„Stelzen“ (so was wie Dosenlaufen) als Schablone (war auch die Schablone für die Spuren). Als Beine habe ich einfach äh zweimal je drei verschiedenfarbige Pfeifenputzer verflochten. Alles schön ver- und ankleben.

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Fertig war der Drache!

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Das letzte Problem war die Aufhängung: Durch die drei Köpfe hatte der Drache eine gaaaanz geringfügige Schwerpunktverlagerung Richtung Bug. Um das abzufangen, haben wir sowohl um die „Brust“ als auch um das Hinterteil transparente und gefaltetes Geschenkfolie gelegt und dann über stabile Schnüre miteinander verknotet. Für den Moment, in dem der Drache fliegen sollte, war es stabil genug.

* Für die Stabilität haben wir stattdessen die Balons dringelassen. Als den die Luft ausging, bekamen die Köpfe noch eine eigene Physiognomie.

** Der „Profi“-Tipp meiner Mutter war: Transparentpapier. Das soll angeblich nicht so stark abfärben.

auch keine Lösung

Vor einiger Zeit sprach mir Guido Maria Kretschmer bei Shopping Queen aus der Seele, als er sagte:

Leggings sind auch keine Lösung.

Ja, ja, ja und nochmal JA!

Und ich frage mich, wer warum diesen obskuren Trend hat (wieder) aufleben lassen. Leggings sind so 80er/90er. Eine zeitlang hatten wir gsd Ruhe, aber nun sind sie wieder da. Es schon was von einem Alien, das man beim letzten Kampf nicht wirklich getötet hat. Das überleben konnte und so schlimmer denn je zurückkommen konnte:

Es gibt sie in lang, kurz, mittel, mit Spitze, mit Muster, vielen Farben, transparent und opaque. Und als mutierter, noch hässlicherer Klon: die Tregging.

Gefühlt jedes zweite weibliche Beinpaar wird mittlerweile in diese hautengen Hüllen gepresst. Und ich frage mich, ob die meisten Trägerinnen keine Freundinnen haben, die ihnen sagen können, dass dass ziemlich Sch$%& aussieht. Aber vielleicht fällt das in die Kategorie „mit dieser Freundin, braucht man keine Feindin“.

Denn wie bei so vielen modischen Auswüchsen gibt es leider nur wenige, die das tragen können. Glauben die kleinen uffgestumpten Fashionistas wirklich, dass ihre Beine dünner graziler besser aussehen, wenn sie (unter dem oft zu kurzen Rock) eine vorzugsweise schwarze 7/8- bis 3/4-Legging tragen? Viel kleiner kann man kaum noch wirken, wenn man die eigenen Beine 20 cm vor dem eigentlichen Ende optisch abschneidet. Oder das gar ein wildes Muster von irgendwas ablenkt…

Aber auch sonst sehen Leggings meist nur komischst aus: Ist das eine Radfahrerin, die vergessen hat, ihre Sporthose auszuziehen? Geht die gleich noch Joggen oder kommt die vom Jazzdance?

Ganz ehrlich: Dieses Kleidungsstück dürfte nur von extra geschultem Personal nach eingehenster Beratung verkauft werden.

Liebes Tagebuch am Fünften (August)

Ach, ist schon wieder der Fünfte? Frau Brüllen ist ja extra aus dem Urlaub wiedergekommen, damit ihre Aktion ihren gewohnten Gang gehen kann.

Eigentlich wäre heute ein Hamburg-Tag. Aber die messieurs weilen immer noch in Frankreich. Daher bin ich gestern abend schon nach Frankfurt gefahren. Ich bin gerne vor Ort bei den Kollegen. In Hamburg bin ich zwar auch nicht allein. Aber der Standort macht halt keine PR.
Aber weil meine Männer noch in der zweiten ersten zweiten erstenParallel-Heimat sind und es da so warm ist, dass ein südeuropäischer Tagesrhythmus angesagt ist, beginnt der Tag um

0h05 mit einem Gute-Nacht-Telefonat, das damit endet, dass der mini-monsieur um

0h17 am Telefon einschläft, während wir noch Gute Nacht sagen. Ich tausche noch kurz mit dem monsieur Nachrichten aus und falle um

0h35 selbst ziemlich müde ins Matratzenlager bei meinen Freunden. Ach, was freue ich mich, wenn ich ab Oktober wieder in Frankfurt in meinem Bett schlafen kann und dieses Nomadenleben ein Ende hat. Ich könnte anfangen, die Tage zu zählen.

6h11 Von irgendwelchen Geräuschen schrecke ich hoch mit der Befürchtung, verschlafen zu haben. Da dem nicht so ist, drehe ich mich noch einmal um und schlafe bis

7h30 weiter. Nach zweimal Snoozen stehe ich auf, dusche, mache mich fertig und verlasse um

8h15 die befreundete Wohnung. Auf der Suche nach einem Call-a-bike gehe ich noch kurz bei der Apotheke (ich habe da so ein beginnendes Klitschauge) und beim Bäcker vorbei. Glücklicherweise finde ich schnell, wenn auch etwas versteckt ein Fahrrad und düse los. Nachdem ich letzte Woche lernen musste, dass ich in Frankfurt die Bikes NUR an Stationen kostenfrei abestellen darf, fahre ich also nur bis zu nächsten an meiner Arbeit.

8h40 Das Fahrrad steht, wo es stehen soll/ darf/ muss, und ich gehe die restlichen 800 Meter zu Fuß.

8h50 Ankunft im Büro, Rechner an, Kaffee machen, Hörnchen buttern, Mails checken. Um die Neu-Geschäft-Anfrage aus Italien werde ich mich nach dem Morgenkreis Montags-Meeting kümmern. Die Kollegin die nicht nur neben mir sitzt, sondern auch mit mir arbeitet, kommt nicht.

9h30 Ab in die Besprechung. Jeder erzählt, was Wichtiges anliegt oder anlag. Bei mir ist gerade ein kleines Sommerloch. Ansprechpartner sind im Urlaub, Projekte noch nicht richtig angelaufen. Offen gestanden bin ich noch nicht so ganz ausgefüllt. Aber das wird schon – hoffe ich.

9h55 Alle wieder am Platz und arbeiten – oder so tun als ob 😉

12h00 Bis jetzt habe ich meine Stunden nachgetragen und Informationen ausgedruckt. Heute nachmittag steht noch eine Telefonkonferenz an. Doch nun rufen einige Kollegen und der Hunger. Anfangs fand ich ja 12h00 zum Mittag etwas früh. Aber nach einem Monat hat sich meine innere Uhr schon gut gewöhnt.

13h00 Essen beendet. Diesen Artikel etwas fortgesetzt. Nun aber in medias res 🙂

17h00 Zeit für die Telefonkonferenz. Die Einwahl funktioniert nicht, wie sie soll. Ein Hin-und-Her lässt meine Chefin fürchten, am ersten Tag nach dem Urlaub nicht pünktlich aus dem Büro zu kommen.

17h45 Ich spüre wieder dieses Phänomen der vermeintlichen Internationalität: Das Verständnis ist schon auf Sprachebene nicht 100%ig gegegben, da wird es nicht leichter, die Unterschiede der einzelnen Märkte zu verstehen. Mal sehen, was sich daraus entwickelt.

17h55 Mit meiner Wohnungsgeberin noch schnell die Einkaufsliste gecheckt. Werde gleich den Büro-Rechner runterfahren, zum RIESEN-Supermarkt nebenan hüpfen und einkaufen. Heute soll gegrillt werden.

18h45 Ich schaffe es irgendwie meine Einkaufstüte und meine Handtasche auf diesem etwas merkwürdigen Gepäckträger vom Call-a-bike zu befestigen. Der Weg zur Wohnung meiner Freunde ist der gleiche wie der zu unserer neuen Wohnung. Ich kann also schon mal trainieren (es geht berghoch) und testen, welcher Weg wohl am angenehmsten ist.

19h05 Im vierten Stock mit Sack und Pack angekommen (was bin ich froh, dass wir EG wohnen werden), mache ich mich gleich dran, den Inhalt der Einkaufstüte zu Salat zu verarbeiten.

20h30 Mit lecker Grillfleisch und Salat im Bauch werde ich Zeuge nicht so schöner Szenen einer Ehe. Manchmal würde man Menschen gerne schütteln.

21h30 Nachdem ich gestern schon zwei Folgen „homeland“ gucken musste/ durfte, geht es heute weiter. Ich bin noch nicht ganz so geflasht wie meine Freunde, wobei die Handlung interessante Wendungen nimmt.

22h45 Die zweite Folge des heutigen Abends tausche ich aber gegen ein Telefonat mit meinem Sohn. Wie üblich bekomme ich wilde Geschichten von Dino, Drachen und natürlich seinen Brudas (dieser ominöse unsichtbare Riesenclan macht mir langsam Angst) zu hören. Wir diskutieren, dass er nicht nach Frankfurt ziehen will. Dass ich hier arbeite, zieht nicht. Hamburg sei viel schöner und er würde mir eine neue Arbeit bauen (oder einer seiner Brudas). Ich mache mich schon mal auf ein wütendes Kind zwischen all den kommenden Umzugskisten gefasst.

Der mini-monsieur hat sich mittlerweile sehr gut akklimatisiert in Frankreich. Zuerst wollte er ja nicht dahin. Und Französisch sprach er ja eigentlich auch nicht (auch wenn er alles verstand und versteht). Aber das wird besser. Er spricht mit mir zwar immer noch fließend Deutsch und baut auch nur ganz selten französische Vokablen ein, wie, als er mir erklären wollte, warum sie unseren Hund nicht mit zum Onkel genommen hätten: „Unser Hund kurt* hinter der Katze.“ Doch vor Ort und mit den französischen Verwandten scheint es mehr zu werden mit dem Französisch. Obwohl er wohl schon spitz gekriegt hat, wer von denen Deutsch (verstehen) kann.

23h40 Das Gespräch mit den messieurs ist fast zu Ende, als mein Mutterherz einen fiesen Stich versetzt bekommt: Auf mein „Ich vermisse dich“, bekomme ich ein „ich vermisse dich nicht“ zu hören. Auch wenn ich weiß, dass es ein gutes Zeichen ist, tut das weh. Ich beende lieber das Gespräch, putze mir die Zähne, spring noch mal kurz unter die Dusche und beende diesen Tag.

Gute Nacht!

* So sprach er die deutsch konjugierte Form der französischen Vokabel „courir“ (laufen, rennen) aus. „court“ wäre tatsächlich richtig konjugiert, aber da er noch nicht lesen kann…