Liebes Tagebuch am Fünften (Mai)

Heute ist es wieder so weit. Das Schöne und Spannende an Frau Brüllens Fünfter-Aktion ist, dass es immer ein anderer Wochentag ist.

Nachdem gestern Abend der mini-monsieur ganz allein und weil völlig fertig auf dem Sofa eingepennt ist und ich auch wie eine gefällte Eiche kurz drauf daneben lag, wachten wir um

10h00 bestens gelaunt auf. Nach kurzer Orientierung zischt das Kind ab, um den Papa zu wecken. Mein brillenloser Blick durchs Wohnzimmer lässt mich für den Bruchteil einer Sekunde stutzen: Der Hund hat doch nicht etwa aus Rache dafür, dass er aufgrund seiner Läufigkeit gerade so wenig raus kommt etwas Braunes mitten auf dem Parkett hinterlassen?!
Die schnell aufgesetzte Brille sorgt für Entspannung: Da sitzt mitten im Zimmer ein Maikäfer. Wow. Schon lang nicht mehr gesehen. Der muss fotografiert werden. Also schnell Glas drüber und die Kamera holen.

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Erste Shooting-Runde mit Kamera und Handy.

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Nach kurzem Familien-Kuscheln wird der Mut des Kindes getestet. Er hat momentan totale Angst vor allem, was kreucht und fleucht.
Letzens war eine Hummel in der Wohnung, da hat er so geschrien, als wäre er von einem Hornissen-Schwarm attacktiert worden. Und die Fliege zwei Tage drauf war ähnlich gefährlich. Allerdings gestern Abend in der U-Bahn hat er sich mit der Wespe unterhalten, die darin rumflog… Aber ich schweife ab.
Ich nehme also das Kind mit ins Wohnzimmer und erwarte schon Schlimmstes – vor allem, als ich das Glas hochhebe. Doch der mini-monsieur guckt interessiert und der Käfer selbst macht nix. Ein Bein des armen Käfers scheint nicht ganz in Ordung und der ganze Käfer irgendwie auch nicht. Um ihm noch eine Chance zu geben, stülpe ich das Glas wieder drüber, nehme eine Pappe und setze ihn zusammen mit dem Kind in einen bereits bepflanzten Blumenkasten. Die Sonne, die feuchte Erde, der natürliche Untergrund scheinen die Lebensgeister zu wecken. Ich muss noch einmal die Kamera zücken.

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10h40 So genug Fotos gemacht. Der monsieur scheucht sich selbst hoch. Er will Brötchen holen. Das Kind schnappt sich ein Buch.

11h00 Der Mann kommt endlich los, um mit dem Hund Brötchen zu holen. Ich bereite das Frühstück vor. Unser Morgen-Ritual: Wie immer frisch gemahlener Kaffee für den Mann und Tee für mich. Der Rest kommt aufs Tablett. Tisch decken.

11h10 Dem Kind fällt ein, dass Löwenzahn kommt und während ich mit Frühstücksvorbereitungen beschäftigt bin, darf er gucken. Die nachfolgende Sendung mit der Maus darf auch beendet werden, obwohl wir mittlerweile mit dem Frühstück anfangen konnten – sprich der monsieur mit den Brötchen zurück war.

12h30 Frühstück beendet. Ich drehe ein fb-, IG- und Blog-Runde. Das Kind bastelt: Flugzeuge und Dinos aus alten Milchkartons, Klorollen, beschäftigt sich mit Lego. Ich versuche dem haarenden Hund Herr zu werden. Es wird zum Glück weniger, da es konstanter warm ist. Dafür ist der Hund zur Zeit läufig. Also muss ich eine Extra-Feudelrunde drehen.

13h15 Die Sonne „knallt“ auf den Balkon. Wir stressen uns also nicht und tanken erstmal Licht und Wärme auf Balkonien. Ich habe das Gefühl, dass ich das ganze vergangene Jahr nicht einmal so einen sonnigen Moment auf dem Balkon genießen konnte. Der monsieur macht das, was er seit Tagen macht: Autoinserate online checken.

14h15 Telefonat mit dem kleinen Bruder. Danach machen wir uns endlich mal fertig, um noch mal rauszukommen.

15h10 Monsieur, mini-monsieur und ich düsen mit den Rädern los zum nächsten Spielplatz mit Wasser (!).

Ich mag den Spielplatz. Er bietet für viele Alterstufen was. Liegt gut im Schatten. Ist Teil des Hammer Parks. Und direkt neben dran ist ein Café, das leckersten Kuche und Kaffee auch zum Mitnehmen bietet. Was ich auch nutze und für den monsieur und mich was Koffeinhaltiges zum Trinken besorgen.
Und während der mini-monsieur den bewässerten Teil des Spielplatz nutzt, sitzen wir einfach nur da und freuen uns, dass das Kind sich mittlerweile auch mal selbst beschäftigen kann.
Es ist komisch: Fast immer, wenn ich auf diesem Spielplatz bin, habe ich das Gefühl, ich sei auf einem Spielplatz in Frankfurt. Mit Blick darauf, dass es für mich beruflich bald sehr wahrscheinlich zurück geht nach Frankfurt, fühlt es sich gleich komischer an.

18h00 Wir fahren zurück. Wer mich kennt und sieht, wie das Kind Fahrrad fährt, weiß, dass der mini-monsieur mein Kind sein muss. Es ist erschreckend erstaunlich beängstigend (immerhin hatte ich zwei nicht ganz harmlose Fahrradunfälle). Und genau wie für mich wäre für ihn die schlimmste Strafe Fahrrad-Verbot. Nix würde ihn so hart treffen wie das.

18h20 Zu Hause angekommen geht der monsieur direkt mit dem Hund raus und das Kind direkt unter die Dusche. Er ist etwas unleidlich, sodass wir schnell durch sind. Dann mache ich Essen. Zum Fleisch gibt es einen selbstkreierter Salat: Brokkoli, Tomaten, Schafskäse, Lauchzwiebeln und – ich bin da in den 1980ern hängengeblieben – geröstete Mandelstifte. Soooo lecker!

19h20 À table. Das Kind hat irgendwie schon Hunger, aber nicht soo sehr, dass er seinen Redefluss dafür unterbrechen möchte. Und sich selbst um die Nahrungsaufnahme will er sich schon mal gar nicht kümmern. Den monsieur nervt es, wenn ich den kleinen Mann füttere, aber ich habe auch keine Lust bis nachts am Tisch zu sitzen oder dass der mini-monsieur nachts ankommt, weil er Hunger hat.
Nachtisch (Tiramisu für die Großen, Eis für den Kleinen), abräumen, aufräumen, Zähne putzen, diskutieren, dass der mini-monsieur überhaupt nicht müde ist, aber dennoch um

21h00 im Bett ist und von Papa Märchen auf Französisch vorgelesen bekommt. Ich rufe derweil meine Mit-Kiga-Elternvertreterin an um zu klären, wer jetzt Blümchen und Karte für die doch sehr spontan ausscheidende Erzieherin besorgt.
Das ist was, was mich seit einer Woche beschäftigt: Eine der drei Erzieherinnen aus der Gruppe des mini-monsieurs hatte wohl nur einen Ein-Jahres-Vertrag. Das fiel der Kiga-Leitung wohl auch erst letzte Woche ein, sodass die Erzieherin schon am nächsten Mittwoch ihren letzten Tag hat. So zufrieden ich mit der Arbeit am Kind und dem Konzept in dem Kiga bin, so sehr bin ich genervt von der Kommunikation.

23h00 Habe fertig. Werde gleich noch eine ausgiebige Blog-Runde drehen und dann irgendwann auch mal ins Bett.