Man wird nur einmal vier

Den Erzählungen meiner Eltern zufolge habe ich vor über 32 Jahre auch meinem vierten Geburtstag entgegengefiebert. „Auffe vier mache ich dies“, „auffe vier passiert das“, waren wohl meine Standardsätze kurz bevor es soweit war. Ich kann mich aktiv nicht mehr erinnern. Aber wenn ich sehe, wie sehr der mini-monsieur den Geburtstag selbst und die Party mit den Kindergartenkumpel herbeigesehnt und -geredet hat, muss dieses Vierwerden etwas Besonderes sein.

Geburtstag feiern an sich kennt er. Natürlich haben wir jeden Geburtstag gefeiert: den ersten in Frankfurt (bei uns mit seinem kleinen Harem und der Patentante im Geiste), den zweiten an der Ostsee (mit Oma&Opa, Onkel, Tante und Cousine) und in Bielefeld (bei Oma&Opa mit der Patentante im Geiste), den dritten in Hamburg (mit Onkel, Tante, Cousine und Cousin) und in Bielefeld (bei der Patentante mit Oma&Opa). Aber noch nie mit richtiger Kinderparty. Das kannte er bislang ja auch nicht.

Doch dieses Jahr fing es an. Im April. Der erste Kiga-Kumpel wurde vier und feierte etwas überdimensioniert groß. Mit ohne Eltern aber mit vielen Kindern und Schatzsuche. Und der mini-monsieur hatte Blut geleckt: Wann werde ich vier? Wie lange noch? Sind zwei Monate lang?

Der nächste Kumpel wurde vier und feierte im Mai. Mit ohne Eltern, mit weniger Kindern aber auch mit Schatzsuche.

Noch gut ein Monat bis zum magischen Tag: Ich will auch Geburtstag feiern.

Er wusste genau, wen er einladen wollte: Ja, Ju, Jo, T-N, A, Ly und Li. Dazu kamen noch seine ganzen „Brudas“ (sein unsichtbarer Riesenclan). Und er wusste genau, wie er feiern wollte: ein Ritter-Drachen-Fest sollte es sein.

Ich hatte ja schon Sorge, dass wir noch Piraten, Ice Age oder Cars mit ins Motto einbinden mussten. Aber weder Gästeliste noch Party-Thema änderten sich.

Prima, damit kann ich arbeiten. Ich fing an, Ideen zu sammeln (Pinterest hätte mir vielleicht einiges erleichtert, aber mir reichen meine web2.0-Kanäle): eine Amazon-Liste (für Deko und Mitgebsel) und eine Notiz im Handy (Spiele und Essen) dienten mir als Gedankenstütze. Und so überlegte ich, ob die Kinder

  • Ritterschilder/Burgfräulein-Spitzhüte bemalen
  • eine Drachen-Pinata bekämpfen
  • Helmschlagen spielen
  • Wurfscheiben basteln
  • Dracheneierlauf spielen
  • Dreibein laufen
  • Brezeln spießen
  • Watte-Gespenster pusten

sollten.

Der Drachenschleim zum Kaffee und Nachtisch und die Wurstspinnen fürs Abendessen waren gesetzt.

Von meiner Mama bekam ich eine wunderbare kleine Kiste, die ich allen, die einen Ritter-(Drachen-)Geburtstag feiern wollen, nur empfehlen kann. Wir haben nicht alles daraus gemacht und einige Dinge auch abgewandelt oder als Vorlage genutzt, aber die Kiste war einfach toll. Dazu gab es noch goldenen Stoff aus dem müttlerlichen Fundus, der sich sich wunderbar als ritterliche Tischdecke machte.

Am Geburtstag selbst waren wir im Urlaub in Frankreich. Mit deutscher Kuchentafel und den französischen Verwandten und Freunden des monsieurs wurde das Ereignis gefeiert. Das war zwar nicht schlecht und Geschenke gab es mehr als genug. Aber ein „Und wann kommen meine Gäste?“, zeigte, dass dem mini-monsieur seine Kumpel fehlten.

Also koordinierte ich noch im Urlaub per sms den Termin, bestellte Dinge, damit sie in der Woche zwischen Urlaub und Jobanfang da sind und bearbeitet werden können, verschickte die Einladungen (Merke: Ein Briefumschlag mit „Par Avion“ drauf beeindruckt den Franzosen La Poste deutlich mehr als eine profane Postkarte. Und der Preis ist der gleiche!) und besorgte französische Süßigkeiten für die Mitgebsel-Tüte.

Auf dem Rückweg vom Urlaub fuhren wir bei meinen Eltern vorbei und feierten gleich noch zweimal Geburtstag. Erst mit meinen Eltern und dann kam der aufmerksame Leser kann’s erahnen am nächsten Tag die Patentante im Geiste noch vorbei. Geschenke, Geschenke. Doch der mini-monsieur war nicht ganz zufrieden: „Wann kommen endlich meine Gäste?“ fragte er wieder. „Noch 13 Mal schlafen und vorher feiert auch noch Ju seinen Geburtstag“, war keine Angabe, die den furchtlosen Ritter in spe glücklich machte.

Doch als wir wieder in Hamburg waren und der mini-monsier sah, dass der monsieur und ich uns gleich ans Werk machten, alles vorzubereiten, da wurde es für den kleinen Mann greifbarer. Die Zeit des Wartens wurde verkürzt durch die Fortschritte der Vorbereitungen, die er eifrig verfolgte und zum Teil auch unterstützte…

Bis zum großen Fest selbst. Aber das ist einen eigenen Eintrag wert.

Ein Gedanke zu „Man wird nur einmal vier

  1. Pingback: Drachengeburt | Groß-Stadt-Ansichten

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