Frau mit Kind und Arbeit

Vor einer ganzen Weile las ich bei Achtung Mama! einen interessanten Artikel zum Thema Mütter, die arbeiten bzw. Arbeitnehmerinnen, die Mutter sind. Ich finde sowohl die eine als auch die andere Bezeichnung nervig. Über Väter wird nie so geredet.

Ich bin eine Frau mit einem Kind, also Mutter, und ich arbeite. Ich bin sogar die Alleinverdienerin in unserem Haushalt.

Und trotzdem war für mich klar, dass ich im ersten Jahr nach der Geburt bei meinem Kind bleibe. Das hatte neben dem gewünschten Effekt, mein Kind in Ruhe stillen zu können und aufwachsen zu sehen, den netten Nebeneffekt, dass ich aus meinem Job und der damals sehr unglücklichen Personal- und Kundensituation rauskam.

In der wohligen Hängematte aus Elterngeld, dem Anrecht zurückkehren zu können und einem entspannten Kind an meiner Seite, konnte ich überlegen, was ich will: Was Neues? Was ganz anderes? Doch wieder zurück. Ich schaute und guckte und entschied:

Ich gehe nach dem Jahr erst einmal wieder zurück. Es war klar, dass ich nicht wieder für meinen alten Kunden und dem bisherigen Kollegen zusammenarbeiten werde. Es war klar, was mich dort erwartet (kein Einarbeiten, keine neue Infrastuktur, keine neuen Kollegen). Es war klar, dass ich Teilzeit arbeiten werde. Ich war nicht die erste Mutti im Büro und auch nicht die erste, die deswegen Teilzeit arbeiten wollte. Ich hätte nicht gemusst. Der monsieur war ist ja zu Hause.

Doch nach meinem ersten Gespräch zum Wiedereinstieg mit meinen beiden kinderlosen Chefinnen war ich kurz davor, mir etwas Neues zu suchen. Die Teilzeit selber war kein Problem. Aber als ich nachfragte, ob ich denn mit meiner Rückkehr endlich* auch ein Stüfchen auf der Karriereleiter nach oben rutschen würde, wurde mir nicht nur mit Unverständnis begegnet, sondern es wurde mir ans Herz gelegt, doch zu überlegen, ob ich mich nicht zwei Stufen unter meiner aktuellen Position einordnen möchte. Ich könnte ja nur zuarbeiten als TZ-Kraft und keine eigenen Projekte betreuen.

Na, danke. Genauso habe ich mir das Arbeitsleben einer Frau mit Kind vorgestellt. Karriere runter statt rauf. Teilzeit-Arbeitnehmerinnen = Arbeitnehmerinnen zweiter Klasse.

Mit einem unguten Gefühl startete ich einen Tag nach dem ersten Geburtstag vom mini-monsieur wieder – zunächst mit 25 Stunden pro Woche. Ich arbeitete erstmal mit einem nicht ganz einfachen Kollegen zusammen, der das Gefühl aus dem Gespräch verstärkte.

Ich hing nicht zwischen Job und Arbeit und hatte nicht das Gefühl, keinem gerecht zu werden: Ich hatte neben dem Job Zeit für den Lütten und kam auch nicht in Stress, wenn mein Feierabend sich anküdigte. Easypeasy – eigentlich. Ich merkte nur, dass ich mir nicht gerecht werde. Dass ich nicht das im Job leisten konnte, was ich wollte und konnte. Trotz oder gerade wegen des Kindes.

Ein glücklicher Zufall führte dazu, dass ich nach einem Monat das Team wechseln konnte/ musste.

Ja, es war Glück, dass in dem Team ein Platz frei wurde, dass ich die Erfahrung hatte, die der Platz forderte und dass die Teamleiterin große Stücke auf mich hält und kein Problem damit hatte, dass ich nicht bis 18 Uhr im Büro war.

Es spielte sich schnell ein. Mir wurden eigene Projekte übertragen, ich kommunizierte, wie es meiner Position angemessen war, mit Kunden, Experten, Dienstleistern, war für Budgets mitverantwortlich – wie ein ganz normaler Arbeitnehmer. Das Kind spielte von 9 bis 14 Uhr (später von 9 bis 16 Uhr) keine Rolle. Es hat keinen interssiert:

Fürs Team war es kein Problem. Für den Kunden war’s auch kein Thema, dass Projekte mit mir halt nur bis nachmittags bearbeitet wurden. Davon profitierten sogar die Kollegen, weil der Kunde das so verinnerlicht hatte, dass auch für deren Projekte nichts mehr kurz vor Feierabend eintrudelte. Und selbst für meine Chefinnen war es auf einmal kein Diskussionsthema mehr. Nein, im Gegenteil: Es wurden Besprechungstermine mit mir abgestimmt und sich entschuldigt, wenn Besprechungen doch mal ungünstig lagen.

Es lief so gut, dass ich ein halbes Jahr nach meinem Wiedereinstieg dann doch endlich meine Beförderung bekam – weiterhin in Teilzeit (30 Stunden pro Woche). Und damit war ich die erste Teilzeit-Kraft im Büro, die befördert wurde.

Sicherlich war ich in einer Sondersituation: Dadurch, dass der monsieur zu Hause war und so der mini-monsieur versorgt war, brauchte ich nicht pünktlichst aus dem Büro hetzen, um den Lütten irgendwo abzuholen. Dennoch habe ich nicht unnötig lang im Büro gesessen.

Zudem gab es die Regelung, dass Überstunden bei Teilzeit-Mitarbeitern ausgeglichen werden sollten (auf Wunsch auch auszahlen, aber das lohnt sich ja bekanntlich nicht). Und so ging ich mal früher oder hatte einen Extra-Tag frei. In den letzten Monaten meiner Teilzeit häuften sich – aus einer neuen personellen Situation heraus – Überstunden** an. Für den mini-monsieur und mich war das gar nicht schlecht, so konnten wir uns schleichend daran gewöhnen, wie es wohl sein wird, wenn ich wieder Vollzeit arbeite.

Wie ich schon mal schrieb, glaube ich, dass Teilzeit eigentlich ein für alle Beteiligten lukratives Modell ist. Und ich erlebe immer mehr, dass das auch von Arbeitgebern gesehen wird.

Das ist schön. Nicht nur für Frauen, die Kinder haben und arbeiten (wollen).

* Das sollte ich nämlich eigentlich schon vor meiner Schwangerschaft. Aber die kam da ja dazwischen.
** Die Überstunden habe ich weder meiner Chefin noch dem Finanzamt geschenkt, sondern durfte sie während der Vollzeit abbauen.

In Kürze

Ausnahmsweise (was ist schon die Regel bei drei Wochen) bin ich am Wochenende nicht nach Hamburg gefahren. Der monsieur und der mini-monsieur sind in Frankreich.

Was soll ich also in Hamburg?

Ja, was soll ich da? Blumen gießen, Post aus dem Briefkasten holen, frieren, Nachbarn durch meine bloße Anwesenheit ärgern… Vielleicht mich von Hamburg verabschieden.

Denn nach dem Disaster am Dienstag (genau genommen Montag abend) habe ich keine wirklichen Optionen* mehr in Hamburg. Wobei Disaster auch zu viel ist. Es fällt mehr in die Kategorie: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“.

Ich hatte ein Bewerbungsgespräch für eine interessante Stelle: Öffentlichkeitsarbeit für eine medizinische Forschungseinrichtung. Öffentlicher Dienst mit dem ein oder anderm Extra. Spannend. Mit dem Haken, dass die Stelle befristet war. Aber gut, nach der Kündigung kann mich diesbezüglich nicht so viel schrecken. Und wer weiß schon, was in eineinhalb Jahren ist.

Durch die Pendelei und überhaupt habe ich erst Montag abend die Gelegenheit, mir noch mal die Stellenanzeige anzugucken. Wenigstens noch mal gucken, worum es thematisch ginge. Versteckt im einleitenden Fließtext finge ich die gewünschte Information. Doch uups, was steht denn da?!

„Hälfte der regulären Arbeitszeit“ – eine halbe Stelle?! Ich blicke auf meine extra für den Termin lackierten Fingernägel: Mist. Die hab‘ ich umsonst aufgehübscht. Halbe Stelle – halbes Gehalt. Das kann ich knicken.

Ich suche schnell nach den TV-L-Entgelttabellen. Nein, egal, wie ich eingestuft werde, das funktioniert nicht. Mit keiner Stufe in meiner potentiellen Entgeltgruppe komme ich bei 50 Prozent auch nur annähernd an mein jetztiges Gehalt ran. So viele Zulagen kann ich gar nicht bekommen.

Ich ärgere mich ein wenig darüber, dass es scheinbar keinem dort aufgefallen ist, dass ich eine Vollzeitstelle suche beziehungsweise ein Vollzeitgehalt fordere.

Doch in erster Linie bin ich genervt von mir selbst, weil ich eben nicht richtig gelesen habe und dafür einen kostbaren Urlaubstag vergeudet habe. Ich überlege, ob ich nachts um 23h00 noch eine e-mail schreiben kann/ darf/ sollte, mit der ich den vermutlich ersten Termin des Tages (9h00) absage.

Ich entscheide mich dagegen. Der freie Tag ist jetzt weg, mein Zug nach Frankfurt geht erst später.

Also gondele ich am Dienstag einmal quer durch Hamburg und hoffe auf ein Wunder: halbe Stelle – volles Gehalt. 50 Minuten später (von Tür zu Tür) ist mir das Wunder fast schon egal. Die Vorstellung, knapp zwei Stunden täglich in den Öffis zu vergeuden, ist schon fast ein Totschlagargument.

Ich bin etwas zu früh, aber zwei meiner mir androhtengekündigten Gesprächspartner sind schon da. Es macht den erwarteten befürchteten leicht chaotischen Eindruck einer öffentlichen Forschungseinrichtung. Ich folge den beiden – leider nicht ganz unaffällig, weil auf einmal meine Schuhe knatschen – zum auserkorenen Raum.

Wir setzen uns und es geht gleich zur Sache. Ich soll von mir erzählen, warum ich bei denen Pressearbeit machen möchte, was ich vorher gemacht habe. Mir wird erzählt, was bisher die Aufgaben der Pressetante waren. So ganz ausgegoren klingt das nicht. Dass es neben Original-Publikations-Journalen noch weitere Fach-Journale gibt, scheint dort keiner zu wissen. Es ist wirklich schon mal gut, wenn eine Forschungseinrichtung erkennt, dass sie Öffentlichkeitsarbeit machen sollte. Aber ich fürchte, dass ich sie mit meinen Erfahrungen aus dem Agentur-Alltag überfahren würde. Es wirkt alles sehr recht unausgegoren. Und ich frage mich, ob ich nicht zu viel Ordnung rein gebracht hätte.

Aber bevor ich mir die Frage beantworten kann, kommt – als wäre es meinem Gegenüber erst jetzt eingefallen – die Frage, ob mir bewusst sei, dass es sich um eine halbe Stelle handele. Ja, seit gestern abend.

Ob mir das ausreiche, kann ich – nachdem mir bestätigt wird, dass ich von der richtigen Entgeltgruppe ausgegangen bin – leider nur mit: Nein, das geht nicht.

Und damit war das Gespräch nach noch nicht mal 15 Minuten beendet.

Kürzer war bis dato nur meine Anwesenheit bei meiner letzten Spanisch-Klausur: Ich erhielt die Aufgaben, guckte drauf und entschied schnell, dass die 6 der freie Vormittag der 5 vorzuziehen ist.

* Ein kleines Eisen ist noch im Hamburger Feuer. Aber so recht glaube ich nicht daran und außerdem frage ich mich, ob ich das wirklich will.