Liebes Tagebuch – 1. Tag

Eine spannende Idee hatte Frau Brüllen: Tagebuch-Bloggen… Mal ein bisschen in andere Leben spinsen (nicht nur ins Gedankengut).

Liebes Tagebuch,

der Tag fing kurzfristig schon mal mitten in der Nacht (den Blick auf die Uhr spare ich mir) an, als der mini-monsieur rüberkam und mich wach machte. Der letzte Artikel vom Nuf drückte gewissermaßen und so musste ich aufstehen. Das Kind wollte nicht allein im Bett bleiben und kam mit. Naja, so konnte er auch noch mal (ist ja noch nicht so lange ohne Windel). Beim Blick ins Wohnzimmer fiel dem Kind ein, dass der Papa ja dort schlief und dass er jetzt dort schlafen wolle. Sehr gerne, tat mir doch der Rücken weh und das Bett ist mit Kind sehr klein.

Kaum war ich fast wieder eingeschlafen, höre ich schnelles Getrappel und kurz drauf stürzt sich das Kind mit „Mama, ich bin schnell wie der Blitz zu Dir geflitzt.“ wieder neben mich. Zum Glück schnell wieder eingeschlafen.

7h15: Der Wecker bzw. das Handy piept. Ich fühle ich, als wäre eine Elefantenherde über mich gestapft. Aufstehen aufgrund von und mit Rücken: UN-MÖG-LICH. Der Papa kümmert sich ums Kind, macht es Kiga-fertig und bringt es auch dorthin (normalerweise mein Part auf dem Weg zur Arbeit).

8h50: Mail ans Büro, dass ich heute nicht komme. Seit der Kündigung vor zweieinhalb Wochen habe ich auch kein schlechtes Gewissen mehr, einfach daheim zu bleiben. Bekomme eh Kopfschmerzen, sobald ich ans Büro denke. Habe zwar angekündigt, vielleicht von zu Hause aus zu arbeiten (dass ich überhaupt noch Zugriff auf den Server für so was hab, finde ich ja etwas unprofessionell, aber gut), hatte bislang aber keine Lust. Es tut mir zwar um die Kollegin leid, dass sie dann immer im Regen steht, aber in einer solchen Situation darf/muss man einfach egoistisch sein.

Danach wie eine alte Frau in die Küche geschlichen und Brot gemacht. Mit Brot und O-Saft wieder ins Bett, ein wenig auf dem Smartphone gedaddelt (fb- und instagram-Runde gedreht), dann überfällige Überweisungen erledigt. Die Fernseh-Steuer lasse ich jetzt unkommentiert, ich würde zum Rücken nur noch Puls und Herz bekommen.

Mail bezüglich eines Jobs erhalten. Ich hatte schon zwei Gespräche, nun geht es um weitere Details. Ein paar Daumen könnte ich gebrauchen. Weiteres erst nächste Woche. Bin gespannt, ob und wie wir zusammen kommen.

Ach und wenn der Rechner schon mal an ist, dann kann ich ja auch endlich mal den Artikel über die Zweisprachigkeit für den Blog fertigstellen. Getippt, recherchiert und veröffentlicht. Blog-Runde gedreht. Da war ja was: Tagebuch-Bloggen. Voilà, da bin ich.

13h00 bis gerade nach Jobs gesucht und ein wenig in die anderen Wohn- naja ehr noch Schlafzimmer gelinst. Beim Blick nach draußen fühle ich mich wie kurz vorm Nordpol, auch wenn es hier nicht so schön ist. Aber die dicken Flocken fallen dicht an dicht. Das Kind will heute früher vom Kiga abgeholt werden. Wenn ich das mache, sollte ich langsam mal aus dem Bett kommen. Aber die Wärmflasche im Rücken ist so angenehm. Außerdem habe ich gerade die Kamera an den Rechner gestöpselt, um die Bilder vom Rodeln in Hamburg zu übertragen und zu bearbeiten. Aber frische Luft hat ja auch noch keinem geschadet.

13h05 Beim Blick auf die Rodelfotos weiß ich wieder, warum ich Rückenschmerzen habe und denke, dass ich die Schmerzen besser als Muskelkater deklariere. Ich sollte einfach mal wieder mit Sport anfangen.

13h15 Wundere mich, dass es so still ist in der Wohnung. Dachte vorhin schon, der Mann sei auf dem Balkon um zu rauchen. Aber so lange? Gucke nach, ob er oder die Balkontür festgefroren ist. Puh, weder noch. Der Mann liegt friedlich auf dem Sofa und genehmigt sich eine Mittagspause. Ich nutze die Gunst der Stunde, dass ich mich in der Vertikalen befinde und mache mir noch ein Brot. Dieses Körner-Baguette von dieser vermeintlich französichen Franchise-Kette schmeckt irgendwie komisch – so chemisch. Werde gleich duschen gehen.

13h50 Raffe mich endlich auf, duschen zu gehen. Interessant, woran man alles unter der Dusche denkt. Man kommt von Höcksken auf Stöcksken. Allerdings macht mir mein Alter heute so zu schaffen, dass sich zwischen jeden Gedankensprung das Mantra „Mir tut die Hüfte weh“ (denken Sie sich bitte die Melodie von „ich hab die Haar schön“ dazu) einschleicht. Heiligsblechle, schon lange hat mich meine Hüftdysplasie nicht mehr so genervt. Ich sollte einfach mal wieder mit Sport anfangen.

14h30 Ich bin präpariert für die Norpol-Expedition. Zumindest sehe ich so aus. Eigentlich will ich nur das Kind vom Kiga abholen, aber es schneit und schneit und schneit. Draußen erfahre ich, dass es nicht nur Hamburger Quer-Regen sondern auch Quer-Schnee gibt. Keine Ahnung, wie man sich dagegen wirkungsvoll schützt, außer drinnen zu bleiben. Gut, dass ich schon vorher dran gedacht habe, die Situation optimal auszunutzen und habe 1) Schuhe zum Schuster gebracht und 2) Brot gekauft. Sah mit meiner Expeditionskleidung etwas fehl am Platz aus.

15h00 Kind freut sich riesig, dass ich ihn abhole. Das sind schon so Herzmomente, wenn das Kind einen mit „Ich hab‘ Dich so vermisst und ich hab Dich soo lieb“ begrüßt. Kind in die Expeditionskleidung gestopft und los mit dem Schlittentaxi nach Hause. Zum Glück schneit es so stark, dass keiner mit dem Räumen hinterher kommt. Sonst würde das Ziehen auf den Rücken gehen.

Zu Hause angekommen, müssen wir erst noch eine Schneeballschlacht machen. Ich freue mich ja, dass das Kind meine Liebe für den Winter und den Schnee so teilt. Danach steht ein bisschen chillen an – bei Kuchen (für die messieurs), Laugencroissant, Milch und Saft – und rumtoben.

18h00 Endlich haben wir das Kind überreden können, dass er duschen sollte. Immer das Gleiche: Erst will er nicht rein. Aber wenn er erstmal drin ist, nicht wieder raus. Hier hilft meistens nur der Wecker: Wenn’s piept, wird das Wasser ausgemacht und er kommt raus. Funktioniert sehr gut. Heute nicht nötig, da der Papa mitgeduscht hat.

Ich bereite derweil ein wenig Abendbrot vor. Heute gibt’s Salat (mit Fenchel, Paprika und Gurke), Brot und Reste von gestern. Daher:

18h50 À table!!!

Das Abendessen ist mir heilig. Da hier nicht gefrühstückt wird, ich über Mittag im Büro bin und der mini-monsieur im Kiga isst, ist das Abendessen die einzige Familienmahlzeit, bei der wir zusammen am Tisch sitzen. Das Kind wird dabei zu seinem Glück gezwungen: Er isst eigentlich ganz gut. Jedoch isst er, wenn man nicht nachhilft, nur soviel, dass sein Hunger gerade gesättigt ist. Den Rest würde er mit Milch, Wasser oder Schorle auffüllen. Also schiebe ich ihm immer wieder einen Happen rein.

20h25 Das Kind ist im Bett (etwas früher also sonst, aber es gab ja auch früher Abendessen). Der Papa durfte/sollte mal wieder was auf Französisch vorlesen. Ich konnte ein bisschen Trash-TV zappen (zwischen R*L und v*ox). Nun sucht der monsieur einen Film, ich werde gleich noch ein wenig surfen und vielleicht einen „was wäre wenn“-Tagebucheintrag verfassen.

21h30 Einen „normalen“ Tagebuch-Artikel geschrieben.

Gleich werden wir knobeln, wer noch einmal mit dem Hund rausgehen und sich in den Schnee wagen möchte.

Danach gibt’s dann noch die obligate instagram- und fb-Runde, ein wenig zu lesen und dann ruft auch schon das Kopfkissen in die Horizontale.

2 Gedanken zu „Liebes Tagebuch – 1. Tag

  1. Pingback: Liebes Tagebuch am Fünten (März) | Groß-Stadt-Ansichten

  2. Pingback: Liebes Tagebuch am Fünften (Juni) | Groß-Stadt-Ansichten

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