Die Artikelin

Herr Buddenbohm machte auf einen interessanten Artikel aufmerksam. Und ich rätsele, was ich davon halten soll. Wie stehe ich dazu?

Ins Deutsche haben weibliche Formen von allem und jedem in den frühen 1980er Jahre Einzug gehalten. Ich kenne es gar nicht anders. Habe ich doch erst etwas später schreiben und lesen gelernt. Und dennoch finde ich dieses Zerstückeln von Wörtern und Sätzen, nur um der politischen Korrektheit genüge zu tun, sehr anstrengend.

Dazu geht es in meinem Beruf – neben ein paar anderen Dingen – darum, dass ich nicht immer ganz einfache Sachverhalte knackig, verständlich, ansprechend und gleichzeitig inhaltlich korrekt verschriftliche. Da kann und will ich nicht noch zusätzliche Spirenzchen machen, nur um der politischen Korrektheit gerecht zu werden. Daher verzichte ich persönlich auf solche Konstrukte, greife lieber eher auf neutrale Formulierungen zurück wie zum Beispiel „Studierende“ statt „Studentin“ oder „Student“.

Ich habe es auch mal anders versucht. Damals. Da habe ich in meiner „opportunen“ Phase in Schularbeiten konsequent das generische Feminium eingesetzt: „frau“ statt „man“ und alles mit „in/nen“. Aber das war anstrengend. Denn es hatte nichts mit der gesprochenen Sprache zu tun.

Und seien wir mal ehrlich: Was außer Aufmerksamkeit erreiche ich damit? Wenn ich mit jemandem kommuniziere, brauche ich eine gemeinsame Sprache. Auch Bayern und Hamburger sollten/ müssen sich auf so etwas wie Hochdeutsch einigen, wenn sie sich verständigen möchten. Jedes ungebräuchliche Wort des eigenen Dialekts führt zu Unverständnis beim Gesprächspartner und weg vom Inhalt.

Gut, nun könnten wir sagen, dass ein generisches Femininum kein Dialekt ist und eigentlich von jedem verstanden wird. So gut haben wir uns dann mittlerweile doch an das Binnen-I  und Schrägstriche gewöhnt. Obwohl ich ja immer, wenn ich „der/ die“ lese, an mein „la/ le/ lu“ denken muss, das ich französichen Substantiven voraussetze, wenn ich mir mal wieder ob des Genus nicht sicher bin.

Ach ja, die Franzosen (ich sitze ja an/ neben/ auf der Quelle): Die jammern auch über den Verfall ihrer Sprache. Französiche Jugendliche könnten nicht mehr richtig schreiben. Verlan und Argot haben das Hoch-Französisch stark beeinflusst. Die begrenzte Zeichenzahl bei SMS hat dazu beigetragen, dass Wörter extrem verkürzt bzw. so wie sie gesprochen, geschrieben werden (que -> ke, qu’il -> kil um nur kleine Beispiele zu nennen). ABER, aber bislang habe ich noch von keiner Diskussion gehört, wie man das Französische verweiblichen könnte. Denen reicht schon die Abschaffung der mademoiselle. In den meisten Fällen gibt es sogar eine weibliche Form, die man aber – wenn überhaupt – nur geschrieben erkennen kann (im Regelfall böte sich daher ein Binnen-E an). Daher würde kein Franzose eine persönliche Rede mit „Cheres amies et chers amis“ (Liebe Freundinnen und Freunde) beginnen, sondern einfach „Chers amis“ sagen. Oder wenn NUR Frauen vor ihm sitzen: „Cheres amies“, aber das hört ja eh keiner.

Aber zurück zum generischen Femininum: Was gewinnen wir Frauen wirklich damit, wenn er eingeführt wird? Tuen wir uns einen großen Gefallen, uns so in den Vordergrund zu spielen (und die Frage stellt hier ein doch recht extrovertierte Person). Möglicherweise stört er in geschriebender Form mittelfristig gesehen keinen. Aber GESPROCHEN ist es (noch) eine Besonderheit, mit der ich die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Unterhaltung abziehe.

Da ist die Menschin nun mal eine Gewohnheitstierin.**

 

* Als alte Lateinerin (sic!) würde ich DAS und nicht der Maskulinum sagen. Einwände?

** Vielleicht müsste das generische Femininum konsequent wie der Euro eingeführt werden. Wenn es keine Alternativen gibt, gewöhnt man sich ja schnell um (oder trauert ewig den guten alten Zeiten nach).