Von Kindern und Fernsehen

Beim kinderdoc war es vor einiger Zeit Thema. Und in Blogs mit Kindern liest/sieht man es auch: Kinder schauen fern.

Und ich wage mich nun in die Steinigungsgrube und verkünde: Der noch nicht vierjährige mini-monsieur guckt auch fern. Und nicht erst seit gestern, sondern schon eine Weile.

Es fing mit ganz kleinen, sehr vereinzelten Filmchen auf y**t*be an: Erinnerungen aus meiner Kindheit bzw. der des monsieurs. Das Kind hatte Spaß daran – wie an so vielem, was mit Technik zu tun hat.

Irgendwann kauften wir dann die erste DVD für den kleinen Mann. Die kleinen Geschichten von Mausi und ihren Freunden sind einfach süß, reduziert aufs Nötigste und spiegeln den Kinderalltag wider – ohne, dass es Gut und Böse gibt. Kindgerecht.

Es folgten nach und nach ein paar DVDs vom Kleinen Maulwurf und der Sendung mit der Maus.

Das reichte ein lange Weile aus. Wir konnten den Konsum sehr gut kontrollieren (nur eine oder zwei Mausi- oder Maulwurf-Geschichten). Bei den Maus-DVDs waren anfangs eh nur die Maus-Spots interessant. Dass es die Maus auch im Fernsehen gab, wusste er lange nicht. Klar kannte er den Fernseher, aber eben nur zum DVD sehen.

Irgendwann „reichten“ einzelne Geschichten nicht mehr aus. Er kannte die DVDs auswendig und wollte alle Episoden sehen. Und gelegentlich gaben wir dem nach.

Das lange Fernsehen kam, als er mit dem Papa allein nach Frankreich gefahren ist. Mit dem Auto von Frankfurt in die Bretagne. Da hat er seine DVDs am Stück gucken dürfen und auch mehr als eine. Und ich bin mir sicher, wenn es nicht den portablen DVD-Spieler gegeben hätte für die Fahrt, dann hätte die Reise mindestens 3-4 Tage gedauert. Es ist nun mal nicht einfach, ein Kind zu unterhalten, wenn man sich eigentlich auf den Straßenverkehr konzentrieren muss. Und wenn ich an „früher“ denke, dann erinnere ich mich daran, dass meine Eltern nie alleine mit uns weite Strecken gefahren sind, sodass sich immer einer um unsere Bespaßung kümmern konnte.

Mittlerweile weiß der mini-monsieur, dass am Sonntag morgen Sendung mit der Maus (und davor Löwenzahn) kommt. Durch Zufall sind wir mal am Samstag auf Marvi Hämmer gestoßen und er durfte es sehen, wenn es sich zeitlich einrichten ließ. Zum Bedauern des jungen Manns kommt es zur Zeit nicht. Auch sind wir mittlerweile bei ganzen Filmen angekommen. Das Kind liebt z.B. Ice Age 3 und König der Löwen.

Zudem nutzen wir das Medium Film/DVD auch, damit der mini-monsieur Französisch über einen weiteren Kanal hört.

Rein formal gehöre ich sicherlich nicht zu der Bevölkerungs-/Bildungsschicht, die ihr Kind vor dem Fernseher verdummen lässt. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass Kinder nicht vom Fernseher erzogen und gebildet werden sollten. Aber ich denke, dass man nicht pauschal sagen kann, nur weil ein Kind mehr als so und so viele Minuten/Stunden fernsieht, dass das automatisch schädlich ist. So wie es einem die Empfehlungen von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien glauben machen wollen. Da frage ich mich wirklich, worauf die Aussagen beruhen bzw. aus welchem Jahrhundert die stammen.

Ich glaube nämlich, dass Medien wie Fernsehen, Computer, Smartphones und Tablets zur jetztigen Zeit gehören und dass es schon Realitäts-fremd ist, Kindern zu erzählen, dass das „Teufelszeug“ sei während man selbst mit dem Finger am Touchscreen klebt. Man muss sich einfach sein Kind anschauen: Wie geht es mit diesem Informationskanal um? Kann es die Informationen verarbeiten und einordnen? Was machen 5, 15, 60 Minuten Film/Fermsehen mit meinem Kind? Kind ist dabei nicht Kind. Was für das eine ok ist, muss für das andere noch lange nicht richtig sein.

Auch ist die Qualität entscheidend: Setze ich mein Kind Samstags morgens vor das gerade laufende Fernsehprogramm, damit ich in Ruhe noch eins, zwei Stunden schlafen kann oder suche ich (mit meinem Kind zusammen) gezielt Sendungen aus, die es (mit mir) gucken darf und bleibe auch konsequent bei Sendungen, die ich nicht in Ordnung finde. Hier ist zum Beispiel gerade das Dino-Fieber ausgebrochen. Da ist es eine nette Alternative zum Buch, mal einen Erklär-Film auf you*u*e rauszusuchen.

Letztlich ist doch auch entscheidend, ob das Gleichgewicht zu anderen Aktivitäten stimmt. Der mini-monsieur wird nirgendwohin mit dem Auto kutschiert. Zum Kindergarten geht es bei Wind und Wetter zu Fuß, mit dem Rad oder Schlitten. Durch den Hund sind wir eh viel draußen. Er kocht gerne mit mir, verkriecht sich allein mit einem Buch, spielt völlig versunken in seinem Zimmer. Mittlerweile hat er auch das Basteln und Memory für sich entdeckt.

Und wenn er nachmittags nach einem Tag unter Kindern mit viel Programm aus dem Kindergarten nach Hause kommt, ist er meistens ziemlich fertig. Wenn wir ihn ließen, würde er schlafen (dann hätten wir aber vor 23h00 keine Ruhe). Wenn er dann nicht mehr raus oder spielen mag, darf er auch was gucken. Meist sucht er sich dann Sachen raus, die er eh in- und auswendig kann. Das ist dann reines Berieseln zum Runterkommen. Da rührt sich zwar immer wieder mein schlechtes Gewissen und ich versuche ihn zu anderen Dingen zu motivieren. Aber eigentlich kann ich ihn verstehen.

Und wenn ich ehrlich bin: Ich finde es gar nicht so schlecht zu sehen, dass er sich auf einen langen Film konzentrieren kann, denn ich merke, dass er diese Konzentration auch für andere Dinge hat, wenn er sich über längere Zeit in seinem Zimmer beschäftigen kann oder bevorzugt nur die langen Geschichten vorgelesen haben möchten.

So und nun werft Steine 🙂

5 Gedanken zu „Von Kindern und Fernsehen

  1. Meine Liebe, von mir kommen keine, ich sitze selbst im Glashaus. Und es gibt so schöne Sachen von Willi wills wissen bis pur+ für die älteren … Meine Tochter war von klein auf „berufstätig“, musste mit uns früh morgens aus dem Haus und kam erst gegen 17 Uhr heim. Wir hatten/haben uns jeweils etwas Entspannung verdient 🙂

    • Ich glaube letzlich kommen auch nicht so viel Steine.
      Aber ich finde dieses bigotte Getue um die Flimmerkiste so anstrengend. Wenn’s um den Fernseh-/Film-Konsum der Klein(st)en geht, wird immer verschämt auf den Boden geguckt und gemurmelt ‚Ja, die Sendung mit der Maus hat er/sie schon mal gesehen. Aber mehr wirklich nicht.‘ Oder dieses Vorverurteilen und Getuschel über Familien, bei denen mehr geguckt werden darf. Ganz ehrlich: Solang das Kind gut drauf ist, sich normal entwickelt, ist es doch echt egal, wie lang das Kind TV oder andere Medien konsumiert.
      Mein kleiner Bruder hat seit jeher viel (wirklich viel) Fernsehen geguckt. Der ist auch groß und was Anständiges geworden.

  2. Ich finde es nicht gut. Aber jeder ist für seine Kinder verantwortlich. Und du nimmst es halt auf diesem Gebiet nicht so genau. Ist deine Einstellung.
    Und respektiere ich!
    Aber dann darfst du dich auch nicht beschweren wenn es dann beginnt mit den Schulproblemen u.ä.

    • Dieses „nicht genau nehmen“ definiert wer? Ich habe in meinem Bekanntenkreis eine Mutter, die es sehr genau genommen hat. Das Kind muss trotzdem Rit*lin nehmen.
      Ich finde dieses Generalisieren ziemlich anstrengend. Ich sage ja auch keiner Mutter, dass ihr Kind weltfremd ist, wenn es noch nie Fernsehen geguckt hat. Nur, weil irgendwer sich zum Experten erhobenen hat, beten alle nach, was gerade durch die Medien geistert (in den 1970ern war übrigens das Stillen sehr schlecht gelitten).
      Ich komm aus einem pädagogisch geprägten Haushalt (Mama leitet eine Kita, Papa ist Prof für Pädagogik). Das relativuert viel von dem, was einem so eingeredet wird/ werden soll. Und solang ich z.B. aus dem Kiga nicht höre, dass der mini-monsieur irgendwie auffällig ist, brauchen wir unseren Erziehungsstil für UNSER Kind nicht ändern.

  3. Pingback: Von Kindern und Fernsehen (Teil 2) | Neues aus der Großstadt

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