Die Mischung macht’s

Dieser blog ist ein kleiner Gemischtwarenladen. Mit weißer Kittelschürze und dickerer Brille sähe ich sicherlich aus wie eine „Tante Emma“. Es gibt von allem was: Persönliches, vom Kind, von der Arbeit, auch mal ein Rezept, Bilder und nun auch eine Rezension:

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine Rezension von xeniana:

Warum französische Kinder keine Nervensägen sind*

Ein Buch mit so einem Titel muss ich lesen. Sollte dieses Buch mir erklären, warum der monsieur und ich das ein oder andere in der Erziehung des mini-monsieurs anders sehen?

Eins vorneweg

Ich halte nicht viel von Erziehungsratgebern. Ich glaube, dass sie wuschig, unentspannt und inkonsequent machen. Oder man sollte sich wenigstens nur einen zulegen und an den auch halten. Es gibt bei der Kindererziehung selten ein „Besser“. Es ist meistens nur ein „Anders“.

Zum Buch

Das Buch ist irgendwie schon ein Erziehungsratgeber. Aber irgendwie auch nicht. Frau Druckerman schildert ihre Erlebnisse, die sie als Amerikanerin macht, als sie zunächst ein, später drei Kinder in Paris groß- und erzieht. Es fängt damit an, dass sie und ihr Mann mit einem Kind Urlaub machen und sie feststellt, dass französische Familien im Gegensatz zu ihnen entspannt mit Kindern ALLER Altersstufen essen gehen können. Ihre Nachforschungen nach dem Warum, lassen sie immer tiefer ins französische (Selbst-) Verständnis von Kindererziehung Einblick nehmen.

Pamela Druckerman beschreibt ihre Beobachtungen und Erfahrungen am eigenen Leib Kind mit Witz und wissenschaftlichen Belegen. An einigen Stellen verherrlicht mir die Autorin das französische System zu sehr. Aber das ist vielleicht das Problem, wenn man von einem vermeintlichen Extrem (amerikanische Erziehungsideen) in ein anders schlittert. Dennoch ist das Buch kein dogmatischer Ratgeber im Sinne: Das muss so und so gemacht werden.

Und so wird daraus ein insgesamt sehr lesenswertes Buch. Nicht nur für Eltern mit entsprechendem Hintergrund so wie wir als deutsch-französische Familie.

Meine Sicht

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Frau mit Kind und Arbeit

Vor einer ganzen Weile las ich bei Achtung Mama! einen interessanten Artikel zum Thema Mütter, die arbeiten bzw. Arbeitnehmerinnen, die Mutter sind. Ich finde sowohl die eine als auch die andere Bezeichnung nervig. Über Väter wird nie so geredet.

Ich bin eine Frau mit einem Kind, also Mutter, und ich arbeite. Ich bin sogar die Alleinverdienerin in unserem Haushalt.

Und trotzdem war für mich klar, dass ich im ersten Jahr nach der Geburt bei meinem Kind bleibe. Das hatte neben dem gewünschten Effekt, mein Kind in Ruhe stillen zu können und aufwachsen zu sehen, den netten Nebeneffekt, dass ich aus meinem Job und der damals sehr unglücklichen Personal- und Kundensituation rauskam.

In der wohligen Hängematte aus Elterngeld, dem Anrecht zurückkehren zu können und einem entspannten Kind an meiner Seite, konnte ich überlegen, was ich will: Was Neues? Was ganz anderes? Doch wieder zurück. Ich schaute und guckte und entschied:

Ich gehe nach dem Jahr erst einmal wieder zurück. Es war klar, dass ich nicht wieder für meinen alten Kunden und dem bisherigen Kollegen zusammenarbeiten werde. Es war klar, was mich dort erwartet (kein Einarbeiten, keine neue Infrastuktur, keine neuen Kollegen). Es war klar, dass ich Teilzeit arbeiten werde. Ich war nicht die erste Mutti im Büro und auch nicht die erste, die deswegen Teilzeit arbeiten wollte. Ich hätte nicht gemusst. Der monsieur war ist ja zu Hause.

Doch nach meinem ersten Gespräch zum Wiedereinstieg mit meinen beiden kinderlosen Chefinnen war ich kurz davor, mir etwas Neues zu suchen. Die Teilzeit selber war kein Problem. Aber als ich nachfragte, ob ich denn mit meiner Rückkehr endlich* auch ein Stüfchen auf der Karriereleiter nach oben rutschen würde, wurde mir nicht nur mit Unverständnis begegnet, sondern es wurde mir ans Herz gelegt, doch zu überlegen, ob ich mich nicht zwei Stufen unter meiner aktuellen Position einordnen möchte. Ich könnte ja nur zuarbeiten als TZ-Kraft und keine eigenen Projekte betreuen.

Na, danke. Genauso habe ich mir das Arbeitsleben einer Frau mit Kind vorgestellt. Karriere runter statt rauf. Teilzeit-Arbeitnehmerinnen = Arbeitnehmerinnen zweiter Klasse.

Mit einem unguten Gefühl startete ich einen Tag nach dem ersten Geburtstag vom mini-monsieur wieder – zunächst mit 25 Stunden pro Woche. Ich arbeitete erstmal mit einem nicht ganz einfachen Kollegen zusammen, der das Gefühl aus dem Gespräch verstärkte.

Ich hing nicht zwischen Job und Arbeit und hatte nicht das Gefühl, keinem gerecht zu werden: Ich hatte neben dem Job Zeit für den Lütten und kam auch nicht in Stress, wenn mein Feierabend sich anküdigte. Easypeasy – eigentlich. Ich merkte nur, dass ich mir nicht gerecht werde. Dass ich nicht das im Job leisten konnte, was ich wollte und konnte. Trotz oder gerade wegen des Kindes.

Ein glücklicher Zufall führte dazu, dass ich nach einem Monat das Team wechseln konnte/ musste.

Ja, es war Glück, dass in dem Team ein Platz frei wurde, dass ich die Erfahrung hatte, die der Platz forderte und dass die Teamleiterin große Stücke auf mich hält und kein Problem damit hatte, dass ich nicht bis 18 Uhr im Büro war.

Es spielte sich schnell ein. Mir wurden eigene Projekte übertragen, ich kommunizierte, wie es meiner Position angemessen war, mit Kunden, Experten, Dienstleistern, war für Budgets mitverantwortlich – wie ein ganz normaler Arbeitnehmer. Das Kind spielte von 9 bis 14 Uhr (später von 9 bis 16 Uhr) keine Rolle. Es hat keinen interssiert:

Fürs Team war es kein Problem. Für den Kunden war’s auch kein Thema, dass Projekte mit mir halt nur bis nachmittags bearbeitet wurden. Davon profitierten sogar die Kollegen, weil der Kunde das so verinnerlicht hatte, dass auch für deren Projekte nichts mehr kurz vor Feierabend eintrudelte. Und selbst für meine Chefinnen war es auf einmal kein Diskussionsthema mehr. Nein, im Gegenteil: Es wurden Besprechungstermine mit mir abgestimmt und sich entschuldigt, wenn Besprechungen doch mal ungünstig lagen.

Es lief so gut, dass ich ein halbes Jahr nach meinem Wiedereinstieg dann doch endlich meine Beförderung bekam – weiterhin in Teilzeit (30 Stunden pro Woche). Und damit war ich die erste Teilzeit-Kraft im Büro, die befördert wurde.

Sicherlich war ich in einer Sondersituation: Dadurch, dass der monsieur zu Hause war und so der mini-monsieur versorgt war, brauchte ich nicht pünktlichst aus dem Büro hetzen, um den Lütten irgendwo abzuholen. Dennoch habe ich nicht unnötig lang im Büro gesessen.

Zudem gab es die Regelung, dass Überstunden bei Teilzeit-Mitarbeitern ausgeglichen werden sollten (auf Wunsch auch auszahlen, aber das lohnt sich ja bekanntlich nicht). Und so ging ich mal früher oder hatte einen Extra-Tag frei. In den letzten Monaten meiner Teilzeit häuften sich – aus einer neuen personellen Situation heraus – Überstunden** an. Für den mini-monsieur und mich war das gar nicht schlecht, so konnten wir uns schleichend daran gewöhnen, wie es wohl sein wird, wenn ich wieder Vollzeit arbeite.

Wie ich schon mal schrieb, glaube ich, dass Teilzeit eigentlich ein für alle Beteiligten lukratives Modell ist. Und ich erlebe immer mehr, dass das auch von Arbeitgebern gesehen wird.

Das ist schön. Nicht nur für Frauen, die Kinder haben und arbeiten (wollen).

* Das sollte ich nämlich eigentlich schon vor meiner Schwangerschaft. Aber die kam da ja dazwischen.
** Die Überstunden habe ich weder meiner Chefin noch dem Finanzamt geschenkt, sondern durfte sie während der Vollzeit abbauen.

In Kürze

Ausnahmsweise (was ist schon die Regel bei drei Wochen) bin ich am Wochenende nicht nach Hamburg gefahren. Der monsieur und der mini-monsieur sind in Frankreich.

Was soll ich also in Hamburg?

Ja, was soll ich da? Blumen gießen, Post aus dem Briefkasten holen, frieren, Nachbarn durch meine bloße Anwesenheit ärgern… Vielleicht mich von Hamburg verabschieden.

Denn nach dem Disaster am Dienstag (genau genommen Montag abend) habe ich keine wirklichen Optionen* mehr in Hamburg. Wobei Disaster auch zu viel ist. Es fällt mehr in die Kategorie: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“.

Ich hatte ein Bewerbungsgespräch für eine interessante Stelle: Öffentlichkeitsarbeit für eine medizinische Forschungseinrichtung. Öffentlicher Dienst mit dem ein oder anderm Extra. Spannend. Mit dem Haken, dass die Stelle befristet war. Aber gut, nach der Kündigung kann mich diesbezüglich nicht so viel schrecken. Und wer weiß schon, was in eineinhalb Jahren ist.

Durch die Pendelei und überhaupt habe ich erst Montag abend die Gelegenheit, mir noch mal die Stellenanzeige anzugucken. Wenigstens noch mal gucken, worum es thematisch ginge. Versteckt im einleitenden Fließtext finge ich die gewünschte Information. Doch uups, was steht denn da?!

„Hälfte der regulären Arbeitszeit“ – eine halbe Stelle?! Ich blicke auf meine extra für den Termin lackierten Fingernägel: Mist. Die hab‘ ich umsonst aufgehübscht. Halbe Stelle – halbes Gehalt. Das kann ich knicken.

Ich suche schnell nach den TV-L-Entgelttabellen. Nein, egal, wie ich eingestuft werde, das funktioniert nicht. Mit keiner Stufe in meiner potentiellen Entgeltgruppe komme ich bei 50 Prozent auch nur annähernd an mein jetztiges Gehalt ran. So viele Zulagen kann ich gar nicht bekommen.

Ich ärgere mich ein wenig darüber, dass es scheinbar keinem dort aufgefallen ist, dass ich eine Vollzeitstelle suche beziehungsweise ein Vollzeitgehalt fordere.

Doch in erster Linie bin ich genervt von mir selbst, weil ich eben nicht richtig gelesen habe und dafür einen kostbaren Urlaubstag vergeudet habe. Ich überlege, ob ich nachts um 23h00 noch eine e-mail schreiben kann/ darf/ sollte, mit der ich den vermutlich ersten Termin des Tages (9h00) absage.

Ich entscheide mich dagegen. Der freie Tag ist jetzt weg, mein Zug nach Frankfurt geht erst später.

Also gondele ich am Dienstag einmal quer durch Hamburg und hoffe auf ein Wunder: halbe Stelle – volles Gehalt. 50 Minuten später (von Tür zu Tür) ist mir das Wunder fast schon egal. Die Vorstellung, knapp zwei Stunden täglich in den Öffis zu vergeuden, ist schon fast ein Totschlagargument.

Ich bin etwas zu früh, aber zwei meiner mir androhtengekündigten Gesprächspartner sind schon da. Es macht den erwarteten befürchteten leicht chaotischen Eindruck einer öffentlichen Forschungseinrichtung. Ich folge den beiden – leider nicht ganz unaffällig, weil auf einmal meine Schuhe knatschen – zum auserkorenen Raum.

Wir setzen uns und es geht gleich zur Sache. Ich soll von mir erzählen, warum ich bei denen Pressearbeit machen möchte, was ich vorher gemacht habe. Mir wird erzählt, was bisher die Aufgaben der Pressetante waren. So ganz ausgegoren klingt das nicht. Dass es neben Original-Publikations-Journalen noch weitere Fach-Journale gibt, scheint dort keiner zu wissen. Es ist wirklich schon mal gut, wenn eine Forschungseinrichtung erkennt, dass sie Öffentlichkeitsarbeit machen sollte. Aber ich fürchte, dass ich sie mit meinen Erfahrungen aus dem Agentur-Alltag überfahren würde. Es wirkt alles sehr recht unausgegoren. Und ich frage mich, ob ich nicht zu viel Ordnung rein gebracht hätte.

Aber bevor ich mir die Frage beantworten kann, kommt – als wäre es meinem Gegenüber erst jetzt eingefallen – die Frage, ob mir bewusst sei, dass es sich um eine halbe Stelle handele. Ja, seit gestern abend.

Ob mir das ausreiche, kann ich – nachdem mir bestätigt wird, dass ich von der richtigen Entgeltgruppe ausgegangen bin – leider nur mit: Nein, das geht nicht.

Und damit war das Gespräch nach noch nicht mal 15 Minuten beendet.

Kürzer war bis dato nur meine Anwesenheit bei meiner letzten Spanisch-Klausur: Ich erhielt die Aufgaben, guckte drauf und entschied schnell, dass die 6 der freie Vormittag der 5 vorzuziehen ist.

* Ein kleines Eisen ist noch im Hamburger Feuer. Aber so recht glaube ich nicht daran und außerdem frage ich mich, ob ich das wirklich will.

Die Artikelin

Herr Buddenbohm machte auf einen interessanten Artikel aufmerksam. Und ich rätsele, was ich davon halten soll. Wie stehe ich dazu?

Ins Deutsche haben weibliche Formen von allem und jedem in den frühen 1980er Jahre Einzug gehalten. Ich kenne es gar nicht anders. Habe ich doch erst etwas später schreiben und lesen gelernt. Und dennoch finde ich dieses Zerstückeln von Wörtern und Sätzen, nur um der politischen Korrektheit genüge zu tun, sehr anstrengend.

Dazu geht es in meinem Beruf – neben ein paar anderen Dingen – darum, dass ich nicht immer ganz einfache Sachverhalte knackig, verständlich, ansprechend und gleichzeitig inhaltlich korrekt verschriftliche. Da kann und will ich nicht noch zusätzliche Spirenzchen machen, nur um der politischen Korrektheit gerecht zu werden. Daher verzichte ich persönlich auf solche Konstrukte, greife lieber eher auf neutrale Formulierungen zurück wie zum Beispiel „Studierende“ statt „Studentin“ oder „Student“.

Ich habe es auch mal anders versucht. Damals. Da habe ich in meiner „opportunen“ Phase in Schularbeiten konsequent das generische Feminium eingesetzt: „frau“ statt „man“ und alles mit „in/nen“. Aber das war anstrengend. Denn es hatte nichts mit der gesprochenen Sprache zu tun.

Und seien wir mal ehrlich: Was außer Aufmerksamkeit erreiche ich damit? Wenn ich mit jemandem kommuniziere, brauche ich eine gemeinsame Sprache. Auch Bayern und Hamburger sollten/ müssen sich auf so etwas wie Hochdeutsch einigen, wenn sie sich verständigen möchten. Jedes ungebräuchliche Wort des eigenen Dialekts führt zu Unverständnis beim Gesprächspartner und weg vom Inhalt.

Gut, nun könnten wir sagen, dass ein generisches Femininum kein Dialekt ist und eigentlich von jedem verstanden wird. So gut haben wir uns dann mittlerweile doch an das Binnen-I  und Schrägstriche gewöhnt. Obwohl ich ja immer, wenn ich „der/ die“ lese, an mein „la/ le/ lu“ denken muss, das ich französichen Substantiven voraussetze, wenn ich mir mal wieder ob des Genus nicht sicher bin.

Ach ja, die Franzosen (ich sitze ja an/ neben/ auf der Quelle): Die jammern auch über den Verfall ihrer Sprache. Französiche Jugendliche könnten nicht mehr richtig schreiben. Verlan und Argot haben das Hoch-Französisch stark beeinflusst. Die begrenzte Zeichenzahl bei SMS hat dazu beigetragen, dass Wörter extrem verkürzt bzw. so wie sie gesprochen, geschrieben werden (que -> ke, qu’il -> kil um nur kleine Beispiele zu nennen). ABER, aber bislang habe ich noch von keiner Diskussion gehört, wie man das Französische verweiblichen könnte. Denen reicht schon die Abschaffung der mademoiselle. In den meisten Fällen gibt es sogar eine weibliche Form, die man aber – wenn überhaupt – nur geschrieben erkennen kann (im Regelfall böte sich daher ein Binnen-E an). Daher würde kein Franzose eine persönliche Rede mit „Cheres amies et chers amis“ (Liebe Freundinnen und Freunde) beginnen, sondern einfach „Chers amis“ sagen. Oder wenn NUR Frauen vor ihm sitzen: „Cheres amies“, aber das hört ja eh keiner.

Aber zurück zum generischen Femininum: Was gewinnen wir Frauen wirklich damit, wenn er eingeführt wird? Tuen wir uns einen großen Gefallen, uns so in den Vordergrund zu spielen (und die Frage stellt hier ein doch recht extrovertierte Person). Möglicherweise stört er in geschriebender Form mittelfristig gesehen keinen. Aber GESPROCHEN ist es (noch) eine Besonderheit, mit der ich die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Unterhaltung abziehe.

Da ist die Menschin nun mal eine Gewohnheitstierin.**

 

* Als alte Lateinerin (sic!) würde ich DAS und nicht der Maskulinum sagen. Einwände?

** Vielleicht müsste das generische Femininum konsequent wie der Euro eingeführt werden. Wenn es keine Alternativen gibt, gewöhnt man sich ja schnell um (oder trauert ewig den guten alten Zeiten nach).

Pendeln

Die Sache mit dem Pendeln ist nichts Neues für mich.

Ich bin während meiner Diplomarbeit täglich gependelt. Von Bielefeld nach Bad Oyenhausen und zurück – mal mit dem Zug, mal mit dem Auto, selten mit dem Fahrrad (eher am Wochenende, wenn ich schauen musste, wie es meinen Zellen geht).

Ich bin während meines Praktikums gependelt. Von Bielefeld nach Frankfurt und zurück und täglich von Frankfurt nach Darmstadt – mit dem Auto.

Ich bin während meines ersten Jahres als richtige Angestellte gependelt. Von Bielefeld nach Frankfurt und zurück. Meist mit dem Auto, selten mit dem Zug.

Das letzte Mal Pendeln war die Light-Version: alle zwei Monate von Frankfurt in die Bretagne zum monsieur. Einmal mit dem Flieger, sonst mit dem Zug. Der monsieur kam mit dem Flieger, dem Zug und mit dem Auto. Nach neun Monaten war Schluss damit, denn dann zog monsieur nach Frankfurt.

Nun pendel ich wieder mal: Von Hamburg nach Frankfurt. Mit dem Zug. Fliegen ist zu teuer und Auto macht keinen Sinn steht eh nicht zur Verfügung.

Eigentlich finde ich Zugfahren prima. Und von Hamburg nach Frankfurt ist es auch besonders entspannt: Im Norden rein in den Zug und im Süden wieder raus. Kein Umsteigen. Alles Bestens.

Eigentlich…

Wäre da nicht dieser blöde Fehler, der mir unterlaufen ist. Ich könnte mich in den Hintern beissen:

Zum Arbeiten muss ich am Anfang der Woche (Montag oder Dienstag) VON Hamburg NACH Frankfurt pendeln und am Ende der Woche (Normalfall Donnerstag) wieder zurück. Schließlich wohne ich noch in Hamburg und arbeite hauptsächlich in Frankfurt. Entsprechend muss ich meine Zugfahrkarten buchen.

Für die erste Woche hat das problemlos geklappt. Doch schon in der zweiten Woche war der Wurm drin.

Da mir nicht klar war, ob ich in der zweiten Woche Montag und Freitag in HH arbeiten werde, habe ich meine Zugtickets für Dienstag und Donnerstag erst kurz vor knapp im Büro gebucht. Zum Glück noch einen Sparpreis erwischt. Ich wundere mich zwar noch, dass der Sprinter von HH nach Ffm nicht fuhr, dachte mir aber nix dabei. Die Abfahrtzeit (kurz vor 6h00) passte. Rückfahrt das gleiche (da gibt es keinen Sprinter): Die Abfahrtzeit passte.

Am Dienstag quäle ich mich also in aller Frühe aus dem Bett. Verlasse etwas früher als nötig das Haus, da ich noch Franzbrötchen als Einstand kaufen möchte. Mit Trolley, Tasche und 20 Franzbrötchen im Karton steige ich in die U-Bahn, linse noch schnell auf mein A4-Ticket: Abfahrt auf Gleis 7. Komisch, denke ich, die Fernzüge fahren in HH doch immer am Arsch der Welt von Gleis 13/14 ab. Aber soll ich mich darüber aufregen, dass ich ein paar Meter weniger laufen muss?!

Am Bahnhof schnell auf die Anzeigetafel geguckt: Ach, der Zug fährt doch von Gleis 14. Naja, Gleis 5 und 6 sind ja gesperrt. Irgendwie muss das ja umverteilt werden.

Auf Gleis 14 gehe ich zum Wagenstandsanzeiger und schaue…

… und wundere mich, dass „mein“ Zug auf dem Wagenstandsanzeiger von Gleis 14 angeschlagen ist.

So langsam dämmert es mir: Hier stimmt was nicht. Ich vergleiche die Zugnummern: Ah, hier ist das Problem. Blick aufs Abfahrtposter: Nur dieser eine Zug von HH nach Ffm um kurz vor 6h00. Ach, und der Sprinter fährt doch.

Jetzt ist auch mir klar, dass irgendwas ganz faul ist: Als ich mir um 5h45 zum ersten Mal mein Ticket genau anschaue, sehe ich, dass ich nicht Hamburg-Frankfurt-Hamburg gebucht habe, sondern genau umgekehrt. SCH***.

Natürlich bin ich am Ende des Bahngleises (Wagen 1) und der nächste Automat ist weit weg auf der Galerie. Ich fluche vor mich hin und buche für den Normalpreis (zum Glück mit Bahncard) ein Ticket im Sprinter. Die 30 Minuten Vorsprung sind mir die 7,50 Euro wert*.

Als ich dann endlich Internetzugang habe – also defintiv nicht im Zug im Büro – will ich wenigstens mein Rückfahrtticket umtauschen.

Seitdem bin ich im engen e-Mail-Austausch mit der Deutschen Bahn AG und bereits bis zum Kundendialog weitergeleitet.

Mal schauen, wann sich Herr Grube bei mir meldet.

* Nach der Fahrt kann ich sagen: Ab Hannover schlafen zu können, weil man nicht mehr von irgendwelchen Schaffnern und Neuzugestiegenen genervt wird, ist das Geld mehr als wert.

Wir geh’n auf große Drachenjagd…

… und haben keine Angst. Wir haben unser Schild dabei und auch ein‘ langen Stock.

Mit dem „Gesang“ hätten die kleinen Ritter und Burgfäulein durch unser Viertel ziehen können, als es am vergangenen Samstag soweit war:

Die große Ritter-Drachen-Party des mini-monsieurs

Die ritterliche Tafel steht bereit. Denn vor der großen Drachenjagd muss sich zunächst gestärkt werden mit Ritterburg-Kuchen und Saft-Schorlen.

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Auf den Plätzen liegt für jeden Ritter ein Schild und für jedes Burgfräulein ein Spitzhut (nicht sprechend).

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Eine Mutprobe wartet auch auf die Ritter in spe und die Burgfräulein: Es gibt Drachenschleim.

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Nur echte Drachenritter trauen sich Drachenschleim* zu essen.

Mit ausreichend hohem Zuckerspiegel (gut für die Moral), Schilden und Spitzhüten geht es dann auf Drachenjagd: vom nahen Spielplatz bis zu uns nach Hause (ursprünglich anders gedacht, aber monsieur und ich haben es noch kurzfristig umgeworfen).

Auf dem Spielplatz spielen die Kids eine Weile, bis mein Bruder – stilecht als Ritter verkleidet – in den Himmel schaut und meint: „Hört ihr was? Und seht ihr was?“ Sechs Kinderköpfe recken sich gen Himmel und versuchen durch die Baumkronen zu linsen. „Da fliegt was großes Grünes mit eine roten Schwanzspitze.“ Offene Münder, angestrengtes Schauen. „War das der Drache?“ „Ich glaube, der hat was verloren. Was Silbrig-Glänzendes ist da gerade runtergefallen. Habt ihr’s gesehen?“ Ein kurzes Raunen geht durch die kleine Rittertruppe. Dann Gewusel: Wo und was genau hat der Drache verloren? Das eifrige Suchen wird belohnt mit einer in Alupapier Silber eingeschlagenen Botschaft:

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Schnell die Schilde schnappen und die Hüte wieder aufsetzen. Wo ist die Spur? Wie sieht sie aus? Es geht hin und her, bis die Kleinste die erste Spur entdeckt.

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Von da wird es ein Selbstläufer. Immer wieder entdeckt eine oder einer einen weiteren Fußabdruck – entweder hängend oder aufgemalt. (Hat sich meine Arbeit in der Mittagszeit doch gelohnt.) Weiterlaufen bis zur ersten Botschaft:

Bild folgt

Oh, ein Waffenlager. Was mag das sein? Wo mag das sein? Vier mutige Ritter und zwei Burgfräulein galoppieren auf ihren unsichtbaren Pferden durchs Gehölz. Wo ist der nächste Fußabdruck?

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Zwischenstation gefunden: Die Waffenkammer. Bitte jede und jeder nur ein Kreuz Stock. Und BITTE BITTE NICHT AUF GAR KEINEN FALL gegeneinander verwenden. Echte Ritter gehen verantwortungsvoll mit ihren Waffen um.

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Bewaffnet zieht die kleine Mittelalter-Horde weiter. Da sind noch mehr Spuren. Und da! Und dort! Und auf der dahinten steht was:

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Waaas??? Der Drache hat ein Nest? Ein echtes Drachen-Nest mit Drachen-Eiern? Die Lanzen fest in der Hand geht es schnell weiter – von Spur zu Spur. Oh, da steht schon wieder was.

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Das Drachen-Nest ist in der Nähe. Etwas langsamer dafür mit Spähblick geht es weiter. DAAAA! Ein großer Fußabdruck. Der zeigt ins Gebüsch. Schnell ist es gefunden das verpackte Nest.

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Aufgerissen und gestaunt: Der Drache hat bunte Eier** – lila, grün, orange und blau.

Die Eier müssen zum Drachen gebracht werden. Ganz vorsichtig. Und sie dürfen nicht zu viel berührt werden. Wie praktisch, dass in dem Nest auch noch Löffel liegen.

Und so kommt Ruhe in die Meute. Der Knappe aka kleiner Bruder trägt Waffen und Schilde. Die Kinder (zumindest die, die das Prinzip Eierlaufen verstanden haben) eiern (das Wortspiel konnte ich nicht lassen) gehen vorsichtig weiter. Man sieht ihnen an, dass es nicht einfach ist, sich auf ein Drachen-Ei auf einem Löffel, den Weg und die Suche nach der nächsten Spur zu konzentrieren.

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Fast übersehen sie den letzten Hinweis, der leider auch nicht ganz stimmt. Ich habe die Hecke vorm Haus unterschätzt. Das kleine Mittelalter-Volk kann den Drachen noch nicht sehen. Doch weit kann der Drache nicht mehr sein und so gibt es kein Halten mehr.

Und tatsächlich: Der Drache hängt an einer Leine versteckt sich im Vorgarten (also in dem Teil direkt am Haus und ohne Rosen). Doch um an den Schatz zu kommen, muss der Drache erlegt werden.

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Her mit  den Lanzen, wir ziehen in die Schlacht.

Keine fünf Minuten später liegt der Drache am Boden.

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Und keine weiteren fünf Minuten hat der Drache schon eine schwere Wunde am Bauch. Mutig greifen die Kinder hinein: Der Drache hat was verschluckt. Eine Botschaft und Gummibärchen zur Stärkung der erfolgreichen Truppe.

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Bei der süßen Stärkung erfahren die tapferen Ritter und Burgfräulein von ihrer letzten Aufgabe: Den wahren Schatz suchen. Burgfräulein Li gibt den entscheidenden Hinweis und der Schatz mit den Mitgebseltüten kann geborgen werden.

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Nachdem der Inhalt der Tüten gesichtet wurde, geht’s trotz oder gerade wegen des Sonnenscheins wieder rein. Bis zum Abendessen gibt’s kein Programm mehr. Einfach so spielen tut ihnen gut. Im Zimmer des mini-monsieurs gibt es auch genug zu entdecken. Jede und jeder findet was, was er mit sich oder den anderen spielen möchte. Ich nutze die Zeit und bereite das Abendessen vor.

Kurz vor 18h00 ist es fertig und auch langsam nötig. Unterzuckerung macht sich breit und die Stimmung droht zu kippen. Doch die Spinnen, Drachenaugen und das Drachenblut will sich keiner der tapferen sechs entgehen lassen. Ratzfatz sind die Schüsseln leer(er).

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Wer will bekommt noch etwas Drachenschleim zum Nachtisch und kann dann wieder spielen gehen…

* Der positive Nebeneffekt von Wackelpudding: Kinder die wenig oder schlecht trinken, nehmen so gut Flüssigkeit zu sich.

** Mini-Maracas