Die Sache mit dem Schuster und den Leisten

In meinem Noch-Büro ist es angeblich sehr international.

Dort arbeiten unter anderem Schweden, Finnen, Engländer, Inder, Dänen, Franzosen, Ungarn. Sobald diese Kollegen in einem meeting einer Besprechung dabei sind, wird Englisch gesprochen. Normal. Irgendwie muss man sich ja verständigen.

Das Büro betreut auch internationale Kunden – zum Beispiel aus Norwegen, aus USA, aus Frankreich. Die Kommunikation erfolgt – damit alle alles verstehen oder halt auch nicht – auf Englisch. Normal. Irgendwie muss man sich ja verständigen.

„Irgendwie verständigen…“ Manchmal ist es – selbst wenn man gut Englisch spricht – leider nicht mehr.

Da gibt es so banale Dinge wie Akzente: US-Englisch klingt nicht wie UK-Englisch und die Schotten sprechen nicht alles so aus wie Australier oder verwenden bestimmte Vokablen in anderen Kontexten.
Bei Telefonkonferenzen mit Franzosen auf Englisch sollte man immer zu mehreren sitzen und vorher festlegen, wer den ersten, wer den zweiten usw. Satz analysieren soll. So bekommt man wenigstens eine Ahnung davon, was einem mitgeteilt werden sollte.
Ich hatte zu Studi-Zeiten mal einen chinesischen Tutor. Vor den Abtestaten hat es mir und meiner Kommilitonin immer gegraut. Und zwar nicht, weil wir den Stoff nicht konnten, sondern weil es S E H R schwierig war, überhaupt die Fragen zu verstehen.

Komplizierter wird es mit Vokabeln und deren Wortsinn: Spricht man als Nicht-Muttersprachler mit einem Muttersprachler, so nimmt dieser meist Rücksicht, schmunzelt hier und da, aber kann alles in einen sinnvollen Kontext einordnen.
Sprechen jedoch Nicht-Muttersprachler miteinander Englisch, so übersetzen beide in die jeweilige Muttersprache. Den Effekt kann man ganz leicht mit g**gle Übersetzer und Konsorten nachvollziehen: Erst deutschen Text auf Englisch übersetzen, dann diesen Text eins zu eins z.B. ins Französische übertragen lassen… Man schwankt zwischen amüsiert und entsetzt.

Das Problem ist, dass daraus resultierende Missverständnisse IMMER zu Lasten von Zeit und (Kunden-) Beziehung gehen. Hinzu kommt, dass durch das Englisch eine sehr sachliche Ebene erzeugt wird. Die Sprache wird zum Werkzeug. Sie dient zur Verständigung, nicht zur Kommunikation. Wortspiele, wie man sie in der eigenen Muttersprache machen könnte/würde, um die Stimmung zu lockern oder Sachverhalte zu relativieren, sind nicht unmöglich. Doch die Gefahr ist groß, dass der Gesprächspartner, der ja obendrein aus einer anderen Kultur stammt, diese sehr wahrscheinlich möglichweise in den flaschen Hals bekommt. (Übersetzen Sie das mal direkt ins Englisch oder Französische: Sie würden sehr schief angeguckt.)

In meinem Job geht es aber essentiell um Sprache und Kommunikation. Darum, Dinge zu vermitteln, Sachverhalte verständlich zu machen. Der Kunde muss beraten und geführt werden. Dazu muss man sich verstehen. Doch das kann man meines Erachtens eigentlich nur dann wirklich gut, wenn man bei der Sprache bleibt, die man wirklich beherrscht.

Ein Gedanke zu „Die Sache mit dem Schuster und den Leisten

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