Ganz schön sexy, dieser Ismus

Ich wollte gerade einleiten mit

„Nein, das hier ist kein Feministinnen-Blog, aber …“

… aber was ist das für eine Scheiß?! Entschuldige ich mich für meine Ansichten? Wie respektlos ist das denn dem Feminismus gegenüber?

Erst denken, dann reden tippen. Doch was genau ist „Feminismus“?

Der Duden (25. Auflage, 2009) sagt:

Feminismus, der; -, …men (Richtung der Frauenbewegung, die ein neues Selbstverständnis der Frau und die Aufhebung der traditionellen Rollenverteilung anstrebt [nur Sing.]; Med. Zool. Ausbildung weibl. Merkmale bei männl. Wesen; Verweiblichung)

Im Brockaus von A-Z in drei Bänden (Sonderausgabe, 2000) steht:

Feminismus [lat.], Richtung der Frauenbewegung, die die Befreiung der Frau durch Veränderung der geschlechterspezif. Rollen erstrebt.

Wikipedia ist etwas ausführlicher:

Feminismus (abgeleitet aus dem französisch féminisme, vom lat. Wortstamm femina ‚Frau‘) ist sowohl ein intellektuelles Bekenntnis als auch eine politische Bewegung und tritt für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Frauen ein sowie das Ende aller Formen von Sexismus. Der Begriff bezeichnet heterogene Denkansätze und Theorien, deren gemeinsamer Ausgangspunkt das Aufbegehren gegen die Identifizierung von Frauen als einer Männern nachgeordneten Gruppe ist. Ziel ist die Veränderung der Lebenssituation von Frauen als auch der Strukturen, die eine Nachrangigkeit von Frauen hervorbringen. Feminismus grenzt sich von Gleichstellungspolitik durch die Vorstellung ab, dass die geschlechtergerechte Teilhabe an der gesellschaftlichen Gestaltung nicht ohne eine Veränderung der Machtverhältnisse zu realisieren sei.
Feministische Theorien greifen Themen und Erkenntnisbedarf der Frauenbewegungen auf. […]

Gehen wir nach dieser letzten Definition, würde ich mich als Feministin bezeichnen. „Aufhebung der traditionellen Rollenverteilung“ und „Befreiung der Frau durch Veränderung der geschlechterspezif. Rollen“ sind mir offen gestanden zu extremistisch. Wobei dieser Wortlaut sicherlich vor 50 Jahren seine Berechtigung hatte und es nicht verkehrt ist, ihn sich immer wieder mal vor Augen zu führen. Denn das ist es, wofür meine Mutter und ihre Generation gekämpft haben.

Heute muss die traditionelle Rollenverteilung nicht mehr aufgehoben werden oder gar die Frau befreit werden – zumindest rechtlich gesehen. Was in den Köpfen einiger Y-Chromosom-Träger ist, ist etwas anderes. Aber heute haben Frauen bzw. Paare die Wahl, wie sie die Rollenverteilung leben möchte. Dabei ist eine Frau, die gerne bei ihrem Kind bleiben möchte, nicht per se eine Feminismus-Verräterin. Ich stelle einfach mal das Bild in den Raum: Beide arbeiten Vollzeit, gerne auch mal mit Überstunden, gelegentlicher Reisetätigkeit und Abendterminen, Sport-affin, 2 Kinder im Kiga- und Grundschulalter. Mit Rücksicht darauf, dass ein Tag nur 24 Stunden hat, frage ich mich, wann die Eltern ihre Kinder wirklich zu Gesicht bekommen und wieviel Fremdbetreuung für die Kinder nötig ist.

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben, sondern über eine kleine Sexismus-Diskussion, die ich vor kurzem geführt habe.

Es wurde schon an vielen Stellen bemängelt, dass in der ganzen Diskussion zu #aufschrei der Sexismus nicht definiert worden sei. Rein vom Wort-Ursprung her bezieht der Begriff sich auf die Vorverurteilung und Diskriminierungeiner Person aufgrund des Geschlechts. So wie sich Rassismus ja auch nicht auf nur eine ethnische Gruppe bezieht. Nehmen wir aber hin, dass die Diskriminierung der Frau stärker ausgeprägt und tradiert ist als die des Mannes und dass sich so der Begriff eben nur auf die Diskriminierung der Frau bezieht. Diskriminierung, Missachtung, fehlender Respekt, Vorurteile, Abwertung der Frau. WOW, das klingt NICHT gut. Doch so ist es leider.

So stand die Diskussion unter der Frage: Was alles umfasst Sexismus? Und da war er wieder, der große Topf, in den (gerade) alles hereingeworfen wird. Sicherlich sind auch sexuelle Nötigung und Übergriffe sexistischen Ursprungs, aber gerade diese Straftaten habe noch viel mehr Ursachen. Doch NUR, weil ein Wortbestandteil Sex ist, geht es nicht ausschließlich darum. Sexismus umfasst viel mehr.

Und ich werde mit großen Augen angeguckt, als ich ausführe, dass nach meiner Meinung auch die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern Sexismus sei, dass die Frage nach Familienplanung (wenn auch verboten) oder Kinderbetreuung genauso dazu zählt (ich glaube nämlich nicht, dass ein männlicher Bewerber mit Kind gefragt wird, wie das Kind betreut wird).

Im weiteren Verlauf der Diskussion wird angemerkt, dass mann nun (nach #aufschrei) ja nicht mehr flirten könne. Und schon wieder hat es jemand nicht verstanden. Darum geht es nicht, sollte es auch nie gehen (denn sonst würde die Menschheit, naja zumindest Europa aussterben). Sicherlich darf/kann/soll geflirtet werden, aber wie bei allem gilt: Den Gegenüber so zu akzeptieren, wie er/sie ist und die gesetzten Grenzen zu respektieren. Und ja, es ist nicht einfach. War es aber noch nie. Denn nur, weil die eine Frau bestimmte Handlungen akzeptiert, muss nicht auch ihre beste Freundin das tun. Was ist daran so schwer zu verstehen? Wir mögen doch auch nicht alle Rosenkohl oder Fisch.

Liebes Tagebuch – 2. Tag

Heute komme ich mir sehr Flodder-mäßig vor. Bös formuliert könnte man sagen, ich trainiere für die Arbeitslosigkeit. Das Kind ist heute auch zu Hause geblieben. Er hat schlecht geschlafen die Nacht und musste viel husten. So sind wir beide immer noch im Pölter – naja, zumindest noch nicht ausgehfein.

Der Tag fing heute also noch gar nicht wirklich an. So ganz stimmt das nicht. Ob in Jeans oder nicht, der mini-monsieur und ich haben so mal richtig Zeit für uns: Haben gekuschelt, getobt, gelesen, geknetet… (Wer eine Alternative zu diesem blöden Ausdruck „quality time“ hat, bitte her damit) Ich habe erzogen und dafür ein bisschen schmipfen müssen, aber auch ganz viel lieb gehabt – letztens habe ich irgendwo gelesen, dass man für ein Mal Schmipfen fünf positve Rückmeldungen dem Kind geben sollte. Habe ich irgendwie schon immer intuitiv gemacht: in den Arm nehmen, sagen, dass ich ihn liebe, dass er das beste Kind der Welt sei etcetc.

Jetzt kuschelt er an mir und der monsieur sorgt dafür, dass wir nicht total verkommen. Ich kann mich momentan nicht aufraffen – Motivation??? Ich nehme mir jetzt auch einfach das Recht raus, ein wenig zu verloddern. Kurzfristig. Ein bisschen die Wunden lecken, um dann wie Phönix aus der Asche zu steigen. Damit der Tag wieder ganz normal aussieht.

Das Wetter schreit allerdings nach Rausgehen. Sonne tanken, den blauen Himmel genießen, die frische, klare Luft atmen. Gleich geht es sicherlich noch mal raus. Der Hund hat schließlich noch nicht gelernt auf Toilette zu gehen.