Zwei Sprachen

Im Zuge von Internationalität ist es ja wichtig, diverse Fremdsprachen zu beherrschen. Und die lieben Kleinen lernen Sprachen ja ach so einfach, wenn man nur früh genug damit anfängt. So müht sich der ein oder andere Nicht-Muttersprachler daheim ab und spricht Schulenglisch mit dem Nachwuchs oder setzt das Kind immer mal wieder vor den Lieblingsfilm in der Wunschsprache (irgendwas wird ja wohl hängenbleiben). Wem das nicht elitär genug ist, der bucht „Spanisch/Englisch/Kisuhaeli für Minis“, schickt sein Kind in eine zweisprachige Kita oder holt sich eine fremdsprachige Hilfe ins Haus (von der am meisten der Papa was hat). Bald wird es Chinesisch für Neugeborene, wenn nicht auch schon im Mutterleib geben.

Toller Trend, dachten der monsieur und ich, als der mini-monsieur sich ankündigte: Das machen wir auch.

Bei monsieur und mir ist das anders. Wir wollten den mini-monsieur nicht zweisprachig erziehen, wir mussten. Denn der monsieur spricht nun mal nur Französich. Ich spreche beide Sprachen – Deutsch ist meine Muttersprache und Französisch (nach Aussage von monsieur) so gut, dass er immer wieder vergisst, dass ich nicht Muttersprachlerin bin. Das ist ein wenig übertrieben, denn ich habe da noch so einige grammtikalische weiße Flecken und die Sache mit den Haken und Ösen an/auf irgendwelchen Wörtern hat sich mir immer noch nicht erschlossen. Aber die hört man ja zum Glück nicht.

Wie bei der Erziehung der mini-monsieurs im Allgemeinen haben wir uns auch für diese Erziehungsfrage keine Ratgeber zugelegt. Ich habe ein wenig im Internet recherchiert und dann beschlossen: Das wird schon, wenn wir einfach nur bei uns bzw. unseren Sprachen bleiben: „Eine Person – eine Sprache

Und es wurde. Wir hatten den Luxus, dass der mini-monsieur die ersten drei Lebensjahre nicht in eine Einrichtung musste, sondern daheim vom Papa betreut wurde. Das heißt, dass der kleine Mann in seinem ersten Lebensjahr täglich französisch-deutsch beschallt wurde, im zweiten und dritten Lebensjahr dann tagsüber Französich mit Papa und abends Deutsch mit mir sprach. Zusätzlich ging er einmal pro Woche in eine französische Kindergruppe und unsere Familiensprache ist Französisch.

Wie alle zweisprachigen Kinder fing auch der mini-monsieur erst spät an zu sprechen. So richtig eigentlich erst mit etwas über zwei Jahren. Das hat uns nie gestört oder beunruhigt, sahen wir doch, dass uns versteht und sich auch sonst bestens entwickelt. Seit der Sprachknoten geplatzt ist, spricht er wie ein Wasserfall, denkt hin und wieder schneller, als er sprechen kann und ringt gelegentlich nach Wörtern. Aber nichts, was uns beunruhigt (im Gegensatz zum Kiga-Logopäden, aber der muss ja auch irgendwie an seine Patienten kommen).

Natürlich hat er auch Frallmand gesprochen (Ich habe eine Puzzle gefait, nach maison gehen o.ä.). Ebenfalls etwas normales und nichts, was mit 2 oder 3 schon korrigiert werden müsste. Zudem war klar zu sehen, dass der mini-monsieur keine Probleme damit hat(te), die Sprachen zu trennen und „wusste“, dass er mit dem Papa Französisch und mit mir Deutsch spricht. So kam es bisweilen vor, dass der mini-monsieur dem Papa „übersetzte“, da der monsieur sich mit Deutsch sehr schwer tut.

Seit einem drei viertel Jahr geht der junge Mann nun in den Kindergarten. In einen rein Deutsch-sprachigen, da es einen französisch-deutschen nicht gibt (zumindest nicht erreichbar). Und hier stieß er an seine Grenzen. Ich möchte nicht sagen, dass er sprachlich hinterher war. Aber das Frallemand stand ihm im Weg. Die anderen Kinder verstanden nicht, was er wollte, er konnte verbal nicht schnell genug reagieren und wurde bisweilen von den älteren Mädels in Grund und Boden diskutiert. Frust machte sich breit, der sich auch in Aggression äußerte. Nicht nur einmal haben wir in der Anfangszeit eine Kind vom Kiga abgeholt, das mal wieder ein anderes Kind gebissen hatte. (Wir hatten so eine Beißphase schon mal, als seine beste kleine Freundin früh anfing zu reden, während er noch nicht mal Mama und Papa sagen wollte, und beim Spielen auf ihn einplapperte.)

Sicherlich war es auf der einen Seite der Ansporn, mit den anderen Kindern mithalten zu können, dass er auf Nur-Deutsch umschaltete. Auf der anderen Seite steht aber auch, dass der Papa in dieser sprachlich sensiblen Phase für zweieinhalb Monate nicht da war. So hörte der mini-monsieur (abgesehen von den Telefonaten mit Papa) nur Deutsch – im Kindergarten, mit Mama, mit der Babysitterin, mit den Nachbarn. Ich bin mir sicher, selbst wenn ich mit dem Kind Französisch gesprochen hätte und/oder nur noch Filmchen auf Französisch hätte gucken lassen, dass die – objektiv betrachtete – schwache Sprache nicht aktiv genutzt worden wäre.

Und so ist es zur Zeit so, dass der mini-monsieur dem monsieur fast ausschließlich auf Deutsch antwortet, wenn dieser mit ihm (Französisch) spricht. Das führt nicht nur zu Missverständnissen (also beim monsieur, da der mini-moniseur Französisch immer noch einwandfrei versteht) und dass ich immer wieder übersetzend eingreifen muss, sondern auch zu Frust beim monsieur (nein, er beißt nicht). Und ich weiß auch, dass es mich sehr stressen würde, wenn ich auf einmal mein Kind nicht mehr richtig verstehen würde. Aber man kann ein Kind in so einer Situation ja nicht zu seinen Glück zwingen.

Umso erfreulicher ist es, dass der mini-monsieur in der letzten Zeit wieder anfängt, Französisch einzufordern. Der Papa soll abends vorlesen, es werden die französischen Kinder-DVDs gesucht und auch wird er nicht müde zu betonen, dass er auch Französisch könne (kann er ja auch).

2 Gedanken zu „Zwei Sprachen

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