Von Kindern und Fernsehen

Beim kinderdoc war es vor einiger Zeit Thema. Und in Blogs mit Kindern liest/sieht man es auch: Kinder schauen fern.

Und ich wage mich nun in die Steinigungsgrube und verkünde: Der noch nicht vierjährige mini-monsieur guckt auch fern. Und nicht erst seit gestern, sondern schon eine Weile.

Es fing mit ganz kleinen, sehr vereinzelten Filmchen auf y**t*be an: Erinnerungen aus meiner Kindheit bzw. der des monsieurs. Das Kind hatte Spaß daran – wie an so vielem, was mit Technik zu tun hat.

Irgendwann kauften wir dann die erste DVD für den kleinen Mann. Die kleinen Geschichten von Mausi und ihren Freunden sind einfach süß, reduziert aufs Nötigste und spiegeln den Kinderalltag wider – ohne, dass es Gut und Böse gibt. Kindgerecht.

Es folgten nach und nach ein paar DVDs vom Kleinen Maulwurf und der Sendung mit der Maus.

Das reichte ein lange Weile aus. Wir konnten den Konsum sehr gut kontrollieren (nur eine oder zwei Mausi- oder Maulwurf-Geschichten). Bei den Maus-DVDs waren anfangs eh nur die Maus-Spots interessant. Dass es die Maus auch im Fernsehen gab, wusste er lange nicht. Klar kannte er den Fernseher, aber eben nur zum DVD sehen.

Irgendwann „reichten“ einzelne Geschichten nicht mehr aus. Er kannte die DVDs auswendig und wollte alle Episoden sehen. Und gelegentlich gaben wir dem nach.

Das lange Fernsehen kam, als er mit dem Papa allein nach Frankreich gefahren ist. Mit dem Auto von Frankfurt in die Bretagne. Da hat er seine DVDs am Stück gucken dürfen und auch mehr als eine. Und ich bin mir sicher, wenn es nicht den portablen DVD-Spieler gegeben hätte für die Fahrt, dann hätte die Reise mindestens 3-4 Tage gedauert. Es ist nun mal nicht einfach, ein Kind zu unterhalten, wenn man sich eigentlich auf den Straßenverkehr konzentrieren muss. Und wenn ich an „früher“ denke, dann erinnere ich mich daran, dass meine Eltern nie alleine mit uns weite Strecken gefahren sind, sodass sich immer einer um unsere Bespaßung kümmern konnte.

Mittlerweile weiß der mini-monsieur, dass am Sonntag morgen Sendung mit der Maus (und davor Löwenzahn) kommt. Durch Zufall sind wir mal am Samstag auf Marvi Hämmer gestoßen und er durfte es sehen, wenn es sich zeitlich einrichten ließ. Zum Bedauern des jungen Manns kommt es zur Zeit nicht. Auch sind wir mittlerweile bei ganzen Filmen angekommen. Das Kind liebt z.B. Ice Age 3 und König der Löwen.

Zudem nutzen wir das Medium Film/DVD auch, damit der mini-monsieur Französisch über einen weiteren Kanal hört.

Rein formal gehöre ich sicherlich nicht zu der Bevölkerungs-/Bildungsschicht, die ihr Kind vor dem Fernseher verdummen lässt. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass Kinder nicht vom Fernseher erzogen und gebildet werden sollten. Aber ich denke, dass man nicht pauschal sagen kann, nur weil ein Kind mehr als so und so viele Minuten/Stunden fernsieht, dass das automatisch schädlich ist. So wie es einem die Empfehlungen von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien glauben machen wollen. Da frage ich mich wirklich, worauf die Aussagen beruhen bzw. aus welchem Jahrhundert die stammen.

Ich glaube nämlich, dass Medien wie Fernsehen, Computer, Smartphones und Tablets zur jetztigen Zeit gehören und dass es schon Realitäts-fremd ist, Kindern zu erzählen, dass das „Teufelszeug“ sei während man selbst mit dem Finger am Touchscreen klebt. Man muss sich einfach sein Kind anschauen: Wie geht es mit diesem Informationskanal um? Kann es die Informationen verarbeiten und einordnen? Was machen 5, 15, 60 Minuten Film/Fermsehen mit meinem Kind? Kind ist dabei nicht Kind. Was für das eine ok ist, muss für das andere noch lange nicht richtig sein.

Auch ist die Qualität entscheidend: Setze ich mein Kind Samstags morgens vor das gerade laufende Fernsehprogramm, damit ich in Ruhe noch eins, zwei Stunden schlafen kann oder suche ich (mit meinem Kind zusammen) gezielt Sendungen aus, die es (mit mir) gucken darf und bleibe auch konsequent bei Sendungen, die ich nicht in Ordnung finde. Hier ist zum Beispiel gerade das Dino-Fieber ausgebrochen. Da ist es eine nette Alternative zum Buch, mal einen Erklär-Film auf you*u*e rauszusuchen.

Letztlich ist doch auch entscheidend, ob das Gleichgewicht zu anderen Aktivitäten stimmt. Der mini-monsieur wird nirgendwohin mit dem Auto kutschiert. Zum Kindergarten geht es bei Wind und Wetter zu Fuß, mit dem Rad oder Schlitten. Durch den Hund sind wir eh viel draußen. Er kocht gerne mit mir, verkriecht sich allein mit einem Buch, spielt völlig versunken in seinem Zimmer. Mittlerweile hat er auch das Basteln und Memory für sich entdeckt.

Und wenn er nachmittags nach einem Tag unter Kindern mit viel Programm aus dem Kindergarten nach Hause kommt, ist er meistens ziemlich fertig. Wenn wir ihn ließen, würde er schlafen (dann hätten wir aber vor 23h00 keine Ruhe). Wenn er dann nicht mehr raus oder spielen mag, darf er auch was gucken. Meist sucht er sich dann Sachen raus, die er eh in- und auswendig kann. Das ist dann reines Berieseln zum Runterkommen. Da rührt sich zwar immer wieder mein schlechtes Gewissen und ich versuche ihn zu anderen Dingen zu motivieren. Aber eigentlich kann ich ihn verstehen.

Und wenn ich ehrlich bin: Ich finde es gar nicht so schlecht zu sehen, dass er sich auf einen langen Film konzentrieren kann, denn ich merke, dass er diese Konzentration auch für andere Dinge hat, wenn er sich über längere Zeit in seinem Zimmer beschäftigen kann oder bevorzugt nur die langen Geschichten vorgelesen haben möchten.

So und nun werft Steine 🙂

Zurück

Gestern war ich also zurück. Zurück in der Stadt, …

… in der ich nach dem Studium immer wohnen wollte
… in der ich meinen ersten Job hatte
… in der ich drei Wohnungen binnen sieben Jahren hatte
… die ich einfach mag
… in der der mini-monsieur gezeugt und geboren wurde
… deren kleinstädtisches Großstadt-Ambiente so schön ausgewogen ist
… die eine unverkennbare und in meinen Augen wunderschöne Skyline hat
… in der viele liebe Freunde wohnen
… in der ich geschieden wurde
… deren zentrale Lage einfach praktisch ist
… die mich gestern mit bestem Wetter empfing
… die mir Grüne Soße und Ebbelwoi in mein Leben gebracht hat
… die so schön grün ist
… die ich als meine zweite Heimatstadt bezeichnen würde
… die mir gerade einen tollen Job bietet
… in der ich fast alle Wege mit dem Rad erledigen kann
… in der ich mich sicher gefühlt habe (trotz Statistiken und Einbruch)
… deren Skyline wächst und wächst (was einfach nur spannend ist)
… die sich in den vergangen Jahren stark gemausert hat und immer weiter verändert

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… in der ich einfach viel erlebt habe und
… die ich schon vermisse.

So war das nicht geplant

Oder doch?

Ich hatte es ja schon geahnt und befürchtet, als ich die Bewerbung abgeschickt hatte: Wenn DIE sich nicht melden, dann stimmt was mit mir bzw. meinen Unterlagen nicht. Aber DIE haben sich gemeldet. Schnell. Sehr schnell.

Und so habe ich am Freitag Step 1 erfolgreichst absolviert: ein telefonisches Bewerbungsgespräch (mein erstes übrigens). Und am kommenden Mittwoch habe ich dann ein persönliches Gespräch vor Ort.

Tja, und dafür muss ich – tadaaaaa – nach

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Qual der Wahl?

Schon eine ganze Weile, aber seit der Kündigung insbesondere, überlege ich, ob ich mich in den Hintern beißen soll.

Im November 2011 hatte ich zwei Bewerbungsgespräche: eins in Frankfurt und eins in Hamburg. Beide waren erfolgreich und ich hatte die Wahl zwischen

  1. einem besser (als vorher) bezahlten Vollzeit-Job mit interessanten Perspektiven, spannenden Themen und neuer Struktur (Aufstellung innerhalb der Agentur)
    und
  2. einem noch besser bezahlten Teilzeit-Job, sicherlich auch interessanten Perspektiven, einem nicht so spannendem Thema (ein Thema, das ich bis dahin schon beackert hatte) und einer sicherlich nicht so neuen Strukturen

„Geld ist nicht alles“ und Hamburg lockte. Also wählte ich Option 1. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich mich rückblickend anders entschieden hätte. Denn die Aussicht, weiterhin das gleiche Thema wie schon die Jahre zuvor zu betreuen, war einfach keine Perspektive für mich. Nach 2-3 Jahren wäre ich dann nämlich so festgelegt auf das Thema, dass ich nur noch in die entsprechende Industrie hätte wechseln können.

Im Großen und Ganzen bereue ich es nicht, nach Hamburg gegangen zu sein. Ich habe viel gelernt. Es hat mich weitergebracht. Und ich bin in einer der wenigen deutschen Städte, in denen ich immer leben und arbeiten wollte. (Auf der Liste standen nur Frankfurt und Hamburg.)

Doch nun stehe ich wieder vor der Wahl (also noch nix Konkretes, aber die Stellenanzeigen kommen von überall her).

Wo es hingehen könnte

Wo es hingehen könnte

Doch eigentlich will ich gerne noch eine Weile in Hamburg bleiben. Das letzte Jahr hat mir kaum Gelegenheit zum Luftholen und Stadt-Kennenlernen gegeben.

Außerdem mag ich den Norden. Ich mag es in der Großstadt zu leben. Ich mag die Nähe zum Meer. Ich mag es, dass der kleine Bruder mit Familie nicht weit wohnt. Ich mag es, dass ich näher an meinen Eltern wohne. Ich mag unsere Wohnung. Ich mag es, dass der mini-monsieur sich gut eingelebt hat, bereits kleine Kumpels hat und sich im Kiga wohl fühlt.

Aber als Alleinverdienerin habe ich vielleicht nicht die Wahl…

5 Lieblinge zum Lesen

Ich hatte es schon bei das nuf gesehen und dann legte Journelle das Stöckchen aus. Stöckchen finde ich generell toll. Und Lese- bzw. Medien-Empfehlungen fürs Kind sind ja immer gut.

Auch wenn ich es gut finde, dass Frau Journelle noch weitere Medien einbezogen hat, werde ich mich auf Bücher beschränken.

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Übung macht den Meister (Matthias Sodtke)

„Das Beste ist, wie Nulli Prisesemut in die Nase pupst.“ Darüber kann sich der mini-monsieur immer wieder schlapp lachen. Ich finde das Buch gut, weil es mit zwei bekannten (Fernseh-) Helden das Thema „Üben“ aufgreift. Der kleine Mann des Hauses neigt nämlich dazu, es sich bequem zu machen.

Dr. Brumm (Daniel Napp)

„Das dicke Buch von Dr. Brumm“ enthält viele tolle Geschichten von Dr. Brumm und Pottwal. Das Kind liebt es, dieses Buch vorgelesen zu bekommen und kann es mittlerweile mitsprechen. „Wenn Dr. Brumm in die Waschecke taumelt, das ist so lustig.“ Das Buch macht auch einfach Erwachsenen Spaß vorzulesen.
Bei „Dr. Brumm geht wandern“ können wir prima erörtern, was man so braucht, wenn man draußen unterwegs ist.

Ein Feuerwerk für den Fuchs (Sven Nordquist)

„Der Gustavson mit seinem Hund ist doof. Der hat ein Gewehr. Das darf man nicht. Aber wenn es knallt und blitzt, das ist toll.“ Ein Klassiker. Das Buch ist noch von mir. Und ich freue mich, dass es dem mini-monsieur genauso gefällt wie mir. Die detailierten Bilder sind einfach nur toll und laden ein, Geschichten neben den Geschichten zu entdecken.

Das große Buch vom kleinen Erdmännchen Gustav (Ingo Siegner)

Das Buch ist relativ neu in der Sammlung (Oma macht’s möglich) und enthält zwei Geschichten. „Der Uhu-Stinke-Schuhu knallt vorn Baum und sieht nur noch Sternchen.“ Dann weiß ich immer, dass ich „Nachts auf dem Sambesi“ vorlesen soll. Die zweite Geschichte „Gustav spurlos verschwunden“ wird auch heiß geliebt: „Die mit dem Gipsbein. Da passiert ein Unfall. Und alle kommen zu Besuch.“

Tim fährt los nach Timbuktu (Harmen van Straaten)

Der kleine Tim sitzt in seiner Badewanne und stellt sich vor, dass er nach Timbuktu fährt. „Der Wal kommt und hilft und schiebt an. Und alle kommen mit. Sogar ein Pirat.“ Die Geschichte ist in Reimform geschrieben und liest sich ganz gut (trotz Übersetzung).

Was alle Bücher gemeinsam haben: Sie sind sehr detailreich gezeichnet. Immer wieder gibt es was Neues zu entdecken. Die Geschichten sind nicht unbedingt die kürzesten, aber sehr kurzweilig zum vorlesen. Aber es ist auch schön zu sehen, dass das Kind sich so lang auf etwas konzentrieren kann und will.

Ich habe noch nie mit Stöckchen geschmissen. Wer es „brauchen“ kann, nehme es sich sehr gerne. Ich bin gespannt.

Alles dreht sich…

Als ich klein war, da habe ich Karussells geliebt. Also die auf dem Spielplatz. Es konnte sich nicht lang und schnell genug drehen. Der Drehwurm war gewünscht und wurde genossen. Mittlerweile wird mir schon vom Zugucken abelig.
Karussells auf der Kirmes rufen hingegen gar keine Kinheitserinnerungen wach. Ich war – soweit ich mich erinnern kann – noch nie die begeisterte Kerbgängerin. Ich fand es auch als Teenie nicht reizvoll, an der Raupe rumzulungern und mich von irgendwelchen verpickelten Halbstarken einladen viel Geld für nix zu lassen.

Viele Jahre habe ich jegliche Art von Rummelplatz gemieden: zu laut, zu bunt, zu voll, zu teuer. Daher rätsele ich, wie ich mir diesen kleinen Kirmesfanatiker heranzüchten konnte. Es ist wahrscheinlich die Faszination, die Herr Buddenbohm so schön beschreibt.

So waren wir, seit wir in Hamburg wohnen, mindestens einmal auf dem jeweiligen Dom (Frühlings-, Sommer-, Herbst-, Winter-, Ferien-, Advents-, Statt-Karneval-, zum H&M-Saisonwechsel). Der mini-monsieur weiß dabei genau, was er will. Welche Fahrgeschäfte für ihn und welche für andere Zielgruppen bestimmt sind: „Das ist zu unheimlich. Das ist für Schulkinder.“ „Das ist zu gefährlich. Das darf Papa machen.“ „Das ist alles Geldschneiderei“, denken Mama und Papa.
Und damit wir nicht an jedem zweiten Fahrgeschäft „Das ist zu teuer“ sagen mussten, durfte/musste der mini-monsieur dieses Mal mit seinem eigenem Geld bezahlen. Stolz steckte er sich also sein Portemonnaie ein und zückte es noch stolzer an den Karussellen seiner Wahl, erklärte weltmännisch „Einmal, bitte!“ und nahm vor Vorfreude zappelnd Wechselgeld und Jeton in Empfang.

Das Strahlen und Leuchten in den Augen, die roten Wangen vor Aufregung – ja, das kann anstecken. Und wenn man sich darauf einlässt, ist für jeden was dabei.

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Frühlingsgruß

So nah am Nordpol ist alles etwas später dran. Der Winter Schnee hat dieses Jahr besonders lang seine schützende Decke über die Natur ausgebreitet und hier und da sind auch immer noch ein paar weiße Placken zu sehen. Aber so langsam aber sicher erobern sich Flora und Fauna ihren Platz zurück.

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Habt einen schönen Sonntag!

Liebes Tagebuch am Fünften

Da ich immer noch AU bin, dreht sich mein Tag-Nacht-Rhyhtmus um. Und die Eule in mir will halt zu ihrem Recht. Die Zeitumstellung tut da ihr Übriges.

1h00 Ich mache den Fernseher aus und gehe Richtung Schlafzimmer, das total chaotisch ist. Also räume ich erstmal auf: Papier-Müll, Müll und Sachen, die nicht weg dürfen. Mir fällt der Antrag für die Mutter-Kind-Kur in die Hände. Seit ein paar Tagen habe ich ihn nun. Einen Termin diesbezüglich bei der Ärztin auch. Aber ich muss ja auch begründen, warum ich das machen will/muss. Die letzten Tage habe ich immer mal recherchiert, was im Netz so dazu empfohlen wird. Beschließe nun, einfach ganz offen meine Lage zu beschreiben. Den ganzen Hintergrund. Das wird nicht leicht. Weil ich an vielen Stellen einfach immer noch denke: „Selber Schuld. Warum soll die Allgemeinheit KK dafür bezahlen, damit es mir besser geht?! Wo ich doch selbst was ändern könnte/sollte/müsste.“ Aber ich muss mir eingestehen, dass ich das nicht kann. Dass ich Hilfe brauche.

2h00 Licht aus. Doch die Gedanken kreisen weiter. Lesen hilft zum Glück und so übermannt mich die Müdigkeit nach ein paar Minuten.

7h15 Das Kind kommt.

7h30 Endlich höre ich mal den Weckruf meines neuen Handy. Bei der durchdringenden Melodie bin ich mittlerweile sicher, dass irgendwas die letzten Tage falsch eingestellt war. DAS kann man – auch ich – nicht überhören.

Das Kind wird nun „sanft“ zum Aufstehen motiviert und angezogen. Der mini-monsieur und ich führen eine Diskussion über den Inhalt der Frühstücksbox. Das Kind wünscht sich Cornflakes – allerding die runden, gelben und seeeehr süßen. Die stehen aber derzeit nicht im Regal. Die Alternativen werden getestet aber für „nicht gut“ befunden. Gut, also doch Gemüse, Käse und Joghurt (Brot wird nicht gegessen).

8h30 monsieur und mini-monsieur verlassen das Haus. Ich mache mir Frühstück (Brot, Saft und 4 Tabletten – ich fühle mich alt), zappe durchs morgentliche Fernsehprogramm und recherchiere gleichzeitig ein leckeres Kuchenrezept für den Kiga-Flohmarkt morgen. Eigentlich hätte ich gerne mal Donauwelle probiert, aber das war mir doch zu aufwändig. Also ein Mohnkuchen. Liste gemacht. Dann mit dem Hund eine Runde raus.

10h00 Bewaffnet mit dem Hackenporsche (ohne Inhalt lässt der sich schick kleinfalten und ginge auch als netbook-Tasche durch) zum Einkaufen. Auf dem Rückweg noch einen Abstecher beim Samba-Dealer. Es gibt so Phasen im Leben, da kann man gegen die Zitronen nur gaaaanz viel Süßes zu sich nehmen.

11h10 Wieder zu Hause. Der monsieur ist auch wieder zurück (hat beim Aufbau für den Flohmarkt geholfen). Ich mache mich gleich dran, den Kuchen zu backen. Schließlich muss ich nachher noch zur Krankengymnastik, das Kind abholen, um 17h00 im Kiga sein und noch Waffelteig für morgen machen.

12h40 Kuchen ist fertig. In der Wohnung riecht es lecker nach Mohn. Ich trinke eine Tee, nehme die erste Samba-Ration zu mir und drehe eine Blog-Runde und werde ans Tagebuch-Bloggen erinnert.

13h05 Erster Teil des Artikels ist fertig… Ich hüpf noch schnell unter die Dusche und düse dann zur Krankengymnastik.

13h50 Die Krankengymnastin sucht nach bösen Punkten. Rechts ist’s schon super, dafür war heute links seeehr fies. Aber Triggerpunkt-Therapie ist auch kein Ponyhof 😉 Deutlich beweglicher geht es um

14h15 zum Schneider, um endlich die seit Monaten rumliegenden Hosen kürzen zu lassen. Dann Richtung Klamotten-Schwede, um was von den kürzlich erstandenen Kinderklamotten umzutauschen. Beim Rundgang muss ich feststellen, dass ich nicht mehr die Figur das Alter für diese Klamotten habe. Dafür gab’s doch noch ne Hose und ne Sweatshirt für den mini-monsieur.

15h00 Das Kind freut sich sehr, dass ich ihn abhole. Ich freue mich, dass ich auf seinem T-Shirt und seiner Hose sehen kann, was es zum Mittag gab. Nur die Fleischklösschen musste der mini-monsieur mündlich zufügen 😉

15h20 Ankunft zu Hause. Nun ist ein bisschen chillen angesagt. Ich muss ja gleich wieder am Kiga sein, um weiter für den Flohmarkt aufzubauen.

17h00 Ankuft im Gemeindehaus. Der Aufbau der Tische war zum Glück schon heute morgen fertig. So muss nur noch der Kiga-Stand geordnet werden. Die Kinder-Klamotten sind völlig durcheinander und so mache ich mich darüber her, diese nach Größen zu sortieren.

Ich muss ja sagen, ich vestehe bis heute nicht, warum es Größen-Angaben wie „1-2 Monate“, „3-5 Jahre“ gibt. Was ist bitte schön so schwer daran, normale Größen reinzuschreiben. Die Franzosen machen das auch gerne. Das führte anfangs zu interessanten Diskussionen mit der französischen Oma. Denn der mini-monsieur war schon immer etwas größer als der Durchschnitt. Und so bekam er oftmals Sachen, die deutlich zu klein knapp waren. Mittlerweile hat sie’s verstanden schreiben die Franzosen auch Größen in Form von Längenangaben in die Kinderkleidung.

19h15 Ich bin wieder zu Hause. Mich erwarten ein sehr gut gelaunter mini-monsieur und Papa bereits am Tisch. Das Kind ist lustig drauf und macht eine Menge Quatsch. Nach einem kleinen Unfall im Bad springt er halbnakt über Tisch und Bänke (wörtlich zu nehmen) und freut sich des Lebens. Ich bin mir nicht sicher, ob das in die Kategorie „Nach müde kommt blöd“ fällt. Aber es ist Zeit, dass der kleine Mann bettfertig gemacht werden muss. Heute ein schwieriges Unterfangen. Als es endlich geschafft ist, geht er bereitwillig ins Bett.

20h40 Ich liege neben dem Kind im seinem Bett und lese ihm eins seiner derzeitigen Lieblingsbücher vor. Bei der vorletzten Seite schlafe ich fast selbst ein. Und weil das Kind noch kuscheln möchte, als das Buch zugeklappt ist, schlafe ich tatsächlich ein.

22h55 Ich wache etwas zerknautscht auf und muss mich erstmal sortieren. Mir ist kodderig. Vermute stark, dass es am Antibiotikum liegt. Das nervt mich eh gerade: Das letzte Mal habe ich AB vor der Schwangerschaft genommen. Und nun habe ich schon das zweite dieses Jahr verordnet bekommen. Gesund ist was anderes.

23h16 Während ich schreibe, gucke ich parallel „Lerchenberg“ und bin mir noch nicht sicher, ob ich das komisch finden soll.

00h17 Der Fünfte ist nun vorbei und ich habe fertig. Trinke noch meinen Tee und setze dann meinen Schlaf fort.

Weitere Tagebuch-Einträge vom Fünften gibt es bei Frau Brüllen. Danke für den „Aufruf“.

Oma

Am Wochenende haben wir Till Eulenspiegel besucht. Zufällig, denn eigentlich haben wir uns mit meinen Eltern in Mölln getroffen. Da meine Mutter gerade da ist zwecks Reha. Und ich musste daran denken, dass das vor drei, vier Jahren nicht möglich gewesen wäre. Dass es damals in den Sternen stand, ob der mini-monsieur jemals seine deutschen Großeltern kennenlernen wird.

Mutter-Tochter-Beziehungen sind selten wirklich leicht. Und oft geprägt von vielen Projektionen. So hatten auch meine Mutter und ich immer wieder schwierige Momente miteinander.

Da gab es mal ein paar Tage – ich war etwa 13 -, an denen sie nicht mit mir und ich daraus resultierend nicht mit ihr gesprochen habe. Der Grund: abgeschnittene Haare. Selbst abgeschnittene Haare auf Bob-Länge. Von vormals weit über Schulter-lang. Sie schmiss meinen sämtlichen Haarschmuck und Bürsten weg und gab mir einen Kamm.
Der Undercut, die roten, blauen, lila und grünen Haare, die danach meinen Kopf zieren sollten, haben sie nicht gestört. Aber die langen Haare werden bis heute vermisst.

Nach dem Abi wurde ich fast vor die Tür gesetzt, weil ich erwähnte, dass ich ein FSJ machen könnte, bis mir was Besseres einfallen würde. ALLES nur das nicht. Eher hätte sie (selbst Erzieherin und Sozialpädagogin) mir ein Jahr ohne Sinn und Verstand Studium oder Ausbildung finanziert.
Wir waren aber beide sehr froh, als ich dann endlich auszog, um ausreichend weit weg zu studieren.

Dass ich mein erstes Studium schmiss, war kein Problem. Dass ich beim Wechsel des Studienorts (zurück in die alte Heimat) gleichzeitig mit meinem damaligen Freund zusammenzog, war allerdings höchst dramatisch.

Doch dann war erstmal Ruhe…

… bis ich mich von ebendiesem Freund – mittlerweile mein Mann – trennte. Ich wohnte mittlerweile in Frankfurt und von Kontakt zu Kontakt mit meiner Mutter wurde es schlimmer. Sie wollte/konnte meine Entscheidung nicht akzeptieren. Sie mischte sich in die Kommunikation zwischen meinem Ex und mir ein und fiel mir in den Rücken.

Ich reduzierte den Kontakt mit ihr auf ein Minimum:
Als es irgendwann einen neuen Mann in meinem Leben gab, erfuhr sie das nicht.
Als dieser Mann zu mir zog, erfuhr sie das nicht.
Und als ich schwanger war, erfuhr sie das auch nicht.

Die Situation war unbefriedigend und unerträglich – für alle Seiten. Und so setzten wir uns, als ich im 4. Monat war, mit einem Mediator zusammen.

Dabei säte der Mediator einen Gedanken in mir (den ich auf viele Situationen übertrage): Er sagte (sinngemäß), dass wir die Jungen die Alten nicht ändern können. Dass es höchstens die Alten selbst noch können. Und dass man als Kind überlegen muss, ob man seine Eltern so akzeptieren kann, wie sie sind. Oder ob ihr Verhalten so verletztend/unerträglich für einen ganz persönlich ist, dass man diesem nicht mehr ausgesetzt sein möchte.

Daher (?) endete der Termin mit MEINER Entscheidung, den Kontakt zu meinen Eltern abzubrechen. Ihnen zu sagen, dass sie mich nicht mehr anrufen oder sonstwie mit mir kommunizieren dürfen. Dass sie aber auch nicht über Dritte (damals gern genutzter Weg) mit mir Kontakt halten sollen. DAS war ein großer schmerzhafter Schritt aber auch eine große Erleichterung.

Und bis heute bereue ich diese Entscheidung nicht. Diese Auszeit war gut und wichtig vor allen für meine Mutter und mich. Ihr hat es sehr zu denken gegeben, dass ich sie nicht an der Schwangerschaft und auch der ersten Zeit mit dem mini-monsieur habe teilhaben lassen. Und ich konnte alles Geschehene überdenken und relativieren.

Zur Geburt gab es das erste Lebensezeichen von mir: eine Karte. Dann war wieder Funkstille. Und ganz langsam, Schritt für Schritt haben wir uns dann angenähert. Und das erste Mal hat der mini-monsieur seine deutschen Großeltern mit 10 Monaten kennengelernt.

Seitdem wachsen die Beziehungen bzw. ordnen sich neu. Es ist deutlich entspannter zwischen meiner Mutter und mir als es je war. Wir akzeptieren einander. Es wird nicht belehrt, sondern Rat angeboten oder erfragt und zwar in beide Richtungen. Wir lernen voneinander.

Ich bin froh, dass es so ist. Dass sie wieder in meinem Leben ist. Dass sie im Leben des mini-monsieurs ist. Dass er ihr mit großen Augen zuhören kann, wenn sie Geschichten von Till Eulenspiegel erzählt. Dass er sich riesig freuen kann, wenn sie mit ihm die Lieder aus dem Kindergarten mitsingt. Dass er nach Oma (und Opa) fragt und sich freut, wenn wir uns sehen.

Und ich hoffe, dass ich es schaffen werde, den mini-monsieur genauso gut zu erziehen, wie sie mich und meinen Bruder erzogen hat. Denn viel „falsch gemacht“ (ihre Worte) hat sie nicht. Vielleicht hätte man Dinge anders machen können, aber ob das besser gewesen wäre?!