Zierde

Ich erwähnte ja bereits, dass es mit unseren Nachbarn nicht sooo einfach ist. Zumindest mit den Ü50ern. Mit der anderen Familie im Haus verstehen wir uns gut und mit den jungen U50-Menschen herrscht eine friedliche Koexistenz (man nimmt Pakete des anderen an und sagt sich Guten Tag).

In den ersten Wochen nach unserem Einzug haben wir das Bad renoviert. Was nicht nur dazu führte, dass wir nicht zu Hause duschen konnten (gut, wenn der kleine Bruder direkt ums Eck wohnt), sondern auch dazu, dass aufgrund der Baustelle ein Grundchaos in unserer Wohnung herrschte. Viele Dinge hatten einfach noch nicht ihren Platz.

So auch eine Sandkiste in Form eines blauen Boots mit entsprechendem Deckel. Weder auf dem Balkon noch in Keller noch in der Wohnung war dafür Platz. Und so stellten wir die Kiste zwischen zwei Rosenbeete auf das MoosRasenstück vor dem Haus – ohne Sand. Gespielt wurde da selten. Es wurde höchstens mal Spielzeug rausgenommen auf dem Weg zum Spielplatz oder wenn es zum Nachbarnjungen auf der anderen Seite des maroden Maschendrahtzauns ging.

Stehenbleiben sollte die Kiste da nicht. Aber dann bekamen wir eine e-Mail von der Hausverwaltung, Nachbarn hätten sich wegen der Kiste beschwert und wir sollen sie bitte danke entfernen. Ach, Nachbarn haben sich beschwert?! Bei mir nicht. Direkt zur Hausverwaltung zu gehen, ohne einmal mit uns zu sprechen, finde ich extrem feige und so blieb das blaue Ding erstmal, wo es war.

Und weil die Kiste da nun weiterhin stand und das Moos daran hinderte weiterzuwachsen, fühlte sich der Drache die Nachbarin über uns (Eigentürmerin der Wohung, in der sie wohnt und damit prozentuale Miteigentürmerin am Moos) dazu berufen, sich rechtlichen Rat zu suchen. Da Grüßen oder sonstige persönliche Kontaktaufnahme ja noch nie wirklich stattfand, wurde es schriftlich formuliert:

Der Notar hat in der Teilungserklärung mit Siegel und Unterschrift festgelegt, daß der Garten als Ziergarten unterhalten wird. Das gilt, solange das Haus steht. Keiner, auch kein Eigentümer kann daran etwas ändern!! Es ist also von Ihnen in höchstem Maße rechtswidrig, daß Sie das Planschbecken in unserem Ziergarten abgestellt haben.

Ich stelle mir vor, wie sie da über uns an ihrem Schreibtisch saß und mit einer vor Wut zitternden Hand die Buschstaben zu Papier brachte. So was ist nicht gut fürs Herz – schon gar nicht in ihrem Alter.

Dass dieser Garten einen Ziergarten darstellt, lässt sich leider nicht auf den ersten Blick erkennen und es wurde uns auch nicht bei Wohnungsübergabe mitgeteilt. Eine kleine Anfrage bei Herrn Goo-Gel ergab, dass Ziergärten besonderen rechtlichen Schutz genießen und so wanderte die blaue Kiste in den Keller.

Von da wäre sie wahrscheinlich bei e*ay oder auf einem Flohmarkt gelandet. Doch dann hörte ich kurz nach dem Entfernen, wie der Ober-Drache dem Unter-Drachen sigessicher mitteilte, dass sie es geschafft hätten. Und ich erfuhr Monate später von einer Unterschriften-Liste, die das Drachen-Sandwich gegen uns die Sandkiste gestartet hatte. Ganz ehrlich: Ich hätte neben der Arbeit und dem Kind keine Zeit für so einen Scheiß. Das fällt echt in die Kategorie „unausgelastet“.

Nun (es wird ja bald Frühling) werde ich dem Haupt-Eigentümer (selbst Vater und sehr Kinder-freundlich) unserer Wohnanlage eine E-Mail schreiben und mal fragen, was wir denn mit dem tollen blauen Boot machen können, das wir ja bedauerlicherweise nicht nutzen können. Vielleicht hat er eine Idee. 😉

Und beim nächsten Mal erzähle ich, wie unser 30-Kilo-Hund angeblich mit dem Kind zusammen durch die Wohung hüpft und so eine immense Lärmbelästigung erzeugt. Oder davon, dass in Hamburg zwar der eigene Müll nicht getrennt wird, aber der der unliebsamen Nachbarn und denen vor die Tür gestellt wird. Oder wieso es seit unserem Einzug ein Schild im Keller gibt.

3 Gedanken zu „Zierde

  1. Hammer! Manche Leutehaben echt zu viel Zeit! Ich wünsche ein dickes Fell in Sachen Nachbarschaftsverhältnis, kann mir aber gut vorstellen, dass du auf diese „Baustelle“ momentan gut verzichten könntest 😦

    • Das ist ja zum Glück eine alte Geschichte (letztes Jahr kurz nach Einzug). Zur Zeit sind die Drachen ohne Feuer… Bin gespannt, was passiert, wenn wir doch eine Aufstellgenehmigung für das blaue Schiff bekommen sollten.

  2. Pingback: Wir geh’n auf große Drachenjagd… | Neues aus der Großstadt

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